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Geschichte

Als Weihnachten ein Alptraum war

23.12.2009 | 20:01 Uhr

Am 24. Dezember 1944 griffen britische Bomber die Flughafensiedlung an.

Weihnachten – das ist nicht überall ein Fest des Friedens. Bei Krieg denken wir heute zum Beispiel an Afghanistan oder den Irak. Vor 65 Jahren fand der Krieg vor der eigenen Haustür statt.

Während sich die Mülheimer auf den Heiligen Abend in einer bereits vom Bombenkrieg gezeichneten Stadt vorbereiten, geben die Sirenen um 14.08 Uhr Luftalarm. Nichts ungewöhnliches im letzten Kriegswinter. Allein im Dezember 1944 werden die Mülheimer 200 mal alarmiert. Seit US-Truppen im Oktober Aachen besetzt haben, ist das Ruhrgebiet zur Front geworden, wird die Stadt wieder verstärkt zum Ziel von Luftangriffen und Tieffliegern. Der Großangriff vom Juni 1943 ist noch in allen Köpfen.

Diesmal steuern 169 britische Bomber den Flughafen Essen-Mülheim an, der 1939 zum Fliegerhorst ausgebaut worden ist. Schon in den Wochen zuvor war der Flughafen immer wieder von Bomben getroffen worden. Damals war das Ziel der alliierten Angriffe aber vor allem die Nachbarstadt Essen Am 24. Detzember 1944 wollen die britischen Bomber vor allem die am Flughafen Essen/Mülheim stationierten Düsenjets vom Typ ME 262 ausschalten. Denn die greifen damals immer wieder in die deutsche Ardennen-Offensive ein. Deshalb sollen sie ausgeschaltet werden.

Um 14.21 Uhr beginnt der Angriff. Innerhalb von zehn Minuten werfen die Piloten der Royal Air Force Sprengbomben und Luftminen mit einer Gesamtlast von 760 Tonnen über der Flughafensiedlung in Raadt ab. Mehr als 200 Soldaten und Zivilisten verlieren ihr Leben.

Besonders tragisch: Eine 1000-Kilo-Bombe trifft einen Hochbunker an der Windmühlenstraße. Die Bombe durchschlägt dessen Betondecke und explodiert erst im Innenraum des Bunkers, in dem etwa 50 Menschen Schutz gesucht haben. Sie haben keine Chance, dem Inferno zu entkommen, und sterben einen qualvollen Tod. Zum Teil werden ganze Familien auf einen Schlag ausgelöscht. Die Druckwellen der Bomben sind so stark, dass auch noch einige Kilometer von der Flughafensiedlung entfernt Fenster zu Bruch gehen und Türen eingedrückt werden.

Glück im Unglück haben die kleinen Patienten, die im Haus Jugendgroschen behandelt werden, das damals als provisorisches Kinderkrankenhaus dient. Es wird am 24. Dezember 1944 von Bomben getroffen und zerstört. Doch die dort untergebrachten Kinder waren während des Luftangriffs in der Nachbarschaft zu einer Weihnachtsfeier eingeladen worden und entgehen so dem sicheren Tod. Sie haben an diesem Heilig-Abend-Tag offensichtlich gleich mehrere Schutzengel.

Ironie und Tragik der Geschichte: Ihr eigentliches Ziel, die deutschen Militärjets treffen die britischen Bomber nicht. Denn diese sind gut getarnt und so für die Piloten unsichtbar in einem Waldstück außerhalb des Flughafens versteckt worden. Der Krieg wird für Mülheim nach diesem verheerenden Luftangriff vom 24. Dezember 1944 noch fast vier Monate dauern. Erst mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen hat der Wahsinn für die Mülheimer am 11. April 1945 ein Ende. Rund 4600 Mülheimer haben im Krieg ihr Leben verloren. 3100 gelten bei Kriegsende als vermisst.

Die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges hinterlassen in Mülheim nicht nur 800 000 Kubikmeter Trümmerschutt, der auf den Straßen lagert, sondern auch viele zerstörte Seelen. Doch acht Jahre nach Kriegsende schließen Mülheim und Darlington Städtefreundschaft und zeigen, dass nicht der Krieg, sondern der Frieden das letzte Wort hat.

Thomas Emons

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Kommentare
27.12.2009
17:34
Als Weihnachten ein Alptraum war
von rasierte_sabine | #18

Bombenterror - war das nicht der offizielle Propagandabegriff der NAZI-Presse zu den Luftangriffen der Aliierten?
Wenn man unter diesem Stichwort googlet, muss man sich nicht wundern, wenn man in ganz braunen Sumpf gerät...

27.12.2009
15:47
Blockierter Kommentar.
von rene.bogdanski | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

27.12.2009
13:38
Als Weihnachten ein Alptraum war
von voltago | #16

Nun, großer Zweifler, - wenn man bei Google Bombenterror eingibt, dann sind die Seiten über die alliierten Bombenabwürfe über Deutschland Legion, dagegen muß man die Berichte über deutschen Bombenterror eher suchen und es bedarf schon ein wenig mehr historisches Wissen und Geschick, da fündig zu werden.
Das bedeutet aber auch, daß dieses Thema, also der Luftkrieg über Deutschland, zu Genüge thematisiert wird. Da befürchte ich schon eher, daß der deutsche fliegerische Beitrag zum zweiten Weltkrieg irgendwie auf der Strecke bleibt. Und genau dagegen muß unbedingt angesteuert werden, damit auch solchen, die immer wieder gerne von Gehirnwäsche, Kadavergehorsam u.ä. gegenüber den alliierten Befreifern schwadronieren, entschieden Stellung bezogen werden kann.
Gruß

27.12.2009
11:30
Blockierter Kommentar.
von scheissnazis | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.12.2009
12:53
Als Weihnachten ein Alptraum war
von großer zweifler | #14

Hitlerdeutschland hat unendliches Leid und Schaden über die Nachbarvölker gebracht.
Hitlerdeutschland hat Kriegsverbrechen begangen.
Keiner leugnet das hier.
Dies wurde und wird immer noch zu Recht aufgearbeitet und sollte der jungen und zukünftigen Generation immer vor Augen stehen.
Nur diese sind dafür nicht verantwortlich.

Aber nicht nur Hitlerdeutschland hat Kriegsverbrechen begangen.
Nur ist es genau so richtig, auch auf Kriegsverbrechen der anderen teilnehmenden Völker (und Siegerstaaten) hinzuweisen und darüber mal nachzudenken.

Es geht nicht um Aufrechnung. Es geht um Nachdenken und Lehren ziehen.

26.12.2009
11:04
Als Weihnachten ein Alptraum war
von voltago | #13

Was vielleicht noch anzufügen wäre,
Wenn die britische Luftwaffe 2000 oder 3000 oder 4000 Kilogramm Bomben wirft, dann werfen wir jetzt in einer Nacht 150 000, 180 000, 230 000, 300 000, 400 000, 1 Million.
Waren des GröFaZ Worte am 4. September, 1940.
Nun, Gerade den Blitzkrieg im Westen zu Ende gebracht, insgesamt Polen, Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien, Luxemburg, und Frankreich unterworfen, sollte es einen nicht wundern, daß des Diktators Worte ernst genommen wurden.
Gruß

26.12.2009
10:55
Als Weihnachten ein Alptraum war
von voltago | #12

Großer Zweifler, dies ist aber unlogisch. denn es wurden ja schließlich entsprechende Lehren aus der Zeit der Nazi-Diktatur und dem mörderischen Angriffskrieg gezogen.
Die Entwicklung des Krieges aber, die selbstentfesselte und nicht mehr zu kontrollierende Dynamik dieses Krieges muß und kann nur aus der Sicht der damaligen Zeit und des Verlaufes gesehen werden; und eben nicht aus einem heutigen Verständnis heraus.
Und im übrigen, Actio gleich Reactio. Hätten die Deutschen nicht Polen überfallen, hätten nicht Frankreich oder England dem Deutschen Reich den Krieg erklärt, die lediglich ihrem Bündnisvertrag nachkamen. Wären die Zivilisten in Guernica nicht durch die Legion Condor bombardiert und ausgemerzt worden, hätten sie nicht ein drastisches Beispiel für die Auswirkungen des Bombenkrieges gegeben.
Außerdem habe ich, und wer lesen kann, sollte dies eigentlich feststellen, mit keinem Wort den Bombenkrieg der Alliierten irgendwie verharmlost oder gut geredet. Aber das scheint so ein Zwangsreflex jener, die hier jetzt Kontra bieten (und dies sind ja keineswegs Einzelfälle) zu sein. Wer nicht Churchill verdammt, muß ja ein Freund desselben sein, und den Bombenkrieg gutheißen.
Dabei müßte man eigentlich vom Verständnis her voraussetzen, daß klar sein müßte, das es niemals einen sauberen Krieg gibt, und das sich jeder die Finger schmutzig macht, wer involviert wird.Sauberkeit gibt es nur im Sandkasten und am Schreibtisch, aber keineswegs im realen Geschehen.
Genau deshalb ist aber auch diese Reaktion von #10 von glaube gar nix sowas von entlarvend und erbärmlich, daß man eigentlich keine weiteren Worte darüber verlieren sollte. Diese angedeutete Aufzählung ist ohnehin dumm, und irrelevant, was soll sie eigentlich bezwecken?
Jetzt die Tatasache, daß diese von mir oben genannten Städte durch die Deutschen bombardiert wurden (und die Aufzählung deutschen Bombenterrors ist mehr als dürftig, denn er war erheblich komplexer, vor allen im Osten, allein in Stalingrad kamen durch deutsche Bombenangriffe schätzungsweise 40000 Menschen ums Leben - wird ja gerne übersehen, denn Stalingrad steht ja ohnehin nur für den Untergang der 6. Armee).
Und übrigens, eines noch. Wer die Antwort, bzw Reaktion auf ein Verbrechen, auf Terror - und das war der Nazi-Deutsche Angriffskrieg, umfassender, gewaltiger, totaler ausführt, - der wird also automatisch zum Verbrecher, zum Terroristen? Der hat sich gefälligst anständig zu benehmen, und seinen Krieg in Maßen durchzuführen?
Vielleicht sollten sich hier mal einige nicht vor der selbstkritischen Antwort wegducken, sondern vielmehr sich dieser mal stellen.
Gruß

26.12.2009
10:44
Als Weihnachten ein Alptraum war
von ich fass es nicht | #11

@ voltago

Wenn jede vorgefallene Menschenrechtsverletzung, egal vom wem und wann begangen und egal mit was und wie sie begründet wird (z.B. Niederwerfung eines Feindes, Befreiung, Ehre, Gerechtigkeit etc), aufgeschrieben würde, dürfte es es kein freies Blatt Papier, keine freie Stelle auf einem Papier und keine Bäume mehr geben.
Gegen die Menschenrechte oder gegen die Mitmenschlichkeit verstoßen immer nur die anderen. Meine eigenen Handlungen sind immer gerechtfertigt und damit gut. Und wenn sie doch mal nicht so sind, gilt der vorstehende Satz, weil der Andere das nicht richtig versteht und würdigt.

26.12.2009
01:10
Blockierter Kommentar.
von udo.michel | #10

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25.12.2009
23:54
Als Weihnachten ein Alptraum war
von stalingrad43 | #9

wenn man heute sieht dass wieder Nazis in Landtage einziehen, dass man es zB als farbiger teilweise alles andere als leicht in Deutschland hat, dass durch konservative Kräfte wieder ein Patriotismus entstehen soll der in meinen Augen nichts anderes als ein Nährboden für nationalismus ist, und es viele Leute gibt die den Holocaust leugnen, Täter mit Opfern gleichstellen und Tatsachen in der Öffentlichkeit verdrehen,......., ja an so einem Ort ist Sir Arthur Harris (Bomber Harris, Dresden)stets willkommen.

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