„Athen leidet. Viele Leute haben Hunger, das ist die Wahrheit“

„Alle 15 Meter schläft einer unter freiem Himmel, und wenn die Sonne untergegangen ist, ist es echt gefährlich auf den Straßen Athens“, erzählt Georgios Tavoularis, Inhaber des „Gyros Salon“ an der Zeppelinstraße. Überfälle seien an der Tagesordnung, erst kürzlich seien einer Cousine nach dem Einkauf die gefüllten Tüten geklaut worden.

Die Zustände in der Heimat, in der er Kindheit und Jugend verbracht hat, machen den 44-Jährigen „traurig, sehr traurig“. Dreimal im Jahr fährt er mindestens noch hin, macht Urlaub in Nordgriechenland oder der Hauptstadt. Die habe es, wie gesagt, besonders hart getroffen. „Athen leidet. Viele Leute haben Hunger, das ist die Wahrheit.“ Gerade Selbstständige und Kleinunternehmer habe es übel erwischt, „die haben alles verloren“. Wer könne, verlasse Athen so schnell wie möglich, gehe zurück ins Dorf, aus dem er sich einst voll Zuversicht aufgemacht hatte in die Hauptstadt. „Im Dorf ist es zwar auch nicht gut, aber da kommt man noch irgendwie durch.“

Alle paar Wochen schickt Tavoularis 200 bis 300 Euro Richtung Verwandtschaft. „Wir sind zwar keine Millionäre, aber es ist nicht zu ertragen, dass die kaum was zu essen haben.“ Leider, so sagt er, könne man nicht allen helfen. Es sei im Übrigen nicht damit zu rechnen, dass sich die Situation bald bessert. Dem Bündnis der radikalen Linken (Syriza) unter Alexis Tsipras, die als Gewinner aus den Wahlen Ende Januar hervorgehen könnten, traut er nicht zu, eine Regierung zu bauen. „Ich glaube, es gibt Neuwahlen im März.“