71-Jährige vermutet Kinder in Not

Eine kuriose Geschichte hat Leserin Christa Dörr zu berichten. Mit dieser wolle sie an alle Menschen appellieren, nicht wegzuschauen, sondern einzugreifen, wenn einem etwas komisch vorkommt.

Als die 71-Jährige in der vergangenen Woche mit ihrem Golden Retriever an der Hansastraße in Speldorf spazieren geht, trifft sie ein etwa acht Jahre altes Mädchen mit einem Kinderwagen, in dem ihr etwa sieben Monate alter Bruder liegt. „Die Kinder waren schmutzig und machten einen verwahrlosten Eindruck auf mich“, berichtet Christa Dörr. „Durch meinen Hund kamen wir ins Gespräch.“

Sie brachte das Mädchen dazu, ihr einiges über sich zu erzählen. „Sie sagte, dass ihre Eltern verreist seien und sie für ihren kleinen Bruder sorgen müsse“, sagt Dörr. „Sie müsse alles alleine machen, und dass sie keine Großeltern oder Verwandte haben.“ Christa Dörr wurde aufmerksam und erfragte noch den Namen und die Adresse der Kinder, bevor diese wieder weiterzogen. „Zuhause rief ich dann das Jugendamt an.“ Um halb sechs ging dort jedoch nur noch der Anrufbeantworter an. Also rief sie schließlich die Polizei zu Hilfe.

Eine Streife fuhr die Adresse der Kinder in Speldorf an, wo jedoch niemand öffnete. Christa Dörr setzte sich schließlich selbst ins Auto und half mit bei der Suche nach den Kindern. „Die gingen mir nicht mehr aus dem Kopf.“ Wenig später traf sie dann auf die Eltern, die gerade in ihrem Wagen angefahren kamen – hinten drin die Kinder. „Im Auto hatte die Kleine mich schon erkannt und zu ihrem Papa gesagt ‘egal was jetzt passiert, ich hab dich lieb“, berichtet Christa Dörr. Als die Eltern von der Geschichte hörten, seien sie entsetzt gewesen und fuhren sofort zur Aufklärung der Sache zur Polizeiwache. „Die Kleine hat mich mit ihrer überdurchschnittlichen Fantasie hereingelegt“, sagt Christa Dörr. „Es hätte aber auch anders kommen können.“ Am Abend meldeten sich die Eltern noch einmal bei Christa Dörr und bedankten sich für ihre Aufmerksamkeit. „Es hätte ja auch anders ausgehen können.“

Auch die Polizei lobt ihren Einsatz. Am besten sei es, wenn man die Kinder im Auge behält und mit ihnen auf die Polizei wartet. In Fällen, bei denen der Verdacht auf Vernachlässigung der Kinder besteht, schicke die Polizei stets einen Bericht ans Jugendamt, erklärt Tanja Hagelücken. In diesem Fall habe es jedoch keine Veranlassung gegeben. „Im Zweifel ist es aber immer richtig, die Beamten zu kontaktieren, da sie schnell vor Ort sind und entsprechend reagieren können.“