Auf dem Weg zurück ins eigene Heim

Seit gut sechs Wochen wohnt Dirk Hess in der Notschlafstelle an der Kanalstraße. In den nächsten Tagen wird er in ein kleines Appartement an der Kaiser-Wilhelm-Straße wechseln. Betreutes Wohnen heißt dieses Angebot der Diakonie. In regelmäßigen Abständen wird auch künftig bei Hess ein Sozialarbeiter vorbeischauen, für Fragen zur Verfügung stehen, ihm dabei helfen, seinen Alltag zu strukturieren. Was das konkret bedeutet, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. „Herr Hess ist unser Ideal-Beispiel“, sagt Harald Leunig.

Gründe sind vielfältig

Der Sozialarbeiter hat Hess die letzten Wochen auf dem Weg zurück in eigenen vier Wände begleitet. So schnell geht es nicht bei jedem von Leunigs Klienten: „Entscheidend ist, dass der Betroffene das Angebot auch selbst annehmen will.“ Die Gründe, warum manche das nicht sofort können, sind vielfältig. Mal sind es psychische Schwierigkeiten, oft kommen auch Suchtprobleme dazu. Dirk Hess hatte solche Hürden nicht zu überwinden, er konnte und er wollte. „Ich habe mich hier gleich verstanden gefühlt. Es ist gut, dass man hier auch jemanden findet, dem man seine Geschichte erzählen kann.“ Bevor der 47-Jährige in der Notschlafstelle untergekommen ist, hatte er wechselnd bei Freunden übernachtet. Die Ursache für seine Wohnungslosigkeit verrät er nicht. Der Schritt in die Unterkunft ist ihm schwergefallen. „Wie mag es da wohl aussehen? Ich hatte eine eher negative Vorstellung, bin aber positiv überrascht worden.“

Keine Dauereinrichtung

Das Zimmer erinnert an eine Jugendherberge. Zwei Hochstockbetten. An der Wand stehen Spinde. Schräg gegenüber ist die Küche, einige Teller stehen in der Spüle. Es ist Mittag, die Bewohner sind unterwegs. Und das ist auch so beabsichtigt. Schließlich soll sich hier niemand dauerhaft einrichten. Deswegen müssen jeden Morgen die Bewohner raus, erst am Nachmittag öffnet die Unterkunft wieder. Anlaufpunkte gibt es aber auch tagsüber, zum Beispiel die Teestube der Diakonie an der Auerstraße. „Ich gehe meistens in der Müga oder an der Ruhr spazieren“, erzählt Dirk Hess. „Abends schaue ich im Aufenthaltsraum in der Unterkunft noch etwas Fernsehen und gehe früh ins Bett.“ Wie ist der Kontakt zu seinen Zimmernachbarn? „Wir verstehen uns“, sagt Hess. Und das meint wohl vor allem, man hat einen Weg gefunden, miteinander auszukommen. Jedenfalls freut sich der 47-jährige auf mehr Privatsphäre in seiner neuen Wohnung.

Der Vertrag ist gerade unterschrieben worden.