Angst vor Diskriminierung

Homosexuelle Senioren befürchten, dass ihre Bedürfnisse in herkömmlichen Pflege- und Alteneinrichtungen noch zu sehr vernachlässigt werden. Schon in der Vergangenheit hatten Gespräche zwischen dem Seniorenbeirat und Vertretern des Sozialverbandes der Schwulen und Lesben um Hinblick auf die Situation vor Ort stattgefunden. Nun treffen sich am kommenden Samstag im Dorf der Theodor-Fliedner-Stiftung Experten zu einem Informationsgespräch, bei dem auch die Öffentlichkeit eingeladen ist.

Ralf Dierichs von der Aidshilfe Essen, die die Veranstaltung organisiert, freut sich darüber, dass die Fliedner-Stiftung an dem Thema Interesse gezeigt hat und hofft, dass auch andere Einrichtungen, die mit Senioren- und Pflegearbeit beschäftigt sind, sich intensiver mit der Situation homosexueller Senioren auseinandersetzen. Aus Gesprächen weiß Dierichs, welche Fragen Homosexuelle mit Blick auf ihren Lebensabend umtreibt: „Vielen ist wichtig, sich für die Leseben- und Schwulenbewegung zu engagieren. Bei uns gibt es eine Senioren-Gruppe. Da treffen sich jede Woche 36 Leute und unternehmen etwas gemeinsam.“ Es gebe die Befürchtung, dass sie diesen Aktivitäten irgendwann nicht mehr nachgehen könnten. „Es existiert eine Angst vor Diskriminierung. Die heute hochbetagten Homosexuellen haben noch die strafrechtliche Verfolgung und die damit einhergehende Ausgrenzung erlebt.“ Die Verunsicherung dahinter sitze tief. Dazu kommen noch andere Faktoren: „Aus dieser Generation sind viele ganz allein, haben keinen familiären Anschluss“, erläutert er. Gerade deswegen seien auch die Aktivitäten mit Freunden wichtig.

Auch die Landesregierung beschäftigt dieses Problem. So wird seit drei Jahren eine spezielle Fachberatung gefördert.

Der Vorsitzende des Mülheimer Seniorenbeirates, Helmut Storm, hält die Situation vor Ort für eher unproblematisch. „Es hängt aber auch nicht nur an Strukturen, sondern an Personen. Die Menschen müssen sensibel miteinander umgehen.“ Das gelte für die Pflegenden wie auch für diejenigen, die gepflegt werden. Hier sei es in der Tat gut, wenn diese Sensibilität immer wieder neu bei allen Beteiligten geschärft werde. Es komme auf Menschlichkeit im Umgang an. Dieser Grundsatz gelte aber sowieso für alle Bereiche der Seniorenarbeit.