Am langen Tisch ins Gespräch kommen

Foto: theater an der Ruhr

Die gute alte literarische Kaffeehauskultur möchte Theaterleiter Roberto Ciulli wieder beleben, verbunden mit Gesprächen und einem neugierigen Miteinander. Um die Gedanken mit möglichst vielen Menschen zu teilen, geht Ciulli dafür in die Stadtmitte. Im Café Mocca Nova am Löhberg liest er am Donnerstag, 22. Januar, 19 Uhr, aus „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ von Eugene O’Neill. Auf der Folie des autobiografischen Stücks hat Ciulli eine poetisch-mitreißende Inszenierung im Theater an der Ruhr entfaltet, die bei Kritikern und Publikum großen Anklang findet.

Im Rahmen der Kooperation mit dem Café Mocca Nova knüpft Ciulli an die Tradition der im 20. Jahrhundert entstandenen Kaffeehauskultur wie im Café de Flore in Paris, im Café Greco in Rom oder im Café Central in Wien an: Damals trafen sich Intellektuelle in den Cafés und diskutierten über Literatur, Philosophie und Politik. Roberto Ciulli liest im Mocca Nova und erläutert die Hintergründe des Dramas von O’Neill und deren Umsetzung in der Inszenierung. Das Publikum ist eingeladen mitzulesen, den Text mit aktuellen politischen Themen zu verknüpfen und zu diskutieren. Im geselligen Ambiente des Cafés entsteht am langen Tisch eine dichte, angenehme Lese-Atmosphäre. Auch die Details der Inszenierung erläutert Ciulli dabei. In „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ wird ein Tag einer Familie in den Vereinigten Staaten Amerikas im Jahre 1912 beleuchtet, der Aufschluss über mehrere Leben gibt: der Vater, ein Schauspieler, seine Frau und die Söhne Jamie und Edmund. Die Familie leidet unter dem unvorstellbaren Geiz des Vaters, dem selbst seine nächsten Angehörigen zum Opfer fallen. Die drei Männer sind Alkoholiker, die Mutter hängt an der Nadel.

Ihre gemeinsame Welt ist eine Hölle, in der alle voneinander abhängig sind, ein Entkommen scheint unmöglich. O’Neills Stück ist stark autobiografisch, er notiert die Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend und beschreibt eine Realität, die von Rausch und Gewalt bestimmt ist. Und dennoch vermag er auch die bittere Komik anzudeuten, die der Tragik des Geschehens entspringt.