Bargeld lacht mit Billig-Beißern
GERICHT. Moerser Zahnärztin ist in den Globudent-Skandal verstrickt. Sie soll Krankenkassen und Patienten um rund 34 000 Euro betrogen haben.
MOERS. Stumm saß sie gestern auf der Anklagebank, den Blick meist auf dem Boden gerichtet. Ihr Gesicht versuchte die 54-Jährige vor Verhandlungsbeginn hinter der rechten Hand zu verstecken. Für die Dauer ihrer Aussage, die dann doch vor ihrer Verteidigerin vorgetragen wurde, schloss die Vorsitzende des Schöffengerichts Angela Glatz-Büscher die Öffentlichkeit aus. Doch was die in Bukarest geborene Zahnärztin auch unternahm, die Anklage der Schwerpunktstaatsanwaltschaft Wuppertal war eindeutig: Die Zahnärztin soll als Mitglied der Globudent-Bande ihre Patienten und die Krankenkassen um rund 34 000 Euro betrogen haben.
Zwar praktiziert die 54-Jährige noch, ihre Kassenzulassung wurde ihr indes schon längst entzogen. Das System, nach der nicht nur die Moerser Zahnärztin, sondern etliche ihrer Kollegen in ganz Deutschland abkassierten, war denkbar einfach: Zahnersatz bei der Mülheimer Firma Globudent in Auftrag geben und hinterher das Geld einstreichen. Denn Globudent stellte Billig-Beißer aus China teuer in Rechnung. Bis der Skandal im November 2002 die deutsche Medizin-landschaft erschütterte, soll die 54-Jährige sich 34 000 Euro in die Tasche gesteckt haben.
"Kickback" macht den Zahnarzt glücklich
"Kickback" lautete das Zauberwort, das die Globudent-Zahnärzte glücklich machte. Für die Angeklagte hieß das: 24 Mal kassierte sie Bares, mindestens 25 % der Rechnungssumme. Für die Staatsanwaltschaft ist das gewerbsmäßiger Betrug, noch dazu als Mitglied einer gut organisierten Bande. Der sich auch für die Globudent-Firmenchefs auszahlte. Aktiendepots, schnelle Autos, gut gefüllte Schweizer Konten - die Billig-Beißer aus China waren ein Millionengeschäft.
Wäre die Moerser Dentistin auf das Angebot der Staatsanwaltschaft eingegangen, so hätte sie eine Strafe von einem Jahr auf Bewährung erwartet. Ihre Verteidigerin indes bestritt zum einen, dass ihre Mandantin einen für den Betrug notwendigen Vorsatz gehabt habe. Außerdem scheint die Angeklagte verwandschaftlich mit den Globudent-Betrügern verbandelt zu sein, was die Verteidigung als Beweis dafür wertete, dass sie gar nicht zu der Bande gehört haben könne.
Richterin Glatz-Büscher, in deren Akten von einem Außendienstmitarbeiter zu lesen ist, der der Zahnärztin Umschläge mit Bargeld zugesteckt haben soll, vertagte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit. Wahrscheinlich bis Sommer.























