Zu anständig für Schlammschlacht

Fröndenberg..  Das Ringen um das wichtigste politische Amt in einer Stadt kann schnell schon mal zur Schlammschlacht werden. Und schwieriger hätte die Konstellation in Fröndenberg kaum sein können. Die CDU hatte gegen Amtsinhaber Friedrich-Wilhelm Rebbe (SPD) ausgerechnet dessen einst führenden Mitarbeiter, den ehemaligen Beigeordneten Jürgen Focke, aufgeboten. Es hätte viele Gründe gegeben, mit härtesten Bandagen zu kämpfen und sich starke Wunden zuzufügen. Doch es kam nicht dazu.

Nicht nachgekartet

Alle Stadtratskandidaten der Sozialdemokraten betonten in ihren persönlichen Vorstellungen für diese Zeitung schon fast reflexartig, warum Friedrich-Wilhelm Rebbe für sie der beste Mann an der Spitze der Fröndenberger Verwaltung und ohnehin für die Ruhrstadt ist. Die Christdemokraten ihrerseits wollten vornehmlich mit der fachlichen Kompetenz ihres Mannes punkten. Und schließlich hallte bei so manchem Fröndenberger noch nach, dass im Jahr 2011 Jürgen Fockes Amtszeit als Beigeordneter mehrheitlich eben nicht verlängert worden war und im Mai 2011 Günter Freck zum Nachfolger gewählt wurde.

Auf der einen Seite Rebbe, der gebürtige Fröndenberger in der Rolle des klassischen Stadtvaters, der gern auch schon mal die Seelen der so genannten kleinen Leute streichelt.

Nicht verbiegen lassen

Auf der anderen Seite der Dortmunder Jürgen Focke, der mit seinem Team Fachkompetenz zum wichtigsten Wahlargument für sich machte: „Zuhören“, „Entscheiden“, „Anpacken“.

Spötter machten zwischenzeitlich sogar einen staubtrocken-langweiligen Wahlkampf aus. Wohl auch deshalb, weil Rebbe und Focke sich weigerten, öffentlich scharfe Geschütze gegeneinander aufzufahren. Zwei von Grund auf hoch anständige Menschen ließen sich trotz der für sie so ungemein wichtigen Entscheidung nicht verbiegen. Selbst in den kritischen Stunden des Wahlabends, als sich nach und nach Rebbes Sieg abzeichnete, gab es aus beiden Lagern keinen Hauch von Anfeindung. Focke gratulierte Rebbe sogar öffentlich zum Sieg.

Der Chronist Ihrer Zeitung sagt im Rückblick: Da zeigten zwei Männer Größe. Auch das ist in der Politik möglich.