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Drogenhilfe

Aufputschende Drogen auf dem Vormarsch

13.06.2012 | 06:00 Uhr
AWO-Geschäftsführerin Adelheid Zwilling.

Mülheim. Drogensucht ist männlich: Dieser Gedanke drängt sich auf, liest man den Jahresbericht 2011 der Awo-Drogenhilfe. 638 drogenabhängige Personen und ihre Angehörigen – die Awo spricht von „KundInnen“ – wurden im letzten Jahr in Mülheim im Drogenhilfezentrum betreut. Nur 169 davon waren weiblich.

Im Schnitt, erläutert Heidi Neumann, Leiterin des Drogenhilfezentrums, seien „zwei Drittel der Kunden Männer.“ Frauen könnten die Abhängigkeit oft besser verbergen, weiß die Sozialarbeiterin. Frauen, die in der offenen Drogenszene landeten, „haben oft schon ihren gesamten sozialen Halt verloren.“ Auch Drogenabhängige können Eltern werden, und derzeit betreut das Drogenhilfezen­trum vier werdende Mütter, die selbst (und auch ihr Nachwuchs) besondere ärztliche Hilfe benötigen. Daher gibt es schon seit fünf Jahren eine Kooperation mir dem KSD, dem Kommunalen Sozialen Dienst.

Zahl der Abhängigen im Zentrum hat zugenommen

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Wie schützt man Jugendliche davor, drogenabhängig zu werden? Ein Experte gibt Antworten.

In Mülheim betreut die Awo die Suchterkrankten, die illegale Drogen konsumieren oder konsumiert haben. Heroin, Cannabis, Kokain, Amphetamine: Die Zahl der Abhängigen und ihrer besorgten Familienmitglieder, die sich an der Gerichtsstraße 11, dem ehemaligen Frauengefängnis, nahe der neuen Kreuzung an der Konrad-Adenauer-Brücke, Hilfe erhoffen, hat um fast 100 Menschen zugenommen: von 543 in 2010 auf 638 im vergangenen Jahr.

Nach wie vor sind viele junge Menschen darunter, 163 waren zwischen 16 und 29, zwei sogar jünger als 16 Jahre. Auch für den Drogenkonsum gibt es Trends, hat Heidi Neumann beobachtet: Drogen mit aufputschender Wirkung wie Amphetamine sind derzeit vor allem bei den Jungen populär, werden gern durch die Nase eingenommen, weil sich die Wirkung dann schneller entfaltet.

Im Drogenhilfezentrum bündelt die Awo ihre Aktivitäten. Das beginnt mit dem Café Light, dem niederschwelligen Angebot, das viele Abhängige mehrmals täglich aufsuchen, über 200 sind es im Jahr, und das oft erste Kontakte ermöglicht. Weil Mittel fehlen , kann das Café samstags nicht mehr öffnen, was Awo-Geschäftsführerin Adelheid Zwilling bedauert: „Das Wochenende ist dann lang.“ Abhängige können nämlich dort auch saubere Spritzen kaufen und tauschen.

Marihuana-Plantagen zerstört

Substitution, Ersatzgherapie für Heroinabhängige

Die Arbeit des Drogenzentrums endet aber nicht mit der Substitution, der Ersatztherapie für Heroinabhängige, wobei niedergelassene Ärzte dort täglich an ca. 160 Patienten Ersatzpräparate abgeben. 246 Mülheimer wurden 2011 substituiert. Das ermöglicht es etwa, die Berufstätigkeit aufrecht zu erhalten.

Neben dem Betreuten Wohnen gibt es Pläne für eine Alters-WG für ältere Abhängige. Für Menschen, so Frau Zwilling, auf deren besondere psychosoziale Situation in klassischen Einrichtungen nicht angemessen eingegangen werden kann.

Bettina Kutzner


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