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Alarm für die Warmduscher

08.01.2010 | 19:02 Uhr
Alarm für die Warmduscher

Mülheim. Die Übung hat geklappt, die Mülheimer Feuerwehr ist für den Ernstfall bestens gerüstet: Bernd Hampel und Steven Voigt springen ins kalte Wasser, wenn unter Passanten auf dem See das Eis bricht. Der Lohn für die Retter: eine warme Dusche.

Obwohl der Tauchanzug dicht auf seiner Haut liegt, trägt Bernd Hampel auch bei frostigen Temperaturen dick auf. „Ich könnte drei Stunden im Wasser bleiben”, sagt der Tauchtruppführer der Mülheimer Feuerwehr und zupft an seiner zweiten Haut, deren inneres Lammfell warm hält. „Aber dann bräuchte ich nach zwei Stunden mal eine warme Dusche.” Ohne Not lässt's sich gut scherzen. Bernd Hampel ist eben aus der eiskalten Ruhr gefischt worden, unten am Wasserbahnhof. Er hat sich aber auch freiwillig in selbige begeben. Damit die Kollegen sehen, wie man auf dem Eis verunglückte Personen rettet.

Bewegen und schnellstens zum Ufer gelangen

Wer's nicht wusste, dachte vermutlich, die Feuerwehr wäre gestern zum Großeinsatz ausgerückt. Rund um die Schleuse standen ein halbes Dutzend Löschzüge und Rettungswagen. „Normalerweise reicht für diese Übung ein Fahrzeug”, sagt Sven Werner, stellvertretender Leiter der Mülheimer Wache. Weil aber alle Kollegen sehen sollten, wie das Gerät funktionieren und Rettungskräfte sowie Opfer gesichert werden, war das gesamte Team auf Achse.

Am Rand warten dann die Rettungskräfte.

So konzentrierten sich gut 20 Berufsfeuerwehrleute auf Steven Voigt. Er ist Bernd Hampels Retter und trägt daher auch einen Neoprenanzug, den er im Einsatzfall während der Fahrt überstülpt. Während sein Kollege also im Wasser herumhampelt, schnappt sich Steven Voigt den Eisretter. So heißt jedenfalls diese Art Luftmatratze, mit der er sich über das zwei, drei Zentimeter dicke Eis robbt. Die Schollen knacken zur Seite weg. Als er Bernd Hampel, also das Opfer erreicht, zieht Steven Voigt ihn auf den Eisretter, woraufhin beide gemeinsam von den Einsatzkräften am Ufer an Land gezogen werden. Gerettet!

Und ganz laut um Hilfe schreien

Auch wenn er selbst noch keine Person aus dem Eis retten musste, bleibt Steven Voigt gerne in Übung. „Gerade Kinder können jetzt schnell einbrechen”, warnt er, „sonst holen wir aber nur Schwäne, tote Tiere oder Ölspuren von der Ruhr.” Dass es im schlimmsten Fall aber auf jede Minute ankommt, weiß Nermin Glogic. „Man wird schnell bewusstlos”, sagt der Feuerwehrmann, der einen Rettungswagen fährt, „maximal in zehn Minuten. Schon nach fünf bis acht Minuten kann man sich nicht mehr richtig bewegen.” Wichtig sei es, in Bewegung zu bleiben, die Eisplatten vor sich zu durchbrechen und zum Rand zu gelangen. „Und”, betont Hampel, „laut um Hilfe schreien!” Er selbst schlägt nun erstmal leise Töne an und setzt sich ins Auto. Bernd Hampel will zurück zur Wache. Und unter die warme Dusche.

Andreas Berten

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