Aus Vorurteilen wird Hass

Mit jungen, frischen und kritischen Inszenierungen aus der türkischen Metropole blickt das Theater an der Ruhr über die kulturellen Grenzen hinweg, vermittelt uns einen Einblick in fremde Kulturen und spricht gezielt damit auch die Menschen mit türkischen Wurzeln an. Die Reihe „Szene Istanbul“ startet vor dem Hintergrund der tragischen Ereignisse in Paris mit der Aufführung „Der Terrorist aus dem ersten Stock“ (Üst Kattaki Terörist) am Samstag, 17. Januar, 19.30 Uhr (Vorsicht, Fehler im Programmheft, wo irrtümlich Sonntag steht).

Im Mittelpunkt des Stückes steht der zwölfjährige Nurettin, dessen Bruder gewaltsam ums Leben kam. Seitdem ist der Junge voller Hass gegen Terroristen, die – wie er meint – seinen Bruder getötet haben. Als Semih, ein junger Kurde, in das obere Stockwerk zieht, ist für ihn klar, dass es sich um einen Terroristen handelt. Der Entschluss ist schnell gefasst: Der Knabe will den neuen Untermieter töten. Doch verliebt er sich kindlich schwärmerisch in Semihs Freundin Evin und wird zum ständigen Gast im oberen Stockwerk – jedoch ohne seine Mordpläne aufzugeben…

Das Stück handelt von Vorurteilen in einer multikulturellen Gesellschaft, die aufgrund realer Terrorismuserfahrungen ihre Ängste auf Minderheiten projiziert. In diesem Fall wird dies allerdings aus türkischer Sicht ausgebreitet. Bezogen auf die derzeitige politische Situation ist eine Theaterinszenierung entstanden, wie sie brisanter und aktueller kaum sein könnte.

Der Text gründet auf einem Roman von Emrah Serbes, der auf deutsch unter dem Titel „Junge Verlierer“ erschien. Das Ikincikat-Theater entwickelte sich seit der Gründung 2010 schnell zu einer angesehenen Adresse Istanbuls und gastiert zum ersten Mal in Mülheim.