Ambitioniertes Architekturkonzept ist gescheitert

Gelungene, gar spektakuläre moderne Architektur gibt es in Mülheim wenig. Gewiss, in Flughafennähe steht der Foster-Bau. Die neuen Gebäude an der Ruhrpromenade und vieles, was in den vergangenen Jahren entstanden ist, zählen leider nicht zu den architektonischen Spitzenleistungen. Für eine vielversprechende Planung, auf deren Realisierung man sich gefreut hätte, ist jetzt allerdings die Zeit abgelaufen. Bedauerlich ist es nicht nur aus gestalterischen Gründen. Die Stelle, für die das Wohn- und Geschäftshaus vorgesehen war, hätte eine Aufwertung dringend verdient.

Es handelt sich um die Kreuzung Saarner Straße und Strippchens Hof. 1999 hat dort die BP ihre Tankstelle aufgegeben. Seitdem verkommt der Platz und das Gebäude zusehends. Wiederholt gab es Klagen der Anwohner und der Politik, das endlich etwas passieren müsste. „Das schreit nach einer Bebauung“, sagte seinerzeit der zuständige Planungsamtschef. Seit 2006 gibt es einen ambitionierten Entwurf des Architekten Gunvar Blank: ein Viertelkreis. Die terrassenförmig ansteigenden Etagen werden an beiden Seiten von runden Bögen gehalten.

Kleines Zeitfenster

„Das ist ein gelungener Akzent in einer architektonisch simplen und langweiligen Umgebung“, lobte damals Hubert Niehoff, Planungspolitiker der Grünen. Andere sprachen ebenso von einem großen Wurf. Auch die direkten Nachbarn hatten dem Planer damals schriftlich ihre Zustimmung zu dem Konzept gegeben. Blanck hatte auch einen Investor, der den Plan damals umgesetzt hätte. An ihn hätte die BP auch verkauft. Doch stellte sich das damals noch existierende Bauordnungsamt dagegen und verweigerte eine planungsrechtliche Befreiung. Ein solche Befreiung ist aber nicht unüblich. Die damals fast 35 Jahre alte Planvorschrift wurde dem Projekt zum Verhängnis. Nötig sei ein Bebauungsplanverfahren, hieß es.
Doch das ist aufwändig und Zeit wollte der Investor nicht verlieren, weil rechtliche Änderungen das Projekt unwirtschaftlicher machten. „Es gab nur ein kleines Zeitfenster“, sagt Blanck, der auf Druck von Politik und Verwaltung dann seinen Entwurf noch einmal umplante. Das Gebäude sollte kleiner werden. Sechs Geschosse und eine Höhe von 20 Metern seien unverträglich, hieß es. Damit war der Entwurf weniger wirtschaftlich. 2009 war dann der B-Plan perfekt. Er hatte eine Gültigkeit von fünf Jahren und wurde um ein Jahr verlängert, weil die BP gerade ernsthaft verhandelte.

„Jetzt ist die Zeit abgelaufen“, sagt Planungsamtschef Jürgen Liebich. „Mir liegt kein Antrag auf Verlängerung vor.“ Er bedauert es, dass der Plan nicht umgesetzt wurde. „Mülheim ist eben nicht Düsseldorf“. Alltag ist so etwas nicht.„Es ist das erste Mal in 15 Jahren, dass ein Vorhaben bezogener Bebauungsplan geplatzt ist“, sagt er. Für die BP als Vertragspartner der Stadt werde nun eine Vertragsstrafe in Höhe einer mittleren fünfstelligen Summe fällig. Das sind nicht die einzigen Kosten die der Ölkonzern hatte. Er hatte im Vorjahr einen Makler engagiert, denn das 1000 Quadratmeter große Grundstück sorgt nur für Kosten.

Automatisch werden die Uhren auch jetzt nicht auf Null gestellt. Das geht nur mit einem politischen Beschluss, um das Planungsrecht rückabzuwickeln. Streng bürokratisch. In der März-Sitzung des Planungsausschusses will Liebich der Politik einen Beschluss vorlegen. Auch der muss öffentlich ausgelegt werden.

Wie es dann weitergeht, ist offen. Vermutlich könne dann nach Paragraf 34 gebaut werden, Baulückenschließung. Von gestalterischem Anspruch ist dann keine Rede mehr. Dann könne man auch einen Block von der Qualität eines Schuhkartons dort hinsetzen, stimmt Liebich zu. Oder die Politik setzt mit einem Bebauungsplan einen neuen Rahmen. Ob Blancks Entwurf an anderer Stelle zu realisieren wäre? Wer weiß.