Ambulantes Hospiz begleitet Sterbende in den letzten Stunden

Die ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen Marlies Joneck (l.) und Ursula Scholl engagieren sich beim Ambulanten Hospiz. Es gibt aber auch Stunden, in denen gelacht wird und der Tod nicht im Vordergrund steht, erzählen sie.
Die ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen Marlies Joneck (l.) und Ursula Scholl engagieren sich beim Ambulanten Hospiz. Es gibt aber auch Stunden, in denen gelacht wird und der Tod nicht im Vordergrund steht, erzählen sie.
Foto: Lars Heidrich/ Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
36 ehrenamtliche Sterbebegleiter des Ambulanten Hospizes bieten Schwerkranken und ihren Angehörigen Unterstützung und teilen Ängste und Sorgen.

Mülheim.. „Wie kannst Du das machen? Wie hältst Du das nur aus?“ Fragen, die die 36 ehrenamtlichen Sterbebegleiter des Mülheimer Hospizvereins nur zu gut kennen. „Am Anfang habe ich mich selbst gefragt, ob ich das aushalte“, sagt Marlies Joneck, die sich seit sieben Jahren beim Ambulanten Hospiz engagiert. „Aber nach all den Jahren kann ich sagen, ja ich kann es.“ Als ihre eigene Mutter im Sterben lag, war die pensionierte Lehrerin sehr unzufrieden, wie mit der todkranken Frau umgegangen wurde. „Damals habe ich mir geschworen, dass ich, wenn ich nicht mehr berufstätig bin, Menschen in ihrer Sterbephase begleiten möchte.“

Seit 1996 gibt es das Ambulante Hospiz, das zwar mit den stationären Hospizen in der Region zusammenarbeitet, aber völlig unabhängig ist. Die ehrenamtlichen Sterbebegleiter werden über sechs Monate in einem Seminar geschult und absolvieren dann noch ein Praktikum. „Wir gehen überall dort hin, wo sich die Schwerkranken befinden“, sagt Leiterin Ursula König. „Vorrangig nach Hause, weil wir möchten, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben können.“

Ehrenamtler begleiten bis zu 70 Schwerstkranke und Sterbende pro Jahr

Aber auch in Altenheimen, Krankenhäusern und im stationären Hospiz bleiben sie an der Seite der kranken Menschen. Die Unterstützung durch das Ambulante Hospiz ist kostenlos.

Im Jahr begleiten die Ehrenamtler bis zu 70 Schwerstkranke und Sterbende. Viele Stunden, in denen zugehört, getröstet oder auch einfach nur geplaudert wird. „Die Angst vor Schmerzen ist meistens größer, als die Angst vor dem Tod“, sagt Sterbebegleiterin Ursula Scholl. „Und da ist natürlich die Angst vor der Einsamkeit, aber genau das ist ja der Grund, warum wir uns alle engagieren.“ Es gibt aber auch Stunden, in denen gelacht wird und der Tod nicht im Vordergrund steht.

Kontakt mit Angehörigen geht über den Tod hinaus

Die Begleitung eines sterbenden Menschen ist nie gleich. Die Ehrenamtler des Ambulanten Hospiz müssen immer wieder mit neuen Situationen umgehen können. „Jeder stirbt seinen eigenen Tod“, sind sich die engagierten Mitarbeiter des Ambulanten Hospiz einig.

Aber nicht nur die Menschen, die sterben, werden von den Ehrenamtlern unterstützt. Angehörige können mal eine Pause machen und ein bisschen Kräfte sammeln. Oder auch ihre Sorgen und Ängste mit dem Begleiter besprechen.

Der Kontakt mit den Angehörigen reißt auch nicht abrupt ab, wenn der Mensch, der begleitet wurde, verstorben ist. „Zu der Ehefrau des Mannes, den ich als erstes begleitet habe, habe ich heute noch Kontakt“, sagt Marlies Joneck. Auch zu den Beerdigungen der Verstorbenen gehen die Sterbebegleiter, denn auch sie wollen nach einer oftmals monatelanger Begleitung Abschied nehmen.