Zum Selbstversuch in neuem Yoga-Studio

Die Dehnbarkeit stellt sich automatisch ein – sagt jedenfalls der Profi.
Die Dehnbarkeit stellt sich automatisch ein – sagt jedenfalls der Profi.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Gudrun Hille hat auf Platte Heide ein Yoga-Studio eröffnet und dafür sogar ihre Anstellung als Industriekauffrau gekündigt.

Menden..  In einem ruhigen Wohngebiet am Salbeiweg mit hübschen, freistehenden Einfamilienhäusern auf der Platte Heide treffen sich seit Neuestem Anhänger einer indischen Bewegungs- und Meditations-Philosophie. Unter dem Motto „Yoga für alle – Yoga für Dich“ bietet dort Gudrun Hille Yoga-Kurse an. Und wie lässt sich am besten beschreiben, worum es genau geht? Natürlich mit einem Selbstversuch.

An zwei Abenden pro Woche trifft sich eine kleine Gruppe unter der Anleitung von Gudrun Hille zum Yoga. Eigentlich wollte Hille erst eine Räumlichkeit mieten, dann kam die neue Idee: Die eigenen Kellerräume zu einem eigenen Yoga-Studio umbauen. Dafür war vor allem ihr Mann verantwortlich, der seine Frau bei allem unterstützt – mitmachen will er aber nicht.

80 Prozent der Yoga-Betreibenden in Deutschland sind weiblich, auch bei Gudrun Hille werde ich beim Selbstversuch zum Geschlechts-Exoten. Mein Eindruck täuscht nicht: „Ich habe leider noch keinen einzigen männlichen Schüler“, erklärt Gudrun Hille. Das sei aber keineswegs beabsichtigt.

Ausrüstungsfreier Einstieg

Den Einstieg in den Yoga-Kurs macht die 55-Jährige Interessierten besonders leicht: Bis auf Sport-Kleidung mit einem gehörigen Schuss Gemütlichkeit (Stichwort: Jogginghose) muss kein Equipment gekauft werden. Matten, Decken und Kissen gibt es vor Ort.

Die Räumlichkeiten wollen den Teilnehmern das passende Gefühl vermitteln: Das Licht ist gedämmt, die Einrichtung und Dekoration auf Entspannung eingestellt. An der Wand hängt ein Portrait von Swami Sivananda. Der 1963 verstorbene Inder bemühte sich um die Verbreitung der Yoga-Philosophie.

Der Kurs startet dann auch nicht explosionsartig. Das ist gar nicht Gudrun Hilles Intention. Langsam wird mit entspannenden Meditationsübungen begonnen. Der Kontakt zum inneren Selbst soll hergestellt werden. Auch das berühmte „Ommmmm“ lassen die Yoga-Schüler im Raum erklingen.

Der bei Gudrun Hille praktizierte Stil ist einer der klassischen: „Yoga Vidya ist ganz nah an der indischen Philosophie“, sagt die Yogini. Die Übungen werden lange gehalten, um Tiefenmuskelschichten anzusprechen, erklärt die Yoga-Lehrerin.

Auf Anspannung folgt Entspannung. Auch das Versprechen, dass selbst Ungeübte am nächsten Tag nicht mit einem Muskelkater aufwachen, bewahrheitet sich bei mir.

Die Übungen haben blumige Namen. Bei der „Kobra-Stellung“ wird der Rücken gedehnt. Bei der „Stellung des Kindes“ machen wir uns ganz klein. „Shirshasana“ – der Kopfstand – wird an diesem Abend nicht ausgeübt. Das ist nur etwas für erfahrenere Yoga-Schüler.

Kein Wettkampf

Für mich besonders ungewohnt: Dieser Yoga-Kurs will kein Wettkampf sein. Im Gegensatz zum Fußball, beispielsweise: In meinem Sportverständnis geht es da ums Gewinnen. Beim Joggen darum, seine eigene Bestzeit, seinen eigenen Körper zu besiegen. „Yoga ist kein Wettbewerb“, ermahnt mich die Yoga-Lehrerin immer dann, wenn ich versuche, mich weiter zu dehnen, als mein Körper es mir erlaubt. Erfolg stelle sich mit der Zeit von ganz alleine ein, sagt Hille. Bei mir knickt und knackt es zwischendurch.

„Durch den Yoga-Kurs ist mein Körper flexibler geworden. Ich fühle mich fitter“, sagt Teilnehmerin Julia Reif im Anschluss an den Kurs. Sie nimmt gemeinsam mit ihrer Mutter Anke Reif teil. Letztere schreibt den Übungen eine belebende Wirkung zu: „Yoga gibt mir mehr Energie, als es nimmt. Hinterher kann ich Bäume ausreißen.“ Ähnlich sieht das auch Sonja Raeck: „Ich entwickle mich weiter, bin danach aber nicht fix und alle.“

Ex-Industriekauffrau

Die Yoga-Faszination hat Gudrun Hille erst im Alter von 50 Jahren gepackt. Januar 2014 – mit 58 – hat sie eine zweijährige Ausbildung zur Yogini begonnen und mit Abschluss ihr Studio eröffnet. Um Yoga nicht nur nebenbei zu unterrichten, hat Gudrun Hille ihre Anstellung als Buchhalterin gekündigt. „Ab Mai bin ich keine Industriekauffrau mehr“, sagt sie. Dann will sie ihr Kursangebot ausweiten.

Momentan bemüht sie sich um eine Kassen-Zertifizierung. Dann sollen ihre Schüler die Möglichkeit haben, die Kurse von den Krankenkassen unterstützen zu lassen.

Das ist bei zertifizierten durchaus gegeben, erklärt Markus Linke von der AOK. Die Gründe sind simpel: „Stress ist ein bedeutsamer Faktor für Krankheiten. Entspannungstechniken führen zu mehr Ausgeglichenheit“, erklärt er. Krankenkassen wie die AOK übernehmen dann 80 Prozent der Kursgebühren.

Weitere Kurse in Menden:

Es gibt noch weitere Angebote, Yoga in Menden zu praktizieren. Hier eine kleine Auswahl:

Hüingsen

So betreibt Bettina Schauerte seit drei Jahren ihr „Yoga Atelier“ am Hüingser Ring 68a. Sie bietet unter der Woche jeden Tag Yoga-Kurse an. Donnerstags auch im Vormittagsbereich. Weitere Informationen: www.yoga-atelier.info

Innenstadt

Innenstadtnah an der Kolpingstraße 35 betreibt Gudrun Kübber seit 2009 ihr „green spirit – Yogastudio Menden“. Ihr Kurs-Plan umfasst Pilates Yoga, Rücken-Aufbaukurse und Workshops. Auch Privatstunden sind möglich. Übersichtsplan: www.yoga-menden.de

Yoga-Lehrerin Karin Wessel bietet Vormittag- und Abend-Kurse in ihren Räumen am Neumarkt 10a an. Infos: 02373/963953.

Lahrfeld

Im Lahrfeld bietet Andrea Stanzel mittwochs und donnerstags Kurse im „Yogaraum“ am Lahrweg 26 an – darunter auch eine Einheit vormittags. Weitere Informationen: www.yogaraum.stanzel.de

Volkshochschule

Auch die VHS hat Yoga-Kurse wie beispielsweise „Partner-Yoga“ oder „Yoga-Gymnastik“ im Programm. Für Kurse, die im Mai und Juni starten besteht auch noch die Möglichkeit der Anmeldung. Weitere Informationen gibt es mit dem Kursfinder auf der Homepage der VHS: www.vhs-mhb.de

Fitnessstudio

In der Fitness- und Saunawelt „AktiVita“ Am Papenbusch 32 gibt es für Mitglieder einen Yoga-Kurs, der montagabends stattfindet. Infos auf: www.aktivita-menden.de