Angeklagter vor Prozess tot aufgefunden

Vergeblich warteten Strafkammer, Staatsanwalt und Verteidiger am Freitag vor dem Landgericht Duisburg auf einen Angeklagten. Ein 64-jähriger Mülheimer, der sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten sollte, hat offenbar Selbstmord begangen.

Der Mann war über viele Jahre Trainer eines Sportvereins in Mülheim gewesen, hatte Kinder und Jugendliche betreut. Diese Stellung soll er zwischen 1998 und 2009 in mindestens 35 Fällen missbraucht haben, um sich Jungen ab neun Jahren sexuell zu nähern.

Die Kinder sollen sich vor allem an Wochenenden in der Wohnung des Mannes aufgehalten haben, um dort am Computer Spiele zu spielen, die ihnen Zuhause verboten worden waren. Die Anklage listete 35 Fälle auf, in denen der Angeklagte diese Situation ausgenutzt haben soll. Weitere Taten waren bereits verjährt.

Das Gericht wollte am Freitag die Polizei schicken, um den 64-Jährigen vorzuführen. Die Ordnungshüter teilten mit, dass sie bereits am späten Donnerstagabend einen Einsatz in der Wohnung des Mannes hatten: Kurz vor Mitternacht hatten sie ihn leblos in seiner Küche aufgefunden.