Alte Aufträge und neue Sorgen

Es war ein Paukenschlag, als der russische Präsident Wladimir Putin am 1. Dezember im vergangenen Jahr South Stream für beendet erklärte – das große Pipeline-Projekt, an dem so viele Mülheimer Stahlwerker beteiligt sind. Kurzarbeit im größeren Stil war zu befürchten, das erste Halbjahr verlief aber besser als erwartet. Das heißt aber nicht, dass es keine Probleme und Sorgen gäbe.

Nur wenig Kurzarbeit

Positiv ist, dass die Suspendierung des Auftrags über die noch ausstehenden 150 000 Tonnen Mitte Mai aufgehoben wurde. „Das sichert Arbeit für zwei bis drei Monate“, sagt ein Unternehmenssprecher von der Salzgitter AG, die neben der Dillinger Hütte 50 Prozent an Europipe hält. Mit der Produktion werde demnächst begonnen. Es gelang aber auch, weitere Aufträge aus Russland über 60000 Tonnen zu akquirieren und Aufträge des amerikanischen Werkes zu übernehmen. Und dann gibt es noch einen weiteren Lichtblick: Die Ostseepipeline (North Stream) soll um einen weiteren Rohrstrang erweitert werden. Da die für die ersten Stränge gelieferten Teile aus Mülheim von anerkannt hoher Qualität waren, macht sich Europipe erneut große Hoffnungen, den Zuschlag zu erhalten. Für das zweite Halbjahr sieht es deshalb ganz gut aus bei Europipe. Kurzarbeit gab es daher nur im März komplett und im Juni eine Woche. Auch bei Mannesmann Grobblech wurde vorsichtshalber Kurzarbeit beantragt, wurde aber, wenn überhaupt nur ein paar Tage im Walzwerk in Anspruch genommen, sagt Arbeitsdirektor Ulrich Scholten.

Den Betriebsrat von Europipe haben aber auch Signale der Geschäftsführung erreicht, die überhaupt nicht zuversichtlich stimmen. Es geht darum, die Produktion an die zukünftige Auftragslage anzupassen, wie Betriebsratsvorsitzender Frank Schulz erzählt. Eine deutliche Senkung der Fixpunkte werde angestrebt. Oft heißt das dann Reduzierung der Kosten auf zwei Beinen. Noch stünden keine konkreten Zahlen im Raum, um wie viele Beine die rund 660 Köpfe zählende Belegschaft schrumpfen könnte. „Das macht uns schon Sorgen“, sagt er, auch wenn es das Einvernehmen gibt, Personal stets sozialverträglich abzubauen. Schulz hat die Hoffnung, dass es noch kreativere Lösungen gibt, die Kosten besser in den Griff zu bekommen. Bei Grobblech mit 720 Beschäftigten ist der Restrukturierungsprozess inzwischen gelaufen. Sorgenkind ist hier allenfalls noch das Rohrbiegewerk mit an die 40 Beschäftigten, doch die könnten intern verschoben werden.