Amt für weiterbildende Fantasie fördert Mülheimer Künstler

Der Künstler Manfred Dahmen ist der Leiter des Amtes für weiterbildende Fantasie. Er arbeitet im Hof der Galerie an der Ruhr.
Der Künstler Manfred Dahmen ist der Leiter des Amtes für weiterbildende Fantasie. Er arbeitet im Hof der Galerie an der Ruhr.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der ehemalige Metzger Manfred Dahmen hat in der ehemaligen Nedelmann-Villa in Mülheim das Amt für weiterbildende Fantasie gegründet.

Mülheim.. „Fantasie öffnet die Türen und erweitert den Horizont. Wer seine Fantasie frei laufen lässt, ist kein Fantast, sondern sammelt Kraft für ein friedliches Miteinander.“ Manfred Dahmen ist Leiter des Amtes für weiterbildende Fantasie. Wer ihn in der ehemaligen Nedelmann-Villa an der Ruhrstraße besucht, erkennt: Er hat Freude daran, das starre Amtswesen mit viel Fantasie auf die Schippe zu nehmen. Was dabei herauskommt, sind vor Farbe sprühende Bilder im Großformat, kräftig in den Tönen, in der Tiefe, mit weiten Horizonten und mit einer offenen Seelensprache.

Der ehemalige Metzger hat Höhen und Tiefen erlebt, „bis ich an den Punkt kam, mich von vielen Zwängen des Alltags zu befreien. Dazu brauchte ich Mut und reichlich Fantasien“, beschreibt Dahmen die Zeit seines Durchwurschtelns. Heute hat er sein Refugium im ehemaligen Schuppen des reich verzierten Hauses gefunden. „Als ich das hier gesehen habe, war mir klar: Das wird mein neues Atelier. Alles weiß gestrichen, zwei Kronleuchter aufgehängt, ein großer Arbeitstisch mit Sessel rein, fertig.“

Einige Mentoren gaben ihre guten Jobs auf

So wohl wie Manfred Dahmen fühlen sich auch andere Künstler in dem großzügigen Gebäude. Über Jahrzehnte diente es als Wohnhaus und Verwaltungsgebäude, zwischen Stadtmitte und Ruhr. 2012 verkaufte die Mülheimer Gesellschaft für Stromwirtschaft das Gebäude, um darin die ursprüngliche Nutzung – als Kunsthaus – wieder zu ermöglichen. Auch der Mülheimer Künstler Ernst Rasche hatte dort 1948 sein Atelier.

Einige Mentoren griffen vor drei Jahren beherzt zu und setzten die Idee um. Einige gaben ihre guten Jobs auf, wechselten zur Kunst und sind Anhänger des Amtes für weiterbildende Fantasie.

Streitwagen kostet eine Milliarde Euro

„Unser Haus ist offen für Ausstellungen und alle Menschen, die Fantasie haben“, erklärt Manfred Dahmen. Auf 700 Quadratmetern Fläche verteilen sich Ateliers und Ausstellungsräume. Schon das alle Räume verbindende Treppenhaus ist ein Erlebnis. Überall stehen oder hängen Bilder und Skulpturen verschiedenster Stile, Arbeits- und Betrachtungsweisen.

Der impulsive Streitwagen kostet eine Milliarde Euro. „Gemessen an den Kosten zerstörender Kriege, Streitereien und Gerichtsverfahren der Menschen ist das ein eher geringer Preis“, sagt der Amtsleiter – völlig realistisch und ohne Fantasie.

„Wenn Besucher über den Namen des Amtes nachdenken oder über die goldene Skulptur diskutieren, die grazil im Treppenhaus schwebt, sind sie schon im Bewegungsprozess“, sagt Dahmen. Darum stempelt er seine Bilder mit: „Autorisiert für die Weiterreise in die Zukunft“. Damit bleiben Kunstwerk und seine Betrachter in bewegter Freude.