Auch Jugend fordert - Licht, Farbe, Sauberkeit
15.02.2012 | 11:58 Uhr 2012-02-15T11:58:00+0100
Mülheim. Zwischen Jugendlichen und Senioren, meint man, liegen Welten. Dass sich Jung und Alt letztlich dennoch auf der selben Straße treffen, zeigt sich, wenn man den Blick auf die Welt lenkt, die sie teilen. Denn die Wünsche, die die Gruppe zwölf- bis 18-jähriger Styrumer für ihren Stadtteil hat, sind wohl generationenübergreifend: mehr Licht, mehr frische Farbe, mehr Sauberkeit und einen Blumenladen an der Oberhausener Straße.
Wie es immer so ist, das Gute ist schnell genannt. Das Freibad und die Ruhrauen gehören zu den liebsten Orten der Jugendlichen in Styrum. Und „überall, wo es grün ist“, sind sie auch gern. Am aller-, aller-, allerliebsten sind sie aber im „Café4you“. Einen „tollen Treffpunkt“ nennt Vanessa Stadler das Jugendzentrum, und die 18-Jährige spricht für alle in der Runde, wenn sie sagt: „Hier kann man sich treffen, was spielen, quatschen, es ist warm und immer lustig. Sonst gibt es für uns nichts in Styrum, wo man mal hin kann.“ Nun muss man sagen, dass die Truppe gerade auch im Café4you sitzt und zu den ganz treuen Besuchern der städtischen Jugendeinrichtung zählt.
Mehr Licht für mehr Sicherheit
So inbrünstig das Lob ist, das Gespräch über das Negative dauert wie immer etwas länger. Was in Styrum vor allem fehlt? Da muss der Junge mit der schief auf dem Kopf sitzenden Käppi nicht lange überlegen: „Licht.“ Alle anderen stimmen zu. Besonders rund ums Café4you wünschten sie sich Laternen: Den Weg Richtung Albertstraße und den Gang zum Sportplatz nennen die Mädchen „unheimlich“. Alleine gehen sie dort nicht gerne her. Vanessa gruselt sich zudem im Bahnhof. „Wenn man da reingeht, dieser lange Gang . . . Nein!“
Die renovierte Fassade des Styrumer Bahnhofs ist den Jugendlichen hingegen schon positiv aufgefallen. „Auch die frisch gestrichene Willy-Brandt-Schule sieht gut aus“, findet die 15-jährige Saskia Wittig und dass Privatleute diesem Beispiel folgen sollten. Mal ein paar Zäune richten, mal neue Farbe für Fassaden, dann sähe es schon viel freundlicher aus am Straßenrand. „Und ein paar Mülleimer mehr wären auch gut“, wirft eine Zwölfjährige ein. Oft wisse man nicht, wohin mit seinem Müll.
Nahversorgung ist mangelhaft
Doch zurück zum Bahnhof: Mit dem öffentlichen Nahverkehr sind alle eigentlich zufrieden. Die einen nehmen die S-Bahnen, die anderen eine der Straßenbahnen, noch andere den 129er Bus. „Klar könnten die pünktlicher sein, obwohl auch das geht“, findet Saskia und damit ist das Thema schnell abgehakt. Eine längere Diskussion folgt allerdings auf den Hinweis, es gebe „viel zu viele Friseure“. Einseitig nennen die Mädchen das Angebot entlang der Oberhausener Straße.
„Ein Casino!“, wirft Vanessa ein. „Wozu braucht man so ein riesiges Casino?“ Dabei sind es nicht einmal Klamottenläden, die ihnen fehlen – „Anziehsachen holen wir eh woanders“. Und um sich ständig in ein Café zu setzen, haben die Jugendlichen nicht genug Geld. Stattdessen fehlt ihnen Nahversorgung. „Es gibt zum Beispiel keinen Blumenladen“, sagt Saskia. „Den könnte man gut gebrauchen.“
Was sie hingegen gar nicht gebrauchen können, sind Leute, die ihnen ständig sagen, in was für einem schlimmen Stadtteil sie wohnen. Saskia besucht beispielsweise die Gustav-Heinemann-Schule und kann die dummen Sprüche nicht mehr hören. „Ich sage dazu meistens gar nichts. Ich wohne hier, und ich weiß, wie es hier wirklich ist.“ Und das, da sind sich alle einig, ist trotz aller Kritik überwiegend gut. „Natürlich leben hier viele Ausländer, aber das ist doch nichts Schlimmes“, findet ein Mädchen. „Klar gibt es hier nicht so schöne Ecken“, räumt auch Vanessa ein. „Aber die gibt es doch überall.“

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