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Ärztekammer warnt vor akutem Hausarzt-Mangel in Mülheim

25.07.2013 | 17:42 Uhr
Ärztekammer warnt vor akutem Hausarzt-Mangel in Mülheim
Wie viele Patienten schafft ein Arzt? Der Trend geht hin zu Gemeinschaftspraxen, um die Mengen zu bewältigen.Foto: Ilja Hoepping

Mülheim.   Laut der Ärztekammer mangelt es in Mülheim an Hausärzten. Rein rechnerisch kommen auf einen Arzt gut 2100 potenzielle Patienten. In anderen Städten sind es nur knapp 1700. So könne keine adäquate Versorgung der Bürgerinnen und Bürger nach dem Versorgungsstrukturgesetz gewährleistet werden.

Am krassesten fällt der Gegensatz im Norden der Stadt aus: Vier Hausärzte stehen in Styrum rund 16.000 potenziellen Patienten gegenüber. Kaum zu bewältigen, meint die Ärztekammer. Besserung, so der Vorsitzende in Mülheim, Uwe Brock, ist auch nicht in Sicht.

Und überhaupt hält er Mülheim wie das gesamte mittlere Ruhrgebiet gegenüber anderen Großstädten und ländlichen Regionen in der Hausarzt-Versorgung stark benachteiligt: „Hier müssen sich deutlich mehr Menschen einen Hausarzt teilen als etwa in Düsseldorf oder Köln“, sagt Brock und „die Patienten zahlen überall die gleichen Beiträge“.

Das Versorgungsstrukturgesetz regelt, wo und wie viele Haus- oder Fachärzte sich niederlassen dürfen, und soll verhindern, dass Patienten unversorgt sind. Die Politik unter Mitwirkung der Kassen und der Kassenärztlichen Vereinigungen arbeiten das aus, jetzt wieder. Doch für das Ruhrgebiet, so Brock, seien die alten Quoten zementiert worden. Dabei hätte gerade diese Region einen besseren Schlüssel verdient, betont der Mediziner und verweist auf die Geschichte der Region, in der Menschen über Jahrzehnte in der Schwerindustrie gearbeitet haben: „Die Krankheitshäufigkeit fällt hier größer aus als anderswo“, sagt Brock. Hinzu kommt: Je mehr Patienten ein Arzt behandelt, desto schlechter wird er ab einer bestimmten Anzahl letztlich auf den Einzelfall bezogen bezahlt.

Wege für Patienten werden weiter

Auf einen Hausarzt kommen in Mülheim aktuell rein rechnerisch 2134 Bürger oder potenzielle Patienten. Das ist spürbar mehr als in anderen Städten oder Regionen, wo es nur 1671 Bürger sind, wie Bärbel Brünger, Sprecherin der Ersatzkassen in NRW erklärt. Allerdings sieht sie die Patienten in Mülheim und im mittleren Ruhrgebiet nicht schlechter versorgt: „Wir haben dort eine viel größere Facharztdichte und mehr Krankenhäuser in schnell erreichbarer Entfernung als anderswo“. Daten der Krankenkassen zeigten zudem, dass viele Patienten ohnehin direkt zum Facharzt gingen. Und: Jeder Hausarzt behandele nach den Kassen-Daten übers Jahr gesehen im Schnitt tatsächlich 4574 Patienten, der Landesschnitt liege nur gering darüber.

Für Fachärzte , kontert Brock, seien jedoch die Bereiche größer geworden, heißt: Der Weg des Patienten wird auch weiter. Die Ärztekammer am Ort hätte es gerne gesehen, wenn auch Mülheim-- wie anderswo geschehen – in kleinräumigere Plangebiete für die Ärztezuteilung gegliedert worden wäre: Nord, Süd, Stadtmitte, so Brock, wäre eine Chance gewesen, um eine gerechtere Hausarztverteilung hinzubekommen. Doch Mülheim wird weiterhin als ein Plangebiet behandelt, heißt: Die Schere zwischen Nord und Süd bleibt.

Andreas Heinrich



Kommentare
27.07.2013
18:19
tja...
von Edelhartzer | #3

und Hartzer dürfen nicht studieren. So ist das. In der Zeit, die ich jetzt H4 kassiere, hätte ich schon Arzt werden können und in Mülheim aushelfen. Aber man will nicht wirklich mehr Ärtze, man will nur Akademiker, aus "guten" Schichten, wo Papi das Studium bezahlt.

2 Antworten
Ärztekammer warnt vor akutem Hausarzt-Mangel in Mülheim
von xxyz | #3-1

Einfach mal Einschreiben, ist gar nicht so schwer und kostet fast nichts

Ärztekammer warnt vor akutem Hausarzt-Mangel in Mülheim
von denkstewohl | #3-2

Was für ein Unsinn!

Ich kenne mehrere Ärzte, die "weniger wohlhabenden" Verhältnissen entstammen und sich ihr Studium erarbeitet haben - das hat was mit
- Intelligenz,
- Eignung und
- Willenskraft bzw. Durchhaltevermögen
zu tun.

Woran hat es denn bei Ihnen gefehlt?

Vielleicht machen Sie sich mal darüber Gedanken anstatt von der Klassenungerechtigkeit zu schwadronieren und der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen.

27.07.2013
16:52
Ärztekammer warnt vor akutem Hausarzt-Mangel in Mülheim
von mKasperski | #2

Die meisten Hausärzte/Fachärzte schließen Mittwochs und Freitags gegen 13.00 Uhr ihre Praxis.

Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Ärzte pro Einwohner wie in Deutschland Trotzdem gibt es hier angeblich zu wenig Hausärzte und Fachärzte. Vielleicht würde es etwas nutzen wenn die Ärzte auch wie der Rest der arbeitenden Bevölkerung auch Mittwochs und Freitags ganztags arbeiten würden. Den Notdienst für niedergelassene Ärzte wie früher gibt es ja auch nicht mehr.

27.07.2013
13:01
Ärztekammer warnt vor akutem Hausarzt-Mangel in Mülheim
von xxyz | #1

Es häufen sich die Schlagzeilen, die man früher eher aus der Dritten Welt kannte bzgl. der medizinischen Versorgung. Hierbei fällt es auf, dass meistens die nördlichen Stadtteile betroffen sind.

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