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Nahverkehr : Pendler werfen Mülheimer Verkehrsgesellschaft Ignoranz vor

Mülheim, 06.10.2009, Daniela Braun

Die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) erfasst Verzögerungen erst ab der zehnten Minute. Das bedeutet im Klartext: Verkehrsmittel, die zu bestimmten Tageszeiten im Zehn-Minuten-Takt fahren, können ganz ausfallen, ohne die MVG dies überhaupt registriert.

Egal ob U-Bahn, Bus oder Straßenbahn: „Es gibt keine regelmäßigen Verspätungen.” Gleich mehrfach hat dies der Sprecher der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG), Jens Kloth, kürzlich gegenüber der NRZ betont. Und falls doch mal ein Bus unpünktlich sei, gebe es ja Lautsprecherdurchsagen. „Wie bitte?”, empörten sich da eine ganze Reihe von Lesern. Über 30 von ihnen haben ihrem Ärger in Kommentaren und Zuschriften an die Redaktion Luft gemacht.

Verspätungen: Wo denn?

Nun hat die NRZ eine offizielle Erklärung dafür gefunden, warum Herr Müller an der Haltestelle das berechtigte Gefühl hat, dass die Bahn ausfällt, die MVG aber sagt: 'Was denn? Die Bahn ist doch pünktlich!' Und diese Erklärung lautet: Verspätet sind Bus und Bahn nach einer Definition der MVG erst, wenn sie über zehn Minuten zu spät kommen.

Das bedeutet im Klartext: Verkehrsmittel, die wie die U-Bahn, die Straßenbahnlinien 104 und 112 sowie zu bestimmten Tageszeiten die Buslinie 135 im Zehn-Minuten-Takt fahren, können ausfallen, ohne dass dies bei der MVG als Verspätung durchgeht. Was hinzukommt: Außer bei Tunnelfahrten (U 18, 102, 901) muss der Fahrer seine eigenen Verspätungen der Leitstelle selbst melden, sonst gibt es offiziell keine Verspätung und damit auch keine Ansage an den Haltestellen. Eine zentrale Fahrzeugerfassung ist laut Kloth erst für die nächsten Jahre geplant. Das alles schönt die Statistik.

Ignoranz gegenüber Kunden

Der Ärger der Pendler aber bleibt. Von Totalausfällen, verfehlten Ampelschaltungen und Ignoranz gegenüber den Kunden ist im Internetforum der NRZ die Rede. „Wenn die Bahn morgens pünktlich ist, nehme ich dies mittlerweile mit Verwunderung zur Kenntnis”, schreibt Mark Harris. Der Nutzer Ulf Reese formuliert seine Ohnmacht so: „Statt Fahrplänen sollte die MVG Schilder aufhängen: 'Kommen Sie, wann Sie wollen, wir fahren, wann wir wollen.'” Mehrere Leser sogar gedroht, ihr Abo-Ticket aus Unpünktlichkeitsfrust zu kündigen und wieder aufs Auto oder Fahrrad umzusteigen.

Frust. Dafür sorgen anscheinend nicht nur die Verspätungen. Es sind auch die Anzeigentafeln an der zentralen Haltestelle, welche die Pendler seit mehreren Monaten lediglich dazu auffordern, auf Wagenbeschilderungen und Lautsprecherdurchsagen zu achten. Und es sind eben diese Lautsprecher, aus denen so gut wie keine Ansagen kommen.

Anzeigen im Testbetrieb

Zur Zeit laufen die Anzeigen für die Linien 901, 102 und U 18 an der Haltestelle Hauptbahnhof im Testbetrieb. Gegen Ende November, so Kloth, sollen die Anzeigen auch an den anderen Haltestellen zumindest den Soll-Fahrplan anzeigen, erst Ende Dezember gibt es dann den Ist-Fahrplan, also die Zeitangaben, wann die Fahrzeuge tatsächlich eintreffen. Der verzögerte Startschuss habe, so Kloth, mit dem Hersteller zu tun.

Neben den nichtssagenden Anzeigen ärgern sich zahlreiche Leser über häufig defekte Rolltreppen, vor allem an den unterirdischen Haltestellen Hauptbahnhof und Stadtmitte, Ausgang Löhberg. Grundsätzlich wird die Technik zwischen 22 und 7 Uhr ausgeschaltet, um die Anwohner nicht zu stören. Darüber hinaus kommt es derzeit laut Kloth zu „Störungsauffälligkeiten”. Daran arbeite die MVG. In Sachen Rolltreppe an der U-Bahnstation kündigt Kloth an: „Es ist eine aufwändige Sanierung erforderlich, die voraussichtlich Im Oktober abgeschlossen wird.”

Beschriftung: 104 oder 110?

Mit Störungen bei den Rolltreppen nicht genug. Probleme gibt es auch bei der Fahrzeugbeschriftung. Manche Straßenbahnen geben sich vorne als Linie 110 aus, an der Seite als 104. Anderen fehlt jegliche Kennzeichnung. Schuld sind laut Kloth gerissene Rollbänder. Die seien nach Lieferschwierigkeit zwar mittlerweile ersetzt. „Es treten aber weiter Störungen an der alten Technik auf.” So liegen die Zieltafeln vorerst hinter der Windschutzscheibe. Ulf Reese dazu ironisch im Internetforum: „Na ja, zur Not kann man ja fragen, oder?”

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Nachrichten, 06.10.2009, DerWesten

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