Alte Schätzchen finden ihre Liebhaber

Der Kunst- und Antiquitätenmarkt im Kloster Saarn in Mülheim-Saarn: Glänzend kam er auch diesmal bei den Besuchern an.
Der Kunst- und Antiquitätenmarkt im Kloster Saarn in Mülheim-Saarn: Glänzend kam er auch diesmal bei den Besuchern an.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Antiquitätenmarkt im Kloster Saarn lädt mittlerweile schon im zehnten Jahr Liebhaberexquisiter Dinge zum Bummeln in gediegenen Ambiente ein. Auch am Sonntag kamen wieder an die 400 Besucher vorbei.

Mülheim.. Klagen kann Michael Martin über den Besuch „seines“ Antiquitätenmarktes auch im zehnten Jahr seines Bestehens nicht. Am gestrigen Sonntag kamen nach Martins Schätzung gut 400 Gäste ins Kloster Saarn, um nach schönem Schmuck, schönen Teppichen, Gemälden und dem Besonderen „aus guter alter Zeit“ zu stöbern.

Wobei „stöbern“ in die Irre führen kann, denn dieser kleine aber feine Markt hat nichts von dem, was häufig „Antik“ im Namen führt, aber nicht selten Trödel oder sogar neu produzierte Billigware offeriert. Im Kloster Saarn möchte man ein ruhigeres Ambiente bieten, was sich schon über die leichte Hürde beim Eintrittspreis von 2,50 Euro vermittelt.

"In Mülheim ist besonders die Moderne gefragt"

Die gute Atmosphäre des Klosters schätzt Kunsthändler Helmut Pöttgen, seit ein paar Jahren begleitet er mit Gemälden aus allen Ländern und vom klassischen Portrait bis zum abstrakten Expressionismus die Saarner Messe. „Viele davon stammen aus Nachlässen“, erzählt der Düsseldorfer Händler und verrät: „In Mülheim ist besonders die Moderne gefragt, wie im ganzen Ruhrgebiet.“

Apropos Nachlass: Dass hin und wieder auch ein eher unauffälliges Kellerkind zum teuren Kunststück aufsteigen kann, weiß der Diamantgutachter und Auktionator Ralf Schulz. Zum zweiten Mal schätzt er zur Messe Objekte ein, die ihm die Mülheimer vorbeibringen. „Natürlich: Am häufigsten überschätzen Kunden den Wert ihrer Ware. Dann ist das ursprünglich teure Mocca-Service gebraucht nur noch 500 Euro wert.“ Aber Ausnahmen hat er erlebt, zum Beispiel eine Schale aus dem asiatischen Raum, die für 100 Euro angeboten wurde, und am Ende für satte 16.000 Euro an einen Liebhaber ging. „Gerade Objekte aus Russland oder Asien sind schwer einzuschätzen“, sagt Schulz.

Nicht jedes alte Schmuckstück ist ein Vermögen wert

Was legen sich Mülheimerinnen um den Hals und ans Ohr? „Tansanit und Morganit sind im Trend“, bestätigt Juwelier Gundo Schalk, der den Antiquitätenmarkt nahezu seit der ersten Stunde begleitet. Viele Stammkunden schauen gerade an eher kleinen Messen vorbei, „weil sie übersichtlicher und ruhiger sind“. Einige schöne Antikstücke hat Schalk ebenfalls dabei – sie stammen von 1820 aus privater Hand. Allerdings ist nicht jedes Schmuckstück der Urgroßeltern ein Vermögen wert, weiß Schalk, der immer wieder vermeintliche Schätzchen angeboten bekommt.

Wahre Schätzchen – auf dem zweiten Blick – hat Händler Manfred Schröder ausgepackt: Skandinavisches Design aus Silber, das aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt. „Es ist sicher ungewöhnlich, aber ich mag die ‘schlichte’, klare Form und das Material“, zeigt er auf eine Kanne aus 800er Silber des Herstellers Rossi und Arcandi. 99 Exemplare gibt es davon, eines im New Yorker Museum of Modern Art, die Nummer 19 aber in Schröders Vitrine. Da bleibt sie wohl noch eine Weile – 6000 Euro kostet das gute Stück. Eine gute Geldanlage? Ja, ist sich Schröder sicher, „der Wert bleibt erhalten, gerade wenn ein bekannter Designername dahinter steht.“

Etwas günstiger wird es für denjenigen, der sein Mölmsch aus einem Englischen Mug schlürfen möchte: Schröders Silberhumpen aus dem 18. Jahrhundert geht für 3000 Euro über die Theke – Prost.