Auf den Zahn gefühlt

Nein gebohrt hat er nicht, ein Indiz für gute Pflege war das aber nicht. Sie ahnen es? Richtig. Ein Zahnarztbesuch. Der Dentist hat direkt zu brachialeren Mitteln gegriffen und fünf Zähne extrahiert, wie es im zahnmedizinischen Jargon verniedlichend heißt. Der Patient steht ja unter Betäubung. Dennoch bin ich froh, dass es sich nicht um meine Kauleiste handelt, in die der Arzt einkommensfördernd Lücken für Brücken riss. Aber wer weiß, mein dentaler Jahrescheck steht noch aus.

Ich möchte Ihnen die blutigen Szenen ersparen, die ich nur aus zweiter Hand kenne. Nur soviel: fünf Stunden lang saß die Patientin auf dem Stuhl. Die reinste Tortur.

Ich überlasse auch die naheliegenden Kalauer ihrer Phantasie, sage nur „Zahnfleisch“ und „zusammenbeißen“. Nun zum journalistischen Kern dieses - und das sei betont - wahren Ereignisses. Eine Nachricht ist das, was nicht der Regel entspricht. Hund beißt Herrchen, so steht’s in jedem Lehrbuch. Jetzt glauben Sie bloß nicht, der Doc hätte die falschen fünf Zähne gezogen! Tadellos war seine Leistung, die zum krönenden Abschluss noch ein Röntgenbild bestätigte. Aber es wird immer zu wenig an die Menschen in der zweiten Reihe gedacht, die Helfer, die Absaugen müssen, Instrumente anreichen und die Wunde freihalten müssen. Dieser Arzthelferin wurde es nach Stunden blümerant, sie musste sich setzen und konnte dann gar nicht mehr. Ob ihr Chef ihr eine Überweisung schreiben musste, ist nicht überliefert.