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Ärztehonorare

Ärztestreik droht in Mülheim ab Dienstag

04.09.2012 | 17:52 Uhr
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung droht, Arztpraxen noch im September vorübergehend zu schließen.Foto: dapd

Mülheim.  Nachdem die Verhandlungen über Ärztehonorare vorerst gescheitert sind, droht die Kassenärztliche Bundesvereinigung damit, Arztpraxen noch im September vorübergehend zu schließen. Schon ab Dienstag könnte es in Mülheim zu Praxisschließungen kommen.

Die Verhandlungen über Ärztehonorare sind vorerst gescheitert . Die Kassenärztliche Bundesvereinigung droht, Arztpraxen noch im September vorübergehend zu schließen. Nächsten Montag wollen Mülheimer Ärzte über mögliche Praxisschließungen abstimmen. Droht Mülheim dann eine medizinische Versorgungslücke?

„Aus den Erfahrungen der Vergangenheit gehe ich davon aus, dass es in Mülheim nicht zu Praxisschließungen kommen wird“, sagt Peter Ramme, Vorsitzender der Mülheimer Ärztevereinigung DocNet. Sicheres könne er nicht vor Montagnacht sagen, wenn die 127 niedergelassenen Mülheimer Haus- und Fachärzte von DocNet abgestimmt haben. „Wenn dort die Mehrheit für eine Praxisschließung ist, dann werden sich auch weitere Kollegen oder Kolleginnen solidarisch erklären und ihre Praxen schließen“, sagt Ramme.

Kommentar
Der Ärger der Ärzte
Der Ärger der Ärzte

Auf Kranke kommen womöglich harte Zeiten zu. Die Ärzte drohen mit Streik und geschlossenen Praxen, weil sie bei den Honorarverhandlungen mit den Kassen nahezu leer ausgingen. Die Wut ist groß und zum Teil wohl auch berechtigt.

Viele Arbeitnehmer in Deutschland haben bereits ähnliche Erfahrungen gemacht wie sie derzeit Allgemeinärzte, Internisten oder Psychotherapeuten machen müssen. In schlechten Zeiten sollen sie sich mit kargen Lohnerhöhungen begnügen, damit es bald wieder aufwärts geht. Ist die Krise dann überwunden, bleibt die erhoffte Belohnung durch einen Nachschlag oft aus. So ist der Unmut der Betroffenen durchaus verständlich.

Gleichwohl verstehen die Versicherten den Kampf um Punktwerte und Budgetierung, um die Schuld für ständig steigende Gesundheitskosten und die Diskrepanz zwischen den veröffentlichten Einkünften der Ärzte und den bisweilen lausigen Vergütungen für einzelne Leistungen längst nicht mehr. Das Honorarsystem ist etwa so transparent wie dicker Nebel auf der Autobahn. Es ist Zeit für klare und nachvollziehbare Richtlinien. Nur so lässt sich verhindern, dass diese Art „Tarifverhandlung“ immer wieder auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird. Wolfgang Mulke

Offene Praxen

Alle werden jedoch nicht mitmachen, versichert der Ärztesprecher. Einige Kollegen haben bereits angekündigt, dass ihre Praxen offen bleiben. „Die Praxisklinik Urologie Rhein Ruhr schließt auf keinen Fall“, sagt Dr. Dorothea Stimpel, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung in Mülheim. Bei den Mülheimer Fachärzten sei die Streikbereitschaft insgesamt sehr gering, so Stimpel. Bei ihren Patienten herrsche hingegen Unsicherheit: „Wir haben täglich einige Patienten, die anrufen und fragen, ob die Praxis denn aufhabe oder schon gestreikt wird“, sagt die Medizinerin.

Außerhalb der Praxen scheint die Nachricht über drohende Schließungen noch nicht angekommen zu sein: „Das Wort Streik fiel bei uns noch nicht“, sagt Tanja Schwittay von der Schloß-Apotheke in der Innenstadt. Sorgen, bei einem Ärztestreik kein Rezept und damit auch keine Medikamente mehr zu bekommen, hätten die Apotheken-Kunden nicht.

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Berlin, 03.09.12: Nur 270 Millionen statt der geforderten 3,5 Milliarden Euro – die niedergelassenen Ärzte gehen aus Protest gegen das Schlichtungsergebnis der Honorarverhandlungen auf Konfrontation zu den Krankenkassen und drohen mit Praxis-Streiks.

Andere rechnen schlichtweg nicht mit einem Streik: „Meine Ärztin ist immer für mich da. Die wird nicht streiken“, ist sich Irmgard Schmitzek (80) sicher. Auch Susanne Mettner (52) macht sich keine Sorgen um ihre medizinische Versorgung im Falle von Praxisschließungen: „Ich gehe davon aus, dass ich einen Arzt finde, der nicht streikt“. Was passiert, wenn es doch zu Schließungen kommt?

„Die Notfallversorgung wird gewährleistet“, versichert Stimpel, „in jedem Stadtteil wird es eine Notfallpraxis geben“. Dort würden definitiv nur Notfallpatienten behandelt, andere Termine würden abgesagt. Eine Notfallgebühr falle nicht an, jedoch sollten Patienten ihre Versichertenkarte mitnehmen, rät Stimpel.

Dienst nach Vorschrift

Praxisschließung ist nicht das einzige Droh-Mittel, was die Ärzte für ihren Arbeitskampf diskutieren. „Wir könnten auch Dienst nach Vorschrift machen“, sagt Stimpel. Heißt: Die Sprechzeiten werden auf die Pflichtzeiten reduziert. Anträge, oder ähnliches werden, wie eigentlich vorgesehen, während den Sprechzeiten ausgefüllt und nicht nach Feierabend, wie es viele Kollegen machten. Für die Patienten bedeutet dies, dass sie mit längeren Wartezeiten rechnen müssen. „Allerdings werden wir auch dies vorher ankündigen, damit die Patienten nicht böse überrascht werden“, versichert Stimpel.

Björn Bowinkelmann

Kommentare
05.09.2012
15:12
Ärztestreik droht in Mülheim ab Dienstag
von schnippig | #5

Ich glaube da liegen Sie zu 100% richtig! Es gibt kaum eine Truppe die gelgieriger ist als unsere niedergelassenen Götter in weiss! Bei...
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Ärztestreik droht in Mülheim ab Dienstag
Ärztestreik droht in Mülheim ab Dienstag
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http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/aerztestreik-droht-in-muelheim-ab-dienstag-id7061149.html
2012-09-04 17:52
Mülheim,Ärztestreik,Medizin,Praxen,Geld
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