Auf gutem Weg

Das Konzept ist gut. Nach jahrelangem Leerstand des ehemaligen Kaufhofsgebäudes und vielen Ideen, die im Sande verlaufen sind, haben die Investoren AIP, Fortress Immobilien und MWB nun ein Projekt präsentiert, das für Mülheim ein absoluter Gewinn wäre. Wäre deshalb, weil die Verträge noch nicht unterschrieben sind und der Eigentümer des Kaufhofs das Grundstück noch nicht verkauft hat. Zwar versichert Investor Gerd Rainer Scholze, dass die Verträge mit den Partnern und Ankermietern vor dem Abschluss stehen. Noch ist die Tinte aber nicht trocken. Ein minimales Restrisiko bleibt also.

Aber anders als vor fünf Jahren, als die Investoren um Kölbl Kruse und Rosco mit ihren großflächigen Einzelhandelsprojekten scheiterten, ist das Konzept diesmal durchdachter. Der Mix aus Hotel, Wohnungen, betreutem Wohnen für ältere Menschen, Büros und kleinem Einzelhandel für die Nahversorgung sowie eine Gastronomiemeile klingt vielversprechend und ist zukunftsorientiert mit Blick auf den demografischen Wandel.

Wirtschaftlicher Vorteil dieser Lösung: Selbst wenn ein Mieter aus dem „Stadtquartier Schloßstraße“ aussteigt, sind noch andere da. Ein trauriges Bild, wie es sich derzeit bietet, wird es nicht mehr geben.

Für die Stadt ist es vielleicht die letzte Chance, in naher Zukunft aus der trostlosen Ecke neben dem Rathaus, zwischen City und dem Vorzeigeprojekt Ruhrbania, eine attraktive Verbindung zu schaffen. Das weiß sie natürlich. Und entsprechend handelt die Verwaltung: „Konstruktiv und schnell“, wie Scholze lobt. Das sollte selbstverständlich sein. Ist es aber bei Projekten in dieser Größenordnung nicht.

Wenn alles gut geht, können die Bürger Anfang 2018 durch ein Quartier bummeln, das ein Vorbild für andere Städte im Ruhrgebiet sein kann, die durch leerstehende Warenhäuser an Attraktivität verlieren. Mülheim ist auf gutem Wege, diese zurückzugewinnen – wenn denn auch die Tinte unter den Verträgen bald trocken ist.