Aufbruchstimmung in Broich

Broich..  Es passiert viel im Stadtteil ­Broich. Der Neubau der Hochschule Ruhr West, HRW, nimmt sehr konkrete Formen an, einige Gebäudekomplexe sehen nahezu einzugsbereit aus. Erste Bäume auf dem Gelände sind gepflanzt – sie tragen frühlingsgrünes Laub. Die Erneuerungsarbeiten an der Duisburger Straße sind abgeschlossen, Bürgersteige, Parkbuchten, Fahrbahndecke und Straßenbahnhaltestellen sind makellos – die Straßenbäume sind in schnurgerader Reihe gepflanzt. „Wenn die etwas größer sind, bekommt das hier richtig Allee-Charakter“, freut sich der Vorsitzende der Broicher Interessengemeinschaft, BIG, Hans A. Wunder.

„Ersti-Tüte“ mit Gutscheinen

Beim Rundgang mit ihm und seinem Stellvertreter Rolf Bellenbaum ist fast durchweg Positives zu hören. „Anfangs war es schon so, dass die Leute befürchteten, die Gebäude würden zu klotzig“, so Wunder, aber mittlerweile höre er von den Broichern überwiegend zufriedene Kommentare. Man toleriere die Fassade. Sie sei ansprechend und mache durch die farblich unterschiedliche Verkleidung und die roten Fenster- und Balkonumrandungen einen aufgelockerten Eindruck.

Auf die Frage nach der Preisentwicklung auf dem Wohnungsmarkt antwortet Immobilienmakler Bellenbaum: „Ja, die Preise sind hier gestiegen, aber das liegt wohl weniger an der HRW, sondern daran, dass die Leute aufgrund der niedrigen Zinsen insgesamt dazu tendieren, Eigentum zu erwerben.“ Manch ein Hausbesitzer überlege wohl schon, eine Wohnung für Studenten oder HRW-Mitarbeiter bereitzuhalten. Die Frage sei für einige, wie ihr Angebot die Studenten erreiche. Ein Termin mit Joshua Kinter vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss (ASTA) bringt für Hans A. Wunder mehr Klarheit in der Angelegenheit: „Es gibt noch kein Schwarzes Brett und keine studentische Wohnungsbörse, aber wer ein Angebot hat, darf sich damit an Herrn Kinter (88254552) wenden“, erklärt der BIG-Vorsitzende.

Gutscheine der BIG werden bald ihren Weg in die sogenannte „Ersti-Tüte“, die Schultüte für Studenten, finden, freut sich Wunder, der die jungen Leute gerne früh an den Stadtteil binden möchte. Auch eine Stadtteil-(Kneipen-)tour mit Spielen und Preisen für Erstsemester sei in Planung.

Im Sommer 2016 rechnen nun alle mit der Eröffnung des neuen Hochschulkomplexes, und in Erwartung der rund 2500 Studenten tut sich einiges. Etliche der schmucken Altbau-Fassaden sind frisch renoviert, man sieht eingerüstete Häuser, in drei Ladenlokalen wird scheinbar auf eine baldige Eröffnung hingearbeitet. Wunder weiß von einem türkischen Restaurant und einer Eisdiele. Auch in der Broicher Mitte hat gerade passend zum frühlingshaften Wetter eine Eisdiele eröffnet. Dort hoffen die Geschäftsinhaber ebenfalls, vor allem durch die Pläne für den Bau des Studentenwohnheims an der Bülowstraße und die zu erwartenden jungen Menschen und Hochschulbeschäftigten, auf einen Aufschwung. „Wenn sie durch unsere ruhigen Stichstraßen laufen, haben sie es ja nicht weit bis zur Mitte“, betont Wunder.

Im Fenster eines Versicherungsladens steht schon am Fenster: „Hochschulservice“. Bei einem Abstecher ins Café Einhorn wird die „Uni“, wie die Hochschule kurz und knapp genannt wird, ungeduldig erwartet. Geschäftsführerin Brigitte Stoepke plant noch ein paar kleine Umbauten in ihrem kleinen Café mit der historischen Apothekeneinrichtung. Dann kann ich noch ein paar mehr Gäste aufnehmen“, freut sich Stoepke. Bislang holten sich etliche Bauarbeiter ihren „Coffee to go“, den sie neuerdings anbietet, und Bauleiter nutzen ihre Tische mit Laptop und Plänen zum ruhigen Arbeiten. Ihr Essensangebot passt sie erst an wenn sie weiß, was die Mensa anbietet. „Da bin ich flexibel und bereite dann etwas zu, was die Studenten dort nicht bekommen“, so die Geschäftsfrau. Das Nachbarhaus sei gerade von dem neuen Eigentümer aufwändig renoviert worden. Auch dort seien wohl neue Ladenlokale geplant, sagt Stoepke und gibt zu: „Manchmal bekomme ich auch ein wenig Angst, wenn ich an die Zeit nach der Eröffnung denke.“

Peter Winkel wohnt schon ewig an der Duisburger Straße. Hinsichtlich der Parksituation im kommenden Jahr äußert er sich noch skeptisch, aber grundsätzlich gefallen ihm die Veränderungen. „Es hat sich bereits enorm viel verbessert!“, so Winkel. Die Straße sei nun sauberer und ordentlicher. Auch die 30er-Zone sei eine prima Sache. „Die Duisburger Straße hat einen Sprung nach vorne gemacht“, findet Winkel, den auch ausfahrende Feuerwehrautos kaum mehr stören, denn „die meisten Fahrer schalten das Martinshorn erst später ein“.