Am Kinderkur-Ort steht heute ein Luxushotel

Die Einwicklung des Kindererholungsheims verfolgte dessen einstige Leiterin Barbara Heinz-May. Bis heute kann sie nicht glauben, dass Keitum die jungen Urlauber ausgegangen sein sollen. Doch veröffentlichte Zahlen verweisen auf viele leere Betten.

Der Artikel im Jahrbuch 1983 liest sich wie ein Werbetext: „Aufenthalte in Keitum führen erfahrungsgemäß zu vielen Heilanzeigen bei Nebenhöhlenkatarrhen, Bronchitis, Allergien, Asthma, Ekzemen und Appetitmangel“, heißt es dort. Vorher sind detailliert Besucherzahlen aufgelistet, die sich auf 831 addieren. Das macht „eine Auslastung von 80 Prozent“ – besser als in den 1970er Jahren, aber nicht gut genug. Die Besucherzahlen gingen in den Folgejahren weiter zurück, das zeigen im Stadtarchiv gesammelte Zeitungsartikel.

Erstmals diskutierte der Rat 1978 über den Verkauf, damals trennte man sich stattdessen vom städtischen Heim in Neuastenberg. 1996 war die Diskussion dann beendet: Die Stadt verkaufte das Keitumer Grundstück für 3,4 Millionen Mark an SWB, deren Bilanz es künftig nach unten zog. 2002 bezifferte die Geschäftsführung der Gesellschaft das jährliche Minus auf rund 450 000 Euro. Nach langen Verhandlungen verkaufte SWB das Grundstück 2003 an eine Bremer Planungsgruppe, die dort ein Fünf-Sterne-Hotel errichten wollte. Doch das ließ auf sich warten: Erst 2008 wurde das Erholungsheim abgerissen, anschließend verzögerte sich der Baustart wieder und wieder. Inzwischen kann man „Am Tipkenhoog 18“ aber wieder Urlaub machen: Dort steht nun ein Luxushotel.