Auf der Suche nach dem Kiebitz

Patrick Kretz, Julian Sattler und Jörn Tupay von der Mülheimer Interessengemeinschaft Avifauna suchen die Gelege der Kibitzpaare.
Patrick Kretz, Julian Sattler und Jörn Tupay von der Mülheimer Interessengemeinschaft Avifauna suchen die Gelege der Kibitzpaare.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Durch Schutzmaßnahmen kann die auf wenige Paare gesunkene Vogelpopulation in der Mülheim-Styrumer Ruhraue sicherer brüten.

Mülheim.. Mit Fernrohren und Ferngläsern bewaffnet machen sich die drei ehrenamtlichen Vogelkundler der Mülheimer Interessengemeinschaft Avifauna (MIA) Patrick Kretz, Jörn Tupay und Julian Sattler auf den Weg in die Styrumer Ruhr­auen. Ihr Ziel: die Maisäcker von den Bauern Heinz und Leo Evertz.

Denn mit Frühlingsbeginn ist der Kiebitz in unsere heimischen Felder zurückgekehrt. Doch schon seit längerer Zeit gehen die Bestände immer mehr zurück. Deshalb liegt den Hobbyornithologen der Schutz des Kiebitzes besonders am Herzen. „Seit Jahren besiedeln die Kiebitze immer mehr Ackerland und brüten auch dort“, erklärt Patrick Kretz. „Über 90 Prozent der Vögel gehen nicht mehr ins Grünland, weil es dort zu dicht und feucht ist.“

Damit die wenigen Kiebitzpaare, die es in Mülheim noch gibt, beim Brüten nicht gestört bzw. die Gelege beim Bewirtschaften der Maisäcker nicht zerstört werden, markieren die Vogelkundler von MIA den Bereich um die Nester. Bunt angesprühte Holzpflöcke werden rund um die Gelege in den Boden gestampft. So wissen die Bauern, wo sie mit ihren Maschinen und Traktoren Abstand halten müssen.

Landwirte sind an Artenvielfalt interessiert

Für die Bauern Evertz bedeutet diese Maßnahme zwar eine kleine wirtschaftliche Einbuße, aber die Landwirte sind in Sachen Vogelschutz zu Kompromissen gerne bereit. „Wir sind ja selbst daran interessiert, dass wir hier weiterhin eine schöne Artenvielfalt haben“, sagt Heinz Evertz. „Da spricht doch nichts dagegen, sich einzubringen, wenn es den Betrieb nicht extrem einschränkt.“ Dass es gerade auf den Feldern des Bauernhofs Evertz eine verhältnismäßig hohe Artenvielfalt gibt, liegt an der Bewirtschaftung. Es ist unter anderem der letzte Ort in Mülheim, wo sich der Feldsperling gehalten hat.

„Hier findet keine Dauerbewirtschaftung statt und auch durch die Flächenrotation haben die Kiebitze hier noch eine Chance“, sagt Patrick Kretz. „Feld- und Wiesenvögel gibt es außer in der Styrumer Ruhraue in Mülheim so gut wie gar nicht mehr.“ Auch an Insekten hätte das Gebiet rund um den Kolkerhofweg einiges zu bieten.

Vogelkundler konnten nur drei Kiebitzpaare aufspüren

Während die Vogelkundler nach Kiebitzen und deren Gelegen Ausschau halten, entdecken sie auf einmal einen Schwarm Bluthänflinge, und die Freude ist groß. Denn eigentlich war der Bluthänfling seit einigen Jahren aus Mülheim verschwunden. Ein kleiner Trost neben der Tatsache, dass der Kiebitzbestand sich im Vergleich zum Vorjahr augenscheinlich wieder reduziert hat. Gerade mal drei Kiebitzpaare konnten die Vogelschützer aufspüren. Aber immerhin ist es dank der Schutzmaßnahme von Patrick Kretz, Jörn Tupay und Julian Sattler für die Vögel nun um einiges sicherer, in den Maisäckern der Styrumer Ruhrauen zu nisten.