Alte Dreherei: Stück für Stück geht’s voran

Broich..  Die historische Alte Dreherei inklusive aller Dachflächen und Fenster ist dicht, berichtet Martin Menke erleichtert. Die Zwischendecke im vorderen Teil der Halle wurde kürzlich ebenfalls eingezogen. Nun können die rund 30 bis 40 aktiven Vereinsmitglieder, die unterschiedlichste Interessen und Fähigkeiten mitbringen, endlich mit dem lang ersehnten Innenausbau beginnen. Der nächste große Schritt zur weiteren Nutzung der riesigen, rund 2500 m² großen Halle, die bereits zum „Haus“ für rund 20 Mülheimer Vereine geworden ist, sei nun getan,meint der Vorstandsvorsitzende. Nun werde die Fertigstellung der Sozialräume dringend notwendig – zum einen, um neue Leute zu gewinnen, aber auch die vorhandenen zu motivieren“, findet der 49-jährige Mülheimer, der gelassen scheint, obwohl er dringend Geld bräuchte und um neue Mitglieder wirbt. „Wir haben in diesem Jahr keine Fördergelder erhalten und erwarten, seit die Halle dicht ist, steigende Nebenkosten wie Versicherungen, Erbpacht oder Betriebskosten“, sagt Menke. Der Verein „Alte Dreherei – Haus der Vereine in Mülheim“ würde mindestens noch 50 bis 100 neue Mitglieder benötigen, hält er fest. „Bei einem Mitgliedsbeitrag von 36 Euro im Jahr hoffen wir, dass der eine oder andere sagt: Das ist ein schönes Projekt, das unterstütze ich!“

Etliche Vereine profitieren bereits intensiv von dem 1500 m² nutzbaren Bereich: Die Oldtimer-Freunde nutzen die Halle für ihre Vereinsaktivitäten, die Tierfreunde (Hunde, Geflügel, Taubenzüchter, Kaninchen und Vogelfreunde) organisieren regelmäßige Veranstaltungen, die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft, VHAG, arbeitet an der Restauration eines Busses aus den 1960-er Jahren, die Eisenbahnfreunde planen zum Sommer eine Vortragsreihe und mehrere Fotogruppen nutzen das einzigartige Ambiente für Aufnahmen.

Im hinteren Hallenbereich wird nach und nach eine historische, aber trotzdem nutzbare Werkstatt aufgebaut. Menke zeigt stolz eine 100 Jahre alte Drehbank, die der Verein kürzlich gespendet bekommen hat. „Wir freuen uns besonders, wenn uns heimathistorische Dinge angeboten werden“, so Menke, wie die alte Straßenwalze von der Firma Scheid, die früher zu Stinnes gehörte, oder eine ehemalige Rangierlok der Mülheimer Straßenbahn. Heiß ersehnt von den Eisenbahnfreunden wird die baldige Installation der Modelleisenbahn auf der rund 400 m² großen Fläche im Obergeschoss. Kern des Modells soll das Eisenbahnausbesserungswerk Speldorf sein“, verrät Menke. Leider könne die Etage der Öffentlichkeit nur zugänglich gemacht werden, wenn ein Aufzug eingebaut werde und die Etage barrierefrei nutzbar sei, bedauert Menke und befürchtet, dass dabei weniger die Anschaffungskosten das Problem seien, sondern die Betriebskosten. Wenn die Arbeiten an der denkmalgeschützten Dreherei mit der in Deutschland einzigartigen Konstruktion (Holzdach auf gusseisernen Stützen) abgeschlossen sind, wagt sich der Verein an das Ziel, die Sanierung der zum Gebäudekomplex gehörenden „Halle I“ mit einer Fläche von 300 m², von der aktuell nicht viel mehr zu sehen ist als die Grundkonstruktion. Seit sieben Jahren sind die intensiven Arbeiten im Gange und Menke findet: „Das Ergebnis ist vorzeigbar und soll anderen Vereinen in Mülheim Mut machen.“