39-Jähriger will Bunker in Mülheim zum Familienheim umbauen

Das soll das Wohnzimmer werden: Bunkermann Andreas Krasicki hat noch alle Hände voll zu tun.
Das soll das Wohnzimmer werden: Bunkermann Andreas Krasicki hat noch alle Hände voll zu tun.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Was wir bereits wissen
Als Bunker-Mann aus Heißen machte Andreas Krasicki im Jahr 2009 Schlagzeilen. Damals durfte er aus Sicherheitsgründen nicht weiter in dem ausgedienten Post-Bunker wohnen bleiben. Inzwischen hat er allerlei behördliche Hürden genommen und plant seinen Wiedereinzug für Ende des Jahres.

Mülheim.. Dass die Baumarkt-Werbung Andreas Krasicki noch nicht entdeckt hat, eigentlich ein Wunder. Mach es zu deinem Projekt, heißt es da ja so auffordernd. Andreas Krasicki, 39 Jahre alt, hat es sich zum Projekt seines Lebens gemacht: Nach allerlei behördlichen Hürden, die es zu nehmen galt, baut er am Ende der Hardenbergstraße in Heißen endlich an seinem Zuhause. Nicht irgendein Zuhause. Krasicki schneidet mit schwerstem Gerät noch schwerere Blöcke aus Bunkerwänden.

Dicke Bretter bohren, das kennt man. Auch Krasicki. Der gebürtige Oberhausener träumte einst von einem Holzhaus im Sauerland, da stieß er im Internet auf den unterirdischen Bunker, von dessen Existenz nicht mal alle Nachbarn wussten. 1968 war er erbaut worden. Vorkehrungen zu Zeiten des Kalten Krieges. Für den Ernstfall. In Heißen entstanden unterirdische 300 m2 Bunkerbau für die Post. Im Schutzfall sollte von hier aus die Telekommunikation aufrecht erhalten werden.

Krasicki verliebte sich in den Gedanken, inmitten des Ruhrgebietes zu wohnen, unter Tage, wie passend. Der Sachverständige für Abscheidetechnik schlug zu, zahlte 40.000 Euro für das Bauwerk. Das üppige technische Inventar flog raus. Er kaufte eine Betonsäge für den Innenausbau, investierte in eine Fäkalienhebeanlage, in die Elektroinstallation, in einen Kamin. Und zog ein. Die achtjährige Tochter aus erster Ehe hatte „viel Platz zum Spielen“.

"Wir werden auch so glücklich"

Nur der Rauch aus der Kaminanlage verriet die Existenz des Bunkermannes aus Heißen. Nachbarn beschwerten sich bei der Stadt wegen Rauchbelästigung. Die Stadt stellte fest: Das Ortsrecht ließ gar keine Wohnnutzung des Bunkers zu. Ende 2008 musste Krasicki ausziehen. Architektenpläne, die er vorlegte, akzeptierte die Stadt nicht. Das Gebäude verfügte schließlich aktuell nicht über einen zweiten Rettungsweg und Fenster.

Die Politik griff den Fall auf. Nutzungsänderung: Wenn Krasicki nach Recht und Gesetz umbaut, sollte er nach Fertigstellung wieder einziehen dürfen. Ende März 2011 erteilte die Stadt die Baugenehmigung. Seither hat Krasicki das unterirdische Betonmonstrum an zwei Seiten freigelegt, hier sollen künftig sechs Öffnungen, jeweils zweieinhalb mal zweieinhalb Meter groß, für Licht- und Luftzufuhr sorgen. Zudem sind zehn Oberlichter als Deckeneinbau geplant.

Die dicken Bretter sind gebohrt, seit September ist dicker Beton zu zerschneiden. 10.000 Euro hat Krasicki in schweres Gerät investiert. Das diamantbesetzte Schneideblatt der ersten Maschine ließ sich nur per Hand in die Wände kurbeln. Sisyphos-Arbeit. Es dauerte Stunden, ja Tage, um vier Schnitte zu setzen, damit gut ein Quadratmeter Wand brachial zu Boden stürzte. Es knarzte, die Maschine eierte. Mühselig! Krasicki zitiert seine Lebensgefährtin, mit der er seit einem Jahr eine Tochter hat: „Wenn du meinst, lass das Projekt bleiben. Wir werden auch so glücklich.“

75 Minuten für einen Längsschnitt

Doch es blieb das „Wahnsinnsprojekt“ des 39-Jährigen. Bei Ebay ersteigerte er eine neue Wandsäge mit Hydraulikaggregat. Krasicki schmunzelt trotzig: „Wir werden immer besser.“ Betonstück um Betonstück verschwinden, unnütze, 20 Zentimeter dicke Wände im Innern des wenig schnittigen Bunkers. 75 Minuten braucht’s allein für einen Längsschnitt. Ein Kinderzimmer lässt sich hier in kühnsten Gedanken noch nicht sehen.

Ernster wird die Angelegenheit auch noch. Die Außenwände sind noch einiges dicker, zudem weichen Bauunterlagen von der Realität ab. Als die Wände freigelegt waren, zeigten sich alle zwei Meter wuchtige Stahldoppelträger. Das wird eine Herausforderung, ebenso die Schneidearbeiten für die Lichtkuppeln in der Decke. 35 Zentimeter ist die dick, darüber liegen zehn Zentimeter Formglas und eine Deckenplatte, die im Gefälle zwischen zwölf und 28 Zentimeter dick ist.

Eins nach dem anderen. Einer der neuen Nachbarn hilft Krasicki, er hält es für möglich, noch in diesem Jahr fertig zu werden. Krasicki schmunzelt wieder. Er kennt ja die Ressentiments, die andere ihm zwar nicht offen ins Gesicht sagten, aber doch: Ein Spinner! Wieder ein Schmunzeln, er will da durch.

"Einfach weitermachen"

Ein Einzug Ende des Jahres sei „Wunschdenken. Aber der Mensch lebt ja von der Hoffnung.“ Abends beim Feierabendbier auf der Baustelle stellten er und sein Mitstreiter sich schon des Öfteren die Frage, ob sie ihr Werk am nächsten Tag fortsetzen sollten. Bisher taten sie es. Krasicki, Frau und Kind haben sich eine kleinere Wohnung genommen. Geld sparen. Die „Baustelle seines Lebens“ schluckt es.

Der nächste Betonschnitt steht an. Überall liegen und stehen schon gefallene Brocken. Wie die wohl aus dem Bunker zu transportieren sind? Krasicki hat da seine Idee. Ob’s klappt, muss sich zeigen.

Erst einmal gelte „mein Vorsatz zum Jahreswechsel: Einfach weitermachen!“