An Karneval piept der Ofen durchgängig

„Ich verkaufe Brötchen, Brot und Kuchen; jetzt zur fünften Jahreszeit ist es besonders viel“, erzählt Vera Gerndt-Barkowski (55). „Das ist richtig Stress, weil an Karneval alle Berliner wollen.“ Da piept der Ofen. Ofentür auf, Brötchenblech raus, zum Auskühlen auf den Wagen. Der nächste Kunde naht und sagt auf Fach-Chinesisch: „Zehn Normale, zwei Doppelkorn und einen Bernd geschnitten“. Vera Gerndt-Barkowski hat eigentlich keine Zeit zu Plaudern, die Brötchen gehen weg wie… ähm… warme Semmeln. Geht das denn, verkaufen und gleichzeitig neue backen? „Sagen wir mal so, ich bin immer in Bewegung. Früh um sechs Uhr fange ich an zu backen. Samstags sind wir zu zweit. Dann stehen hier mehr Männer, die werden von ihren Frauen zum Brötchen holen geschickt. So sehen wir auch mal die Gegenstücke zu unseren weiblichen Kunden.“ Gelächter vor und hinter der Theke. „Man hat zwischendurch immer mal Leerlauf, dann hat man genug Zeit, den Ofen zu füllen oder leerzumachen.“ Und abends qualmen die Socken? Vera: „Ja, aber ich mache noch Aquasport, um fit zu bleiben. Dann kann man sich auch mal ein Leckerchen gönnen.“ Dann holt sie die interne Bäckerzeitung hervor: „Dieses Jahr hatte ich 35-Jähriges bei Horsthemke, hier steht’s: ,Wir gratulieren’. Seit 21 Jahren bin ich schon hier im Geschäft am Zehntweg.“ Vera muss keine kleinen Brötchen backen, bei dem Arbeitspensum. Es geht weiter, der Ofen piept, der Kunde sagt „Zehn Berliner bitte.“