Auch Theaterfreunde wollen tanzen

Das Thema war zu erwarten. Bei der Diskussionsrunde über die Zukunft des Ringlokschuppens waren erfreulicherweise über hundert Interessierte gekommen und viele bewegte vor allem eins: Tanzen. So trat der Abend lange thematisch auf der Stelle, obwohl Matthias Frense, der neue künstlerische Leiter, schon frühzeitig klar gemacht hat, dass er dieses Thema als zukünftige Herausforderung betrachtet, dazu schon Termine vereinbart hat und Interesse an weiteren Kontaktpersonen hat. „Wir Theaterleute feiern gern und exzessiv“, sagte er, überlegt werde, wie ein After-Show-Format zu realisieren sei.

In der Vergangenheit habe man die Partys aus finanziellen Gründen eingestellt, nicht, wie an dem Abend unterstellt, weil man das Publikum nicht haben wolle. Für Frense ist gerade spannend, dass sich im Foyer das Publikum von unterschiedlichen Veranstaltungen, die dort parallel laufen, mischt. Viel habe man versucht, um die Partys zu halten, letztlich vergeblich, erläuterte auch Claudia Saerbeck, die die Kulturgut-Reihe verantwortet und schon seit 14 Jahren zum Team im Schuppen gehört. Aus dem Landesvorstand Sozi-Kultur kennt sie die Probleme der anderen Zentren, im Bahnhof Langendreer hat sie selbst gearbeitet. Die Zeiten haben sich geändert. Aus ihrer Sicht habe sich inzwischen ein Schweineparty-Mythos gebildet. „Aber die Musik war Mist“, sagen die Tanzfreunde, die gerne Moderneres gehört hätten. Aber was heißt das schon? Ob Soul, Funk, Rock oder Techno, das ist doch reine Geschmackssache.

Ein anderer Teilnehmer hat das Gefühl, dass der ganze Mangel in Mülheim auf den Ringlokschuppen projiziert wird. Speziell in einem Bereich: Gastronomie. Mit dem Kaisereck sei der letzte Treff untergegangen. Was bleibt einem, als in einer andere Stadt zu fahren? Die Gastronomie war auch im Ringlokschuppen ein heikler Punkt. Im Sommer gut belegt und mit der exotischen Küche von Ismail Omari auch geschätzt, wird die kalte Jahreszeit in der für heutige Verhältnisse abgelegenen Randlage zunehmend zum Problem. Mit Jedermann, so sei schnell klar geworden, räumte Tobias Fritzsche ein, habe man aufs falsche Pferd gesetzt. Auch hier laufen Überlegungen, wie ein Angebot unter wirtschaftlichen Aspekten geschaffen werden kann. Wer dort ins Theater geht, trinkt natürlich vorher oder hinterher ein Gläschen, ob davon dann auch ein Gastronom leben kann, ist freilich eine andere Frage. Kunst und Konsum, das stellt sich auch an diesem Abend heraus, sind oft so vereinbar wie Feuer und Wasser.

Die finanzielle Krise ist durch Landeshilfe, den Verzicht der MST auf Mieten und durch Entlassungen zwar überwunden, „gerettet ist der Schuppen aber noch nicht“, machte Frense klar und stimmt auf ein anstrengendes Jahr ein. Mit zehn statt 18 Mitarbeitern könnte das Personal aber durch den städtischen Zuschuss gedeckt werden. Der beträgt pro Jahr 560 000 Euro zuzüglich 235 000 Euro für die Kulturgut-Reihe. Eine weitere Ankündigung, die Frense machte: wir müssen verständlicher werden, besser klar machen, dass das Programm erlebnisorientiert und nicht elitär ist. Der Soziologen-Jargon der Vergangenheit ging auch einigen Besucher auf den Wecker. Mit der Stadt suche man nun eine neue Trägerstruktur, eine öffentlichere und weniger private. Träger ist noch der Verein KIR, der hat nur sieben Mitglieder.

Vielleicht wird ja aus dem Verein dann ein Förderverein, einen solchen hat fast jede Kultureinrichtung in der Stadt. Mitglieder fänden sich sicherlich zahlreiche.