An der Belastungsgrenze

„Am Dienstag sind erst wieder 15 Flüchtlinge dazu gekommen“, erzählt Peter Sommer von der Zentralen Wohnungsfachstelle des Sozialamtes. Er ist dafür zuständig, die Flüchtlinge ihren einzelnen Unterkünften zuzuweisen. „Das macht mittlerweile gut 95 Prozent meiner Arbeit aus“, berichtet er.

Nur ein Beispiel dafür, wie stark die gesamte Stadtverwaltung die Flüchtlingsfrage beschäftigt. Dazu gehört ja nicht nur die Unterbringung, auch Sozialarbeiter sind vielfältig im Einsatz. Wie viele genau, kann das Sozialamt gar nicht sagen. „Wir reagieren hier ganz spontan. Deswegen kann man die einzelnen Sozialarbeiter-Stellen nicht genau zuordnen“, erläutert Iris Hofmann, Referentin im Sozialdezernat. Ein Beweis dafür, dass angesichts der Vielfalt der Aufgaben, die durch die Flüchtlinge entstehen, auch feste Stellenschlüssel und Ämtergrenzen aufbrechen. Ohne Flexibilität, so bestätigen fast alle betroffenen Mitarbeiter der Stadtverwaltung, gehe es nicht.

Bei der Ausländerbehörde hat man nun für dieses Jahr eine zusätzliche Stelle beantragt. Für 2016 wünscht man noch weitere eine Stelle dazu. Die Grundlage für diese Anträge bilden Prognosen, die auf der Grundlage des Zahlenmaterials des Bundesamtes für Migration erstellt worden sind. Danach sollen 2015 insgesamt 1000 Flüchtlinge nach Mülheim kommen, 2016 sollen es 700 sein. „Das ist aber eben nur eine Prognose, die kann ganz schnell von der Realität eingeholt werden. Und dann sind es statt 700, plötzlich 1700 Menschen“, sagt Bernd Otto. Der Leiter der Ordnungsamtes, zu dem die Ausländerbehörde gehört, berichtet auch von der starken psychischen Belastung, der seine Mitarbeiter ausgelastet seien. „Das ist schon etwas anderes, als Strafmandate zu schreiben. Ich weiß von vielen, dass sie abends erst einmal eine Weile brauchen, bis sie richtig abgeschaltet haben."

Im Moment arbeiten 16 Mitarbeiter in der Ausländerbehörde. Die Asylanerkennung wird vom Bundesamt verantwortet. Vor Ort ist die Verwaltung für die Aufenthaltsgenehmigung zuständig. Dazu gehört etwa der Kontakt zu Botschaften, wenn Familienangehörige nachziehen sollen. Die Behörde tritt auch auf den Plan, wenn Verfahren abgelehnt und die Flüchtlinge in ihr Herkunftsland abgeschoben werden. Manchmal dauern solche Verfahren Jahre. „Hier wünsche ich mir von der Politik, dass das schneller geht. Das wäre für alle Beteiligten besser“, meint Bernd Otto.

912 Flüchtlinge leben hier. Sie sind in 205 Wohnungen untergebracht, in 38 städtischen, in 40 an der Gustavstr., in 103 weiteren Wohnungen sowie in 24 Parzellen am Fünter Weg.