A40 wird am Freitag für Bombenentschärfung in Mülheim gesperrt

15.000 Mülheimer sind von der Bombenentschärfung in Mülheim am Freitag betroffen. Bei Vorbereitungen für den Ausbau der Kita am Schildberg wurde eine Zehn-Zentner-Bombe gefunden. Grafik: Stadt Mülheim
15.000 Mülheimer sind von der Bombenentschärfung in Mülheim am Freitag betroffen. Bei Vorbereitungen für den Ausbau der Kita am Schildberg wurde eine Zehn-Zentner-Bombe gefunden. Grafik: Stadt Mülheim
Was wir bereits wissen
Am Freitag herrscht in Mülheim Ausnahmezustand: Bei Bauarbeiten in Dümpten ist eine Zehn-Zehnter-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Am Freitagvormittag soll sie entschärft werden. 15.000 Mülheimer sind betroffen. An acht Schulen fällt der Unterricht aus, die A40 wird ab 10.30 Uhr gesperrt.

Mülheim.. Am Freitag steht Dümpten still: Bei Vorbereitungen zu Bauarbeiten hat die Stadt in der Nähe des Schildbergs eine Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Freitag ab 11 Uhr entschärft ein Experte des Düsseldorfer Kampfmittelbeseitigungsdienstes die amerikanische Fliegerbombe (wir berichten am Freitagmorgen im Live-Ticker). Dafür muss der Bereich rund um den Schildberg großräumig evakuiert und luftschutzsicher gemacht werden. Insgesamt sind fast 15.000 Personen und 7500 Haushalte betroffen.

Etwa 3500 Personen aus der inneren Evakuierungszone müssen von 9 bis ca. 12 Uhr ihre Wohnungen beziehungsweise Arbeitsplätze verlassen. Betroffen sind Anwohner, die im 500 Meter Radius wohnen, etwa an den Straßen Schildberg oder Denkhauser Höfe. In der äußeren Zone, der sich zwischen Mühlenstraße, Voßkuhle, Borbecker- und Mellinghofer Straße erstreckt, werden die Bewohner angewiesen, sich luftschutzsicher zu verhalten, sprich: sich in geschlossenen Räumen und nicht in der Nähe von Fenstern aufzuhalten.

Denn: „Im Ernstfall könnten die Splitter bis zu 1000 Meter weit fliegen“, erklärt Stadtdirektor Frank Steinfort, der zusammen mit Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr auf einer eilig einberaumten Pressekonferenz in der Hauptfeuerwache über den Großeinsatz informiert.

A 40 zwischen Winkhausen und Styrum gesperrt

Bombenentschärfungen kommen alle Jahre wieder vor, solche Ausmaße nehmen sie jedoch selten an. „Meistens handelt es sich um Fünf-Zentner-Bomben“, weiß Wolfgang Fischer im Ordnungsamt, zuständig für die Gefahrenabwehr. Dies sei ein anderes Kaliber – dementsprechend müsse nun reagiert werden.

Neben acht Schulen, in denen der Unterricht am Freitag ausfällt, muss zudem das Seniorenheim Auf dem Bruch evakuiert werden. Auch die Autobahn 40 zwischen Winkhausen und Styrum wird gesperrt – von etwa 10.30 bis 12 Uhr.

Straßensperren

Rund um den äußeren Ring sperrt die Polizei die Straßen für den Verkehr und fährt zusammen mit dem Ordnungsamt durch die Straßen, um die Menschen über Lautsprecher zu informieren. Was, wenn sich Leute weigern, ihre Wohnungen zu verlassen? „Das ist bei der letzten Sprengung in den 90er Jahren zweimal der Fall gewesen“, erinnert sich Wolfgang Fischer. „Dann werden Polizei und Ordnungsamt entsprechende Maßnahmen ergreifen.“

Blindgänger Entdeckt wurde die Bombe bei Vorbereitungen zu Ausbauarbeiten an der Kita am Schildberg. „Beim Auswerten von Luftbildern hat man einen metallischen Gegenstand entdeckt.“ 32 Bohrungen wurden gesetzt, mit Sonden haben die Experten gemessen und stießen in 3,50 Metern Tiefe auf ein verdächtiges Objekt. „250 Kilo Sprengstoff und 250 Kilo Stahlummantelung“, beschreibt Fischer die Fliegerbombe.

Die letzte Zehn-Zenter-Bombe wurde Anfang der Neunziger Jahre am Horbachweg in der Nähe des Tierheims gefunden. Im Januar und im Oktober 2008 wurden zwei Fünf-Zentner-Bomben am Hingberg und am Sunderplatz entschärft. Wer zahlt die Großaktion? „Die reine Entschärfung wird vom Land bezahlt, Kosten für alle vorbereitenden Maßnahmen sowie die Wiederherstellung trägt die Kommune“, weiß Fischer. Aus welchem Jahr und von welchem Angriff der Sprengkörper genau stammt, wird man erst bestimmen können, wenn der Verzögerungszünder entschärft wurde – und die Bombe sicher aus der Erde gehoben werden kann.

Die Fakten zur Bombenentschärfung in Mülheim am Freitag

Das Seniorenheim

„Wir helfen, die 120 Bewohner des Seniorenheims Auf dem Bruch zu evakuieren“, erklärt Feuerwehrchef Burkhard Klein. Darunter befinden sich 19 bettlägerige Personen, die liegend transportiert werden müssen sowie 24 Rollstuhlfahrer. Unterstützt werden Berufs- und Freiwillige Feuerwehr von DRK, Malteser, Johanniter. „Trotzdem“, gibt Klein zu, „bleibt es eine logistische Herausforderung für uns.“ Da der Gefahren-Radius so groß sei, wisse die Feuerwehr nicht, wer in diesem Gebiet sonst noch auf Hilfe bei der Evakuierung angewiesen sei. „Das fragen wir zurzeit über die Pflegedienste ab.“

Die Evakuierung

Etwa 3500 Personen müssen von 9 bis voraussichtlich 12 Uhr aus der Evakuierungszone. Betroffen sind Wohnungen oder Arbeitsplätze, die im 500 Meter Radius liegen. Auch im äußeren Sicherheitskreis darf sich zur Zeit der Entschärfung keiner im Freien aufhalten. Die Senioren aus dem Heim und alle anderen Menschen, die nicht wissen, wohin, werden in der Sporthalle der Gustav-Heinemann-Gesamtschule, Boverstraße, untergebracht. „Dorthin pendeln auch Busse“, weiß Wolfgang Fischer vom Ordnungsamt. „Von 8 bis 9 Uhr fahren sie ab der Haltestelle St. Barbara Kirche.“

Um möglichst viele Anwohner vorab zu informieren, hat der Zentrale Außendienst des Ordnungsamtes bereits am Mittwoch angefangen, rote Handzettel mit Anweisungen in den Firmen und Haushalten zu verteilen. Betroffene, die es nicht aus eigener Kraft schaffen, ihre Wohnungen zu verlassen, können sich ab dem heutigen Donnerstag, 10 Uhr, an die Hotline der Feuerwehr wenden: 455 22.

Eine Leitstelle der Beteiligten, darunter Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr, das Amt für Kinder, Jugend und Schule, THW oder die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG), wird auf dem Hof der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft eingerichtet. Von dort aus wird der Einsatz koordiniert.

Der Verkehr

Die Polizei errichtet ab 9 Uhr rund 40 Sperrpunkte an den Straßen der äußeren Evakuierungszone. Die angrenzende A40 wird ab 10.30 Uhr zwischen Mülheim-Winkhausen und Styrum in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Je nach Dauer der Entschärfung, die um 11 Uhr beginnt, voraussichtlich bis 12 Uhr.

Auch der Öffentliche Nahverkehr ist betroffen. Die Linien 102, 124, 129, 133 und 136 können für die Dauer der Sperrung zahlreiche Haltestellen nicht anfahren:

  • Linie 102: Die Haltestellen Zehntweg, Gathestraße, Auf dem Bruch, Dümpten Friedhof, Talstraße und Oberdümpten.
  • Linie 124: Sellerbeckstraße, Heidkamp, Damaschkeweg, Dümpten Friedhof, Katharinenstraße, Barbarakirche, Heiermannstraße und Wehrstraße.
  • Linie 129: Schule Nordstraße, Sellerbeckstraße, Gathestraße und Heifeskamp.
  • Linie 133 (fährt nur bis Hauptbahnhof): Hbf-Nordeingang, Heißener Straße, Seilerstraße, Josefstraße, Zinkhüttenstraße, Mühlenstraße, Schuckertstraße, Springweg, Sellerbeckstraße, Heidkamp.
  • Linie 136: Frintroper Straße, Damaschkeweg, Dümpten Friedhof, Katharinenstraße, Agnesstraße, Barbarakirche, Mariannenweg, Grüner Weg und Magdalenenstraße.

Die Kitas und Schulen

Sechs Kindertagesstätten bleiben am Freitag geschlossen: „Der katholische Kindergarten Talstraße, die Kindergärten am Schildberg, Denkhauser Höfe, Sellerbeckstraße sowie Nordstraße Nummer 90 und 95“, zählt Stadtsprecher Volker Wiebels auf. Und beruhigt Eltern: „Der Notdienst in anderen Kitas ist sichergestellt.“

Über ein langes Wochenende können sich die Schüler von acht Schulen freuen. Geschlossen bleiben die Schildbergschule, GGS Barbarastraße, Schule am Hexbachtal, GGS Gathestraße, Gustav-Heinemann-Gesamtschule, Wilhelm-Busch-Schule, Erich-Kästner-Schule sowie die Peter Härtling Schule.

Info: www.muelheim-ruhr.de