Abenteuer Einwandern
12.12.2011 | 19:02 Uhr 2011-12-12T19:02:00+0100
Mülheim.Dackel Dagobert friert noch etwas. So ganz hat sich der Hund noch nicht an die kalten Temperaturen in Deutschland gewöhnt. Denn erst im Mai ist er mit Frauchen Carina Auler und Herrchen Mike Dorman von Tuscon, Arizona (USA), nach Mülheim umgezogen. Während viele deutsche Auswanderer ihr Glück im Ausland suchen, haben die beiden Einwanderer ihres in Deutschland gefunden.
Fünf Jahre lang hat Carina Auler, die in Oberhausen aufwuchs, in Amerika gelebt und gearbeitet. „Im Rahmen meiner Doktorarbeit habe ich zunächst in San Diego gelebt, dann bin ich nach Tuscon in Arizona umgezogen“, sagt die Psychologin. Sie gewann eine von 50000 Green Cards, die in den USA jährlich verlost werden. Die Stadt Tuscon, ihre Menschen und vor allem das warme Klima haben Carina auf Anhieb gefallen. „Tuscon ist für mich zur zweiten Heimat geworden.“ Bei einer Fortbildung zur Sportpsychologin lernte sie Mike kennen, der als Lehrer benachteiligte Jugendliche unterrichtete. „Nach einem Dreivierteljahr sind wir dann zusammen gezogen.“ Zweieinhalb Jahre sind die beiden nun ein Paar.
Nach einiger Zeit in den USA stand für Carina fest, dass sie gerne wieder in der Nähe ihrer Eltern wohnen möchte, die in Oberhausen leben. Also ging es zurück Richtung Ruhrgebiet. Mike fiel die Entscheidung, mit nach Deutschland auszuwandern, leicht. „Ich mag die direkte Art der Leute hier“, sagt er.
Und meint: „Die Deutschen sind so logisch.“ Ohnehin sei die Mentalität der Menschen sehr verschieden. „Amerikaner sind offener und trauen sich, Veränderungen einzugehen – sie sind mutiger“, hat Carina beobachtet. Ein bisschen Wehmut ist dabei, wenn sie von Tuscon erzählt. „Ich vermisse die Natur, das Leben findet dort mehr draußen statt.“ Doch sie sei auch froh, wieder hier zu sein – das Dilemma der zwei Heimaten. Aber: „Ich fühle mich dort zu Hause, wo Menschen sind, die ich liebe.“
Leben am Fluss
Am Kassenberg, direkt an der Ruhr haben sich die beiden mittlerweile ihre eigene Wohnung eingerichtet. Bis dahin war es ein langer Weg. „Wir hatten eine Menge Behördengänge zu erledigen.“ Aufenthaltsgenehmigung, Versicherungen, Telefonanschluss, Autokauf – die beiden Einwanderer verbrachten viel Zeit auf deutschen Ämtern. „Amerika ist da eindeutig serviceorientierter“, lachen sie.
Hier finden Sie die Serien der WAZ-Lokalredaktion in der Übersicht, zum Beispiel alle "Gesichter des Jahres" und "Menschen in Mülheim".
Dem Amerikaner Mike fällt es nicht schwer, sich einzuleben. Vor allem das Leben am Fluss gefalle ihm. „Ich bin mit dem Rad an der Ruhr schon bis nach Kettwig gefahren“, erzählt der 31-Jährige. Auch wenn er Freunde und Familie vermisse, er mag das grüne Gras, die Deutschen, ihren Fußball, ihre Sprache. Einige Deutschstunden hatte er bereits in Amerika gebucht, hier geht es weiter mit dem Lernen.
Viel zu entdecken
Praktisch: Carinas Mutter ist ehemalige Deutschlehrerin und paukte mit Mike Vokabeln und Grammatik. In Mülheim gibt der Amerikaner nun als freiberuflicher Englischlehrer Unterricht in Sprachschulen. Außerdem schreibt er gerade an einem Roman. „Ich kann mir meine Zeit frei einteilen, das ist schön.“ Auch Carina baut eine neue Existenz auf, muss sich als freiberufliche Psychologin einarbeiten, Netzwerke knüpfen. Sie arbeitet mit einem therapeutischen Programm aus Amerika, das jungen Erwachsenen bei ihren Suchtproblemen hilft. An vielen weiteren Projekten ist sie beteiligt, arbeitet mit der Drogenberatung zusammen, betreut Familien, Jugendliche und schreibt ebenfalls an einem Buch.
Während Carina ihre alte neue Heimat wiederentdeckt, ist Mike auf dem besten Weg, ganz anzukommen. Aber es bleibt noch viel Neues zu entdecken. „Jeder Tag ist ein kleines Abenteuer.“

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