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Pfingstspektakel im...

Ausflug in die Geschichte

01.06.2009 | 16:17 Uhr

Beim Pfingstspektakulum im Schloss Broich gab es drei Tage lang ein Leben wie im Mittelalter.

„Das ist Sir William der Weiße. Wer von euch kann erraten, wo er hinein laufen wird?“, fragt die junge Frau und hält ihre Hand hoch. Darauf sitzt eine weiße Maus mit schwarzen Knopfaugen. Die umstehenden Kinder zeigen auf kleine, im Kreis stehende Häuschen. Gespannt beobachten sie, wie Sir William in einem der Häuser verschwindet. Die junge Frau namens Bianca teilt die Preise aus. Mit ihrem Mäuseroulette ist sie zum ersten Mal beim Pfingst-Spektakulum mit Ritterturnier auf Schloss Broich dabei.

Im wirklichen Leben studiert die 23-Jährige in Münster. In ihrer Freizeit ist sie jedoch mit ihren sechs Wüstenrennmäusen auf Veranstaltungen wie dem Mittelaltermarkt auf Schloss Broich anzutreffen. „Ich habe die Mäuse so dressiert, dass sie auf der Hand bleiben”, erzählt Bianca und setzt den weißen Mäuserich behutsam zurück in seinen Stall.

Erstmals wurde das Pfingst-Spektakulum mit dem Ritterturnier zusammengelegt. Am Wochenende strömten hunderte Besucher ins Schloss, schoben sich vorbei an Ständen mit mittelalterlichen Waffen und Kleidern, bewunderten Amulette, Töpferwaren und Filzarbeiten und genossen das Wetter bei kühlem Met, Kirschbier, Wildfleisch und Flammkuchen.

Auf der MüGa-Wiese stehen die weißen Zelte des mittelalterlichen Heerlagers dicht an dicht beieinander. Gewandete kochen an Feuerstellen, sitzen auf Fellen beieinander oder tragen Schwertkämpfe aus. An einer großen Tafel unter einem hochherrschaftlichen Zelt verweilen die Ritter und ihre Knappen. „Dies ist ein Ministerial-Lager aus dem zwölften Jahrhundert. Ich bin Harper von Helpenstein, Ministerialritter des Rainald von Dassel. Ich kümmere mich ums Recht und Verwaltungsaufgaben”, verkündet ein in kostbare Kleider gewandeter Herr. Dieser Herr heißt eigentlich Markus Capelle und ist der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Communis Pristina“ für Heimatkunde und Brauchtumspflege in Grevenbroich. Seit sechs Jahren kommt der Verein zum Mittelaltermarkt ins Schloss Broich. „Wir wollen den Leuten die Geschichte näher bringen”, sagt Capelle. Daher ist das hochherrschaftliche Zelt auch das einzige, das nicht abgesperrt ist. „Wir sind ein wandelndes Museum. Jeder kann kommen und sich umsehen”, sagt er.

Die schweren Holzmöbel sind alle selbst gemacht ebenso wie die Kostüme. Jeder der 35 Vereinsmitglieder spielt einen eigenen Charakter. Alles soll so echt wie möglich aussehen. Dazu haben sie einiges herangeschafft. Rund 3,5 Tonnen wiegt das ganze Equipment, das der Verein zum Pfingst-Spektakulum mitbringt. Vier Stunden dauert es, bis alles aufgebaut ist. „Die einzige Schwierigkeit, die wir hier haben, besteht durch das Wetter. Aber sonst ist es einfach schön hier. Es gibt keine Handys, keinen Computer, keine Uhr”, erzählt Capelle. Er ist gelernter Rettungsassistent und Fachinformatiker. Zur Zeit arbeitet er als Lkw-Fahrer. „Ich war vor einigen Jahren auf einem Mittelaltermarkt. Dachte erst: Was sind das für Verrückte. Aber als ich länger da war, bin ich angesteckt worden.”

Wenn die Besucher weg sind und es langsam dunkel wird, leuchten Fackeln und Kerzen auf. „Wir sitzen dann beieinander, machen Späße, die Lager vermischen sich. Wir sind dann eine große Festtagsfamilie”, erzählt Capelle. Am Ende der Veranstaltung geht es wieder zurück ins 21. Jahrhundert. Aber die nächste Veranstaltung ist nicht mehr fern.

Nathalie Loerke

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