Alte Narrenliebe rostet nicht
05.02.2010 | 19:26 Uhr 2010-02-05T19:26:00+0100
Mülheim. Die Seniorensitzung begeistert seit 40 Jahren. „Jeder Aktive auf der Bühne wird wie ein Weltstar gefeiert”, schwärmt ihr Programmleiter und Präsident Heino Passmann von der närrischen Euphorie des betagten Publikums.
Frage: Was ist die größte Saalveranstaltung im mölmschen Karneval? Antwort: Die Seniorensitzung mit dem schönen Namen "Lachende Herzen". Der Name ist Programm. Gelacht und geklatscht wird viel bei der Seniorensitzung, die am Montag zum 40. Mal über die Bühne des mit gut 1000 reifen Jecken prall gefüllten Theatersaales der Stadthalle ging.
Ein Farbtupfer im grauen Einerlei
„Jeder Aktive auf der Bühne wird wie ein Weltstar gefeiert”, schwärmt ihr Programmleiter und Präsident Heino Passmann von der närrischen Euphorie des betagten Publikums. Schon bei der ersten Seniorensitzung stimmte die Stimmung im ausverkauften Theatersaal der Stadthalle. „Für alle Besucher war der Nachmittag ein bunter Farbtupfer im grauen Einerlei des Alltags”, hieß es 1970 in der NRZ. Von den Roten Funken aus der Taufe gehoben, konnten die Eintrittspreise deshalb niedrig gehalten werden, weil sich das Sozial- und das Kulturamt an der Programmfinanzierung beteiligten. Von dieser kommunalen Rückendeckung können Karnevalisten heute nur träumen. Inzwischen wird das gut viertstündige Programm allein vom Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval und seinen zwölf Gesellschaften finanziert.
„Zu meiner Zeit kam ich für ein Programm mit 4000 Mark aus. Heute wird man sicher das Dreifache dafür bezahlen müssen”, sagt Willi Schlösser. Der 68-Jährige vom Mülheimer Carnevals Club war von 1985 bis 2000 für die Programmleitung der Seniorensitzung verantwortlich. „Wenn wir um 16 Uhr begannen, standen oft schon um 13.30 Uhr die ersten Jecken vor der Stadthalle”, erinnert sich Schlösser und zitiert aus dem Dankesbrief einer begeisterten Närrin, die 1993 reimte: „Das tue ich im Namen der Senioren bekunden. Die Karnevalssitzung hat wieder mal sehr viel Anklang gefunden.”
Als Lotti Krekel und die Höhner kamen
Neben den mölmschen Eigengewächsen standen in 40 Jahren Seniorensitzung rheinische Karnevalsstars wie Karl Berbuer, Lotti Krekel, die Höhner, das Butterblümchen oder das Spötter- und Musikantenduo Pit und Joe auf der Bühne. Letztere waren Stammgäste und wollten nur auftreten, wenn sie in ihrer Garderobe auch eine gut gekühlte Flasche Bier vorfanden. „Ich habe in all den Jahren nie eine Absage bekommen. Die meisten Künstler freuten sich auf die Seniorensitzung und kamen uns preislich entgegen”, erzählt Schlösser.
Sein wichtigster Vorteil als Programmplaner: Die Seniorensitzung geht immer montags über die Bühne, wenn in aller Regel nirgendwo anders in der Region Saalkarneval gefeiert wird.

0mitdiskutieren