Arm in Vollzeit
09.08.2010 | 18:46 Uhr 2010-08-09T18:46:00+0200
Immer mehr Mülheimer sind trotz Job auf Hartz IV angewiesen. Über ein Drittel aller Bedarfsgemeinschaften erzielt ein Einkommen – das bei Weitem nicht ausreicht. Ein Trend, der sich, wenn auch langsam, in den letzten Monaten weiter verstärkt hat.
Da zudem die Tarife weiter sinken, arbeiten immer mehr Menschen unter der Niedriglohnschwelle.
8710 Bedarfsgemeinschaften gab es im Mai in Mülheim, erklärt Jennifer Neubauer, stellvertretende Leiterin der Sozialagentur: Familien, Paare oder auch Einzelpersonen, die auf Hartz IV angewiesen sind. Über ein Drittel der Gemeinschaften, 3343 an der Zahl, hat ein Einkommen, das die Sozialagentur aufstocken muss, damit es zum Leben reicht.
Ein Großteil der so genannten „Aufstocker“ sind Minijobber, erklärt Jennifer Neubauer. 2119 Bedürftige verdienen nach den Zahlen von Mai bis zu bis 400 Euro. Der Rest arbeitet mehr – zum Teil auch in Vollzeit. Zum Vergleich: Im Januar diesen Jahres lag die Zahl der Bedarfsgemeinschaften laut Sozialagentur noch bei 8590, davon mussten 3261 ihr Einkommen aufstocken. Insgesamt gab es in Mülheim im Januar 83 280 Haushalte, damit war etwa jeder zehnte hilfsbedürftig – wobei Haushalt nicht unbedingt gleich Bedarfsgemeinschaft ist.
Der Vergleich mit den Zahlen von Januar 2009 macht es deutlich: In immer mehr Fällen reicht das Gehalt nicht aus. Die Gesamtkosten, die anfallen, wenn Berufstätige zusätzlich unterstützt werden müssen, kann die Stadt nicht beziffern. Doch eine klare Meinung hat Matthias Spies, Leiter der Sozialagentur: „Auch wenn es in den letzten Jahren keine großen Zahlensprünge gab, ist die Entwicklung sicherlich schlimm.“ Die Mülheimer „Aufstocker“- Zahlen entsprächen etwa dem Bundesschnitt – und seien damit hoch. „Natürlich darf es eigentlich nicht sein, dass jemand in Vollzeit arbeitet und nicht davon leben kann.“ Zwar erhole sich der Arbeitsmarkt gerade wieder – am besten jedoch im Bereich der Zeitarbeit. „So kommen viele aus der Abhängigkeit von Zuschüssen nicht heraus.“
Besonders betroffen von der Arbeit unter der Niedriglohngrenze sind die „klassischen“ Bereiche – laut Spies die Einzelhandelskaufleute, Friseure, Angestellte in der Gastronomie und Sicherheitskräfte. Ein Hauptgrund sind für Günter Wolf, stellvertretender Geschäftsführer im verdi-Bezirk Mülheim/Oberhausen, entweder nicht eingehaltene Tarife oder solche, die immer weiter in den Keller gehen. „Bei Friseuren sind es zum Teil sieben Euro pro Stunde, bei Sicherheitskräften acht, in der Gastronomie gerne auch mal weniger.“ Die Mindestlohn-Forderung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) liegt zur Zeit bei 8,50 Euro, soll sich laut Wolf aber auf zehn erhöhen. Bei der Bezahlung gebe es auch direkt vor der Haustür „Wildwuchs ohne Ende“. Günter Wolf erinnert an den Fall des Textildiscounters Kik, der Stundenlöhne um die fünf Euro gezahlt habe. „Sittenwidrig ist die Bezahlung dann, wenn sie ein Drittel unter dem Tarif liegt. Bei Kik hätten die Mitarbeiter mindestens acht Euro bekommen müssen.“ Laut Yvonne Sachtje, Leiterin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für den Bereich Ruhr, sind nicht nur Bäckereiverkäuferinnen, die in Teilzeit arbeiten, fast schon automatisch zu gering entlohnt, sondern oft auch ausgebildete Vollzeitkräfte im Gastro- oder Hotelbereich. „Sie werden auf 400-Euro-Basis eingestellt und machen den Rest schwarz.“
Ulrich Schreyer, Geschäftsführer beim Diakoniewerk Arbeit und Kultur, erfährt von vielen Kunden der Mülheimer Tafel, dass ihr Lohn nicht zum Leben reicht. Ein einheitlicher Mindestlohn sei ein Schritt in die richtige Richtung – bei Reinigungs- oder Sicherheitskräften sei aktuell jedoch auch eine Bezahlung von unter fünf Euro keine Seltenheit. „Sittliche oder ethische Grundsätze scheinen da einfach nicht mehr zu zählen.“

15:41
Sehe ich das jetzt richtig??? ...
Wenn hier keiner den Job für 4,50 EUR/Std macht - holt man sich einen aus dem Ausland der es dafür macht. Zusammen mit Hartz IV kommt er dann gut über die Runden und wir können uns dann anhören, dass wir noch mehr Arbeiter aus dem Ausland holen müssen, weil uns in Deutschland die Fachkräfte und Handwerker ausgehen - da angeblich die Schüler zu blöd für diese Jobs und Ausbildungsplätze sind?!
Das kann nicht unsere POLITIK sein ... das kann auch nicht so gewollt sein - oder? Zumindest scheint das ja so zu laufen ....
14:44
Alles klar! Eine Frau die Arbeiten geht um ihre Kinder zu ernähren ist doof! Waren wir ja schon immer!
Wir Frauen wurden schon immer schlechter bezahlt! Auch in IG Metallberufen, IG Chemie und BAT! Alles wurde von den Gewerkschaften ausgehandelt! Habe ich 18 Jahre selber erfahren dürfen. Und das war ja auch GUT SO!!!! Oder ????
Jetzt wo es auch Männer trifft merken Gewerkschaftler, dass dies ungerecht ist.
Die Damen, die z. B. als Friseurinnen oder Verkäuferinnen im Handwerk gearbeitet haben, haben NOCH NIE MEHR VERDIENT!!!!!
Jetzt ist das auf einmal schlecht? Warum denn?
Wer will denn für Billig-Jobs arbeiten? Oder besser wer wollte das denn je?
Wo war denn da die Gewerkschaft?
Und bitte keine Polemik! Auch die Kleine Verkäuferin ist in der Gewerkschaft. Was hat diese für die Frauen je getan?
Wo war die Gewerkschaft, als die Frauen bei Kik einen Betriebsrat gründen wollten und darum gekündigt wurden.
Alle bitte sofort mit Steinen werfen!!!!
13:45
Geht statt zu Fußball, und zum Still-Leben auf die Straße. Lehnt Billig-Jobs ab! Erst wenn keiner mehr für ein paar Euro arbeitet, wird sich was ändern!
12:43
#9 von So geht es nicht , wieder nix verstanden? Wenn sie den 5€ Job verlieren, ändert sich für sie doch nichts. Finanziell. Erst wenn bei kik niemand mehr arbeitet, dann ändert sich was.
Und wenn die Privatpost nicht mehr kommt, was dann? Eben wie zuvor, das klappte ja bestens.
Ziel m uss sein, das Arbeitskräfte zu verknappen, wie in den 60ern.
Da hat oft ja nur ein Teil der 4 köpfigen Familie gearbeitet, aber das Geld reichte. Heute arbeiten 3 für dieselbe Lohnsumme, was soll das?
Reichtum mehren, klar. Aber wer blind mittut, darf nicht jammern. Oder RTL2 gucken...
00:47
Entschuldigung, es sollte natürlich heißen:
Haben Sie nicht gelesen, dass die Frauen, die bei Kik und Co. einen Betriebsrat aufbauen wollten ganz schnell gekündigt WURDEN.
00:46
@ 8 Blinker Links
Sie haben ja voll den Durchblick!!!!!
Wo bekommt z. B. eine Friseurin denn einen besser bezahlten Job???
Wo werden Mütter in Teilzeit überhaupt eingestellt?
Haben Sie nicht gelesen, dass die Frauen, die bei Kik und Co. einen Betriebsrat aufbauen wollten ganz schnell gekündigt haben.
Und Arbeitslosigkeit gibt es in diesem Land ja nicht!!!! Ha ha!
Grundsätzlich ist die Idee gut! Nur den einzelnen BETROFFENEN hilft das gar nicht!
Treten Sie nur schön weiter auf ihnen herum! Sie wissen ja, dass SIE im RECHT sind!
Die Welt sieht leider nicht rosarot aus! Auch wenn wir es gerne hätten!
23:11
Warum machen die denn diese Jobs? Zwang gibt es ja nicht. Nur pro forma. Aber es sind ja speziell diese Ausbeuterklitschebn, die rechtswidrige Fragebögen dem Neupersonal vorlegen. Z.B. nach Gewerkschaftszugehörigkeit.
Und hier hört mein Mitleid mit Billiglöhnern auf.
Entweder organisieren oder 2 Gewerkschaften ins Formular schreiben.
Den Job darf man abhaken, obwohl NUR der Ausbeuter illegal operiert. Da können die Amtlichen nix!
Und wenn keiner die Arbeit macht, steigen die Tarife. Aber da rennen ja welche hin...oha...
21:12
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18:11
@5
Knapper kann man es nicht sagen.
14:14
Oh Mann - Mindestlohn ... wie wäre es denn mal, wenn die Arbeitgeber, wie damals, mal ihre Arbeitnehmer vernünftig bezahlen würde.
Aber das sind die Konsequenzen unserer Politik und dem Geilz ist Geil-Trend in BRD ...
Spart euch weiter Arm ...