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Stadtplanung

350 Verkehrsschilder entrümpelt

17.09.2012 | 19:36 Uhr
350 Verkehrsschilder entrümpelt
Demnächst gilt Tempo 20 auf der Leineweberstraße.Foto: Stephan Glagla

Mülheim. „Was reißen die denn hier schon wieder auf!“ Die zwei älteren Herren an der Leinweberstraße wundern sich kopfschüttelnd. Doch die Bauarbeiten, die gestern begannen, werden nur eine Woche dauern und gehören zu dem Projekt „Simply City“ , was soviel heißt wie: Vereinfache Deine Stadt! Auf der Leinweber wird die Ampelanlage in Höhe Kohlenkamp abgerissen, für Autofahrer gilt demnächst vom Berliner- bis zum Kaiserplatz Tempo 20.

„Der Fußgänger soll an jeder Stelle die große Innenstadtallee queren können“, sagt Verkehrsplaner Roland Jansen und appelliert an die Autofahrer: Nehmt Rücksicht! Gezeigt habe sich bei Verkehrszählungen, dass ohnehin nur ein geringer Teil die Ampel nutzte. 70 bis 80 Prozent der Fußgänger hätten dort die Leineweber überquert, wo sie wollten. Selbst der, der die Ampel gedrückt hatte, wollte oft nicht so lange warten und lief los – mit der Folge: Rot für Autofahrer, Rückstau bis zum Berliner Platz – und kein Fußgänger querte.

Keine Ampel und Tempo 20, da ist sich Tiefbauamtsleiter Klaus-Dieter Kerlisch sicher, werden den Verkehr verstetigen. Heißt: Rückstaus werde es kaum noch geben.

Bundesweit modellhaft

Wo bisher die Ampel stand, wird es künftig eine farbliche Abtrennung des Überganges Richtung Altstadt geben. Zugleich wird für die Autofahrer eine leichte Mulde gebaut, so dass sie den Fußgängerüberweg beim Fahren spüren. Damit kein Fußgänger unter der Straßenbahn landet, wird es im Bereich Kohlenkamp auf beiden Seiten der Leineweber eine Lichtleise im Boden geben, die signalisiert: Vorsicht Bahn! Die Lichtleiste sponsert das RWE. Zugleich ertönt beim Ankommen der Straßenbahn als akustisches Signal eine Glocke. Das müsste aus Sicht der Verkehrsplaner in Sachen Sicherheit ausreichen. Unterm Strich spart die Stadt dabei rund 5000 Euro für die Wartung der Ampelanlage im Jahr.

Die „Entrümpelung der Leineweber Straße“ wäre damit abgeschlossen. Eine Kommission mit Vertretern der Stadt, der Polizei, des ADAC und des Planerbüro Südstadt hatte bereits Vorfeld 105 der 204 (!) Verkehrsschilder rund um die Leineweber für überflüssig erklärt. Sie wurden beseitigt. Einige ältere Fahrradständer wie auch Sitzgelegenheiten sollen jetzt noch gegen neue ausgetauscht werden, sagt Jansen und hofft dabei auf Sponsoren. Gut möglich, so Kerlisch, dass mit der Umgestaltung der Leineweber sich auch das Gefühl verstärkt, dass Innenstadt und Altstadt näher zusammenrücken. „Die Verkehrsbarrieren jedenfalls haben wir beseitigt.“

Dieses Zusammenrücken ist ein Wunsch vieler Bürger und Politiker wie auch die Steigerung der Aufenthaltsqualität der Allee. „Macht aus der Leinweber einen Boulevard!“, lautete ein häufig genannter Wunsch der Bürger beim Workshop zur Umgestaltung. Die Verkehrsberuhigung, so Jansen, gehöre dazu.

„Simply City“ ist für Mülheim ein sehr erfolgreiches Projekt. Nach dem Ortskern von Heißen und jetzt der Leineweber soll im Oktober der Schilderwald entlang der Mellinghofer Straße gelichtet werden. Übersichtlicher, einfacher, und damit auch sicherer, ungefährlicher soll es danach zugehen. 350 Verkehrsschilder hat Mülheim bislang im Rahmen des Projektes entsorgt. „Alles überflüssige, störende oder gar kontraproduktive Schilder“, erklärt Jansen. Jedes zweite Verkehrsschild an der Leineweber ist weg, nicht viel weniger sind es in Heißen und werden es an der Mellinghofer sein. Beim Lichten des Schilderwaldes gilt Mülheim bundesweit aus Sicht des ADAC als modellhaft. Die Verkehrsplaner sind darauf ein wenig stolz in einer Stadt, in der über den Verkehr sonst häufig nur gemeckert wird.

Andreas Heinrich


Kommentare
18.09.2012
21:51
weitere "Leichen" von Verkehrsschildern ....
von Muelheim_01 | #12

Nordstr. zwischen Kappenstr. und Aktienstr.

ca. 20 m hinter der Ampel kommt von rechts der Meisenweg .... wenn da nicht die Absperrpfähle wären .. Trotzdem stehen da vorgeschriebene Fahrtrichtung geradeaus (wo will ich da sonst auch hin) sowie Vorfahrtstrasse (wer sollte da von rechts kommen? und wieder was zum Verschrotten ....

18.09.2012
13:42
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von themarlboroman | #11

sehr schön...MH richtet immer mehr "shared space" ein und hat anscheinend verpasst, das der Vorreiter DU den Shared Space wieder abschafft...das wird in MH auch zwangsläufig passieren....

18.09.2012
11:40
...
von sebas | #10

1. Besagte Ampel war für jeden Fußgänger, der die Leineweberstraße überqueren wollte,
aber auch eine wahre Zumutung.
Betätigte man die "Anforderungs-Taste", dann dauerte es unerträglich lange, bis es "grün" wurde.

2. Mit Tempo 20 fahrenden Autofahrern wäre das Überueren der Leineweberstraße natürlich auch ohne Ampel realisierbar. (Na ja, für alte und oder gehbehinderte Fußgänger gilt das sicher nur eingeschränkt).

3. Sind Sie schon einmal mit Ihrem Auto über eine Strecke von ca. 200 Metern (oder für welche Distanz gilt das neue Tempolimit?) Tempo 20 (laut Tacho) gefahren???
Ich befürchte, viele Autofahrer werden sich nicht daran halten...!

4. Wünschenswert wäre die permanente Überprüfung der Einhaltung der Geschwindigkeits-Begrenzung - durch Starrenkästen.

18.09.2012
11:01
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von wohlzufrieden | #9

Die Entrümpelung des Schilderdwaldes funktioniert in den Niederlanden bestens. Wenn hier noch Schwierigkeiten vorhanden sind, muss es wohl zum Teil auch an der Mentalität einiger Verkehrsteilnehmer liegen.

18.09.2012
09:55
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von speldorferin | #8

Es ist ja lobenswert wenn dadurch gespart werden könnte,meine Zweifel sind groß.
Habe aber zum wirklichen sparen einen Vorschlag, die Ampelanlage an der Kreuzung Mendenerstr.-Steinknappen, an der seit gefühlten 6 Monaten eine Baustelle ist , wobei der Steinknappen komplett gesperrt ist , könnte ohne Aufwand abgeschaltet werden .
Oder muß dazu der Vekehrsausschuß, in dem sowieso nur Radfahrer sitzen, befragt werden ?

18.09.2012
08:28
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von simonedubray | #7

In Heißen funktioniert das sogar im großen und ganzen einigermaßen. Gut, die Busse blockieren manchmal den Kreisverkehr, so dass gar nichts mehr geht, aber das ist nur relativ selten der Fall.

Was allerdings ein Problem ist, ist das Verhalten der Autofahrer. Die wissen nämlich anscheinend nicht, das sie sich in einem Shared Space Bereich befinden und welche Regeln dort herrschen. Wenn man an einer beliebigen Stelle die Straße überqueren möchte, kann es schon mal passieren, dass man wütend angeschaut wird, oder man bekommt die Hupe.
Gestern bin ich fast von einem Polizeiwagen überfahren worden. Der kam aus Richtung der Essenerstr. und fuhr in Richtung Matktplatz. Allerdings mit Sicherheit nicht 20 km/h. Er hatte aber auch kein licht- oder akkustisches Signal, so dass man davon Ausgehen kann, das er sich nicht im Einsatz befand.

An den Stellen muss auf jeden Fall eine Aufkllärung der Autofahrer stattfinden. Kontrollen der Geschwindigkeit und Rechts-vor-Links können auch nicht schaden.

18.09.2012
07:23
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von Maukau | #6

Ist ja auch so einfach Fußgänger Fahrradfahrer die kennen alle kein ROTLICHT also kann man ja überall die Ampeln für Fußgänger abbauen bestraft werden eh nur die Autofahrer .Ach ja es wr ja mal eine Kontrolle für das Fußvolk.

Wenn der erste Leichenwagen einen Fußgänger von der Leineweberstraße abgeholt hat werden alle wieder laut schreien.WIE KANN MAN SOWAS NUR PLANEN.

18.09.2012
06:01
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von Ruhrheini | #5

Dann sollte man die Leineweberstr. doch gleich fußgängerläufig machen.
Tempo 20 ist auf jeden Fall für jeden Autofahrer eine Zumutung.
Interessanter wird die Innenstadt dewegen auch nicht.

18.09.2012
05:59
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von Ruhrheini | #4

Dann sollte man die Leineweberstr. doch gleich Fußgängerläufig machen.
Thempo 20 ist für eine Durchgangsstraße auf jeden Fall eine Zumutung.
Und interessanter wird unsere Innenstadt damit auch nicht.

17.09.2012
23:00
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von lospolloshermanos | #3

Man nehme: ideologisch verpeilte Verkehrsplaner, eine Firma z.B. Siemens und ein paar Lokalstrategen und man bekommt: Simply City. Das RWE sponsert eine Lichtleiste, das akkustische Signal wird von den Wiener Philharmonikern (live) gespielt und ein Boulevard, nein, ein Tempel entsteht. Rülps. Müssen nur noch die Bäume weg.

Bin mal gespannt, wann der erste von der Straßenbahn erwischt wird. Dann können die zwei Pressesprecher der MVG und der Herr Wiebels wieder erklären, daß Menschen halt in einem komplexen System "Stadt" nicht vorgesehen und somit unkalkulierbar sind. Bis auf die Steuern.

3 Antworten
350 Verkehrsschilder entrümpelt
von Maukau | #3-1

Bin mal gespannt, wann der erste von der Straßenbahn erwischt wird.

Warum bringen Sie die Bahn ins spiel ? Und nicht das AUTO.

350 Verkehrsschilder entrümpelt
von Maukau | #3-2

Bin mal gespannt, wann der erste von der Straßenbahn erwischt wird.

Warum bringen Sie die Bahn ins spiel ? Und nicht das AUTO.

Weil
von lospolloshermanos | #3-3

eine Straßnebahn mehr Bumms hat. Bei einem PKW mit 20 km/h hat eine Fußgänger gute Chancen "nur" leicht verletzt zu werden, eine Straba mit 20 km/h - das dürfte erheblich mehr Schaden verursachen.

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