600 junge Pfadfinder campieren komfortabel im Witthausbusch

Beim Landespfingstlager der Pfadfinder trafen sich am Wochenende Jugendliche aus ganz NRW im Witthausbusch.
Beim Landespfingstlager der Pfadfinder trafen sich am Wochenende Jugendliche aus ganz NRW im Witthausbusch.
Foto: FUNKE Foto Services
Komfortables Zeltlager mit 600 Naturcampern aus ganz NRW im Witthausbusch. Jugendorganisation setzt auf Ausbildung, soziale Kompetenz, Spiel und Spaß.

Mülheim.. Der „gute alte“ Donnerbalken hat hier längst ausgedient, und wer glaubt, dass Pfadfinder sich morgens im eiskalten Bach waschen, Feuer mit Stöckchen und Spänen machen und sich anschließend von wilden Beeren ernähren, ist offenbar von vorgestern. Denn im Landespfingstlager der Pfadfinder gibt es Dixieklos, das Wasser fließt aus dem Hahn, man klönt im eigenen Café, und sogar die Baumstämme für die Zelte haben die rund 600 Naturcamper in den Witthausbusch mitgebracht.

Komfortabel leben heutzutage Wölflinge und Ranger – wie die Ränge für junge und ältere Pfadfinder heißen. „Wir sind die modernste Jugendorganisation“, behauptet Ralph Jakubowski, stellvertretender Leiter im Camp, ganz selbstbewusst. Und das ist nicht in erster Linie auf die Ausstattung gemünzt, sondern auf die gesellschaftliche Ausrichtung: „Wir bilden die Mitglieder handwerklich aus, schulen sie in der Organisation von Gruppen, und vermitteln soziale Kompetenzen.

Kontrabass kommt beim Wandern nicht mit

Wir sind koedukativ, inklusiv und integrativ. Die Vorstellung von Pfadfindern, die Omas über die Straße helfen und Kekse verkaufen, ist völlig überholt“, sagt Jakubowski nicht ohne ein feines Lächeln darüber, dass sich Klischees hartnäckig halten.

Vier Tage lang – bis Pfingstmontag – sind die 25 Stämme aus NRW zusammen, um zu spielen, zu klönen, und ja: auch um gemeinsam am Lagerfeuer zu singen. Statt der „Klampfe“ hat Lea übrigens einen echten Kontrabass dabei. „Den haben wir gestiftet bekommen, deshalb nehmen wir den natürlich mit“, meint die Rangerin. Okay, räumt sie angesichts des üppigen Instruments augenzwinkernd ein, „wenn wir wandern gehen, bleibt der im Zelt“.

Pfadfinder hinterlassen immer Spuren

Wie sich die deutschen Pfadfinder weiter entwickelt haben, weiß wohl Hans Grigull, Jahrgang 1940, am besten. Seit 1957 ist er dabei, hat alle Ebenen der Organisation bis auf Landesebene mitgemacht, und sorgt heute für die Sicherheit im Pfingstcamp, „denn ich finde, Rentner sollten den Jugendlichen nicht sagen, wo’s lang geht, das sollen die Jüngeren tun“. Sein Wissen aber bringt er nach wie vor ein.

Von Anfang an hat ihn die Pfadfinderei fasziniert, „die Werte und das Lebensprinzip, dass wir immer Spuren hinterlassen. Es liegt nur an uns, welche das sind.“ Vertrauen und Gemeinschaft sind für Grigull unverändert ein wichtiger Teil des Pfadfindertums: Mit wohliger Gänsehaut erinnert er sich noch heute an sein Erlebnis in der kanadischen Prärie 1987, „als 15.000 Pfadfinder aus aller Welt gemeinsam ‘Auld lang syne’ (Anmerk. d. Red.: ‘Nehmt Abschied Brüder’) gesungen haben.“