Auf halber Strecke stehengeblieben

Am Evangelischen Krankenhaus bewertet man das Zehn-Punkte-Programm zur Verbesserung der Hygiene an Krankenhäusern, das die Bundesregierung vor kurzem verabschiedet hat, als positiven Schritt in die richtige Richtung. Nach dieser „Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie“, so heißt das Programm, soll bis 2020 der übermäßige Einsatz von Antibiotika reduziert werden. Dieser führt nämlich dazu, dass das Medikament bei betroffenen Patienten nicht mehr wirkt. Aus Sicht der Experten ist eine solche Antibiotika-Resistenz hauptverantwortlich dafür, dass vermehrt Keime in Krankenhäusern auftreten und sich als multiresistent entpuppen. Diese Entwicklung soll nun gestoppt werden.

Die Maßnahmen, die von der Bundesregierung vorgeschlagen werden, reichen aber aus Sicht der Fachleute vom EKM nicht aus. Bereits jetzt wird vieles davon an dem Krankenhaus umgesetzt.

Beispiel: Voruntersuchung. Der Plan der Bundesregierung zielt darauf ab, dass bereits im Vorfeld geplanter Krankenhausaufenthalte der Patient vom Hausarzt auf multiresistente Keime untersucht wird. Das würde das Krankenhaus erheblich entlasten. Denn bisher hat das EKM bereits auf eigene Kosten solche Untersuchungen bei sogenannten Risikopatienten (siehe Kasten) durchgeführt. „Wenn wir bei diesen Schutzmaßnahmen einen positiven Befund vorfinden, isolieren wir den Patienten. Die geplante Behandlung verzögert sich; Das kostet Geld und ist für die Patienten mit erheblichen Umständen verbunden“, sagt Gabriele Kantor. Sie leitet das Hygienemanagement am EKM.

Damit aber tatsächlich der Hausarzt diesen Test vornehmen kann, reiche es nicht aus, diesen Wunsch lediglich zu benennen, wie jetzt durch die Bundesregierung geschehen. „Der Gesetzgeber und die Kassenärztliche Vereinigung sind nun gefordert“, erklärt Nils B. Krog, Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses. „Wir würden uns wünschen, dass jeder Arzt den Abstrich vornehmen und auch abrechnen darf.“

Ein weiterer Punkt aus dem Plan der Regierung, der nach Meinung der Krankenhaus-Experten nicht scharf genug gefasst ist, ist der Antibiotika-Einsatz in der Human- und Tiermedizin. „Der Plan spricht da von stärkerer Überwachung. Das alleine ist nicht ausreichend“, sagt Gabriele Kantor. „Nur strikte Vorgaben werden den Antibiotika-Verbrauch sinnvoll reduzieren.“ In vielen Krankenhäusern ist ein reduzierter Antibiotika-Einsatz bereits Alltag. Im EKM sind Dosierung, Applikation und Anwendungsdauer von Antibiotika strikt reglementiert. Für niedergelassene Arztpraxen existiert eine vergleichbare Regelung jedoch nicht. Dort aber würden 80 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen ausgestellt, heißt es beim EKM.. „Eine verbindliche, nationale Antibiotikaleitlinie, die die Verordnung auch im ambulanten Sektor so restriktiv wie medizinisch vertretbar regelt, wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, betont Hygienemanagerin Gabriele Kantor.