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Aufräumen für andere

02.04.2011 | 09:00 Uhr
Aufräumen für andere
So ein Chaos im Bücherschrank kann Nicole Rüger gar nicht haben. Bei ihr wird alphabetisiert und katalogisiert. Foto: Kerstin Bögeholz / WAZ Fotopool

Des einen Pflichtaufgabe ist des anderen Passion. Nicole Rüger hat so eine Leidenschaft, die nicht nur ungewöhnlich, sondern für viele wohl schlichtweg unvorstellbar ist: „Ich räume für mein Leben gerne auf. Dinge zu katalogisieren, macht mir unheimlich Spaß.“ Auf Anraten von Familie und Freunden machte sie ihre Leidenschaft nun zum Beruf und sich selbstständig: Ihr neues Unternehmen zeigt Ungeordneten, wie „SMS – Sortieren mit System“ richtig geht.

Bei Nicole Rüger zu Hause ist es nicht einfach nur ordentlich, nein, es ist sortiert – und zwar vom Keller bis zum Speicher. Beispiel Bücherregal: Das ist natürlich alphabetisiert, Taschen- und gebundene Bücher sind voneinander getrennt. Beispiel Küche: Auf der Arbeitsplatte finden sich nur Geräte, die täglich in Gebrauch sind; der Rest steht im Schrank. Beispiel Weihnachts-Deko: Die ist die meiste Zeit auf dem Dachboden verstaut, sorgfältig verpackt in Kisten, die außen mit Inventarlisten versehen sind. So stehen kein Nippes, keine unnötigen Staubfänger herum und man muss nichts suchen. „Ordnung ist auch Zeitersparnis“, betont Nicole Rüger. Vor allem ist dieses katalogisierte Leben für die Mutter einer achtjährigen Tochter ein wichtiger Faktor zum selbst erfundenen „Wohnfühlen“: „Ich möchte den Leuten zeigen, dass man sich in einem aufgeräumten Umfeld wohler fühlt.“

Und dieses „Wohngefühl“ will sie mit ihrem neuen Unternehmen „SMS – Sortieren mit System“ zu Privatleuten und in Firmen bringen. Im April vergangenen Jahres fasste sie den Entschluss, sich selbstständig zu machen; im September 2010 wurde es offiziell. Die erste Kundin hat Nicole Rüger allerdings jetzt erst, denn auch bei der Existenzgründung ging die 39-Jährige aufgeräumt vor. Einen sechswöchigen Existenzgründerkurs absolvierte sie, beantragte ein Gründercoaching und ging erst auf Kundenfang, als Internetseite, Flyer und Visitenkarten komplett fertig waren. „Ich will erst eines abschließen, bevor ich den nächsten Schritt mache.“ Das passt zu ihrem System.

Nun geht es nach einem Jahr Vorbereitung in die Praxis. „Ich räume jeden Raum auf“, sagt die gelernte Verlagskauffrau, die aber zugleich betont, dass ihr Service bitte nicht mit einer Putzkolonne oder einem Entrümpelungsunternehmen verwechselt werden darf. Natürlich gehört Ausmisten dazu, wenn sie in das in einem Raum Gesammelte eine Ordnung bringt, doch vornehmlich geht es eben ums Sortieren. Bei ihrem ersten Auftrag wird sie die Dokumente ihrer Kundin durchforsten und eine Ablage erstellen. Zudem will sie helfen, „Notfallordner“ zu erstellen, die übersichtlich Verschiedenes wie wichtige Anschriften vom Arzt bis zum Handwerker, Medikamentenlisten oder Wichtiges zur Beerdigung umfassen. Besonders Senioren hat sie dabei im Sinn, aber auch Kinderzimmer sind ihr ein Anliegen.

„Ich will das schlechte Gewissen meiner Kunden sein“, sagt die Frau aus der Heimaterde, die findet: „Man muss sich auch trennen können.“ Man darf aber natürlich auch behalten. So wie Nicole Rüger selbst: Ihre zweite Leidenschaft, neben dem Aufräumen, sind nämlich Filme. 1500 DVDs besitzt sie – natürlich alphabetisiert und in Holzkisten staubsicher im Schrank verstaut. Sammeln und Sortieren sind eben Passionen, die sich bedingen.

Julia Damm

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2011-04-02 09:00
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