Zeuge entsetzt: Frau überrollt in Menden bewusst Entenküken

Straßen sind für Entenfamilien immer eine Gefahrenquelle. Sie sind auf die Rücksicht von Autofahrern angewiesen.
Straßen sind für Entenfamilien immer eine Gefahrenquelle. Sie sind auf die Rücksicht von Autofahrern angewiesen.
Foto: Franz Luthe
Was wir bereits wissen
Weil sie wohl nicht warten wollte, steuerte eine Frau ihr Auto in eine Entenfamilie. Die Küken überquerten eine Straße. Entrüstung macht sich breit.

Menden.. Peter Tönnesmann ist aufgebracht. Seine Stimme zittert vor Wut. Er will es immer noch nicht fassen, was sich da gerade vor seinen Augen abgespielt hat. Der Mann holt zwei Entenküken aus seiner Tasche – tot! Eine Frau hatte die Tiere wenige Minuten zuvor mit dem Auto überfahren. „Sie hatte keine Lust zu warten“, sagt Tönnesmann.

Die für Mensch und Tier dramatische Szene soll sich so am Donnerstagmorgen gegen 10.30 Uhr auf der Balver Straße auf Höhe von Carglass abgespielt haben. Tönnesmann stoppte sein Auto. Er habe schon „ewig vorher“ gesehen, dass eine Entenfamilie die Straße überquerte. „Ein großer Wurf.“ Auch der blaue Renault Scenic auf der anderen Fahrbahn habe zunächst abgebremst. Dann habe die Frau aber Gas gegeben und sei direkt in die Entenfamilie hineingefahren. Er habe gar nicht gewusst, wie ihm geschah: „Das ist gemein und widerlich.“

Tönnesmann selbst sprang aus dem Auto. „Das eine Junge war sofort tot. Das andere hat sich noch auf der Straße gewunden.“ Die Frau war da schon auf und davon. Tönnesmann packte die toten Jungen ein und fuhr sofort in die Redaktion, um den Fall wenigstens öffentlich zu machen. „Es kann doch nicht sein, dass man so etwas tut. Die Frau hätte eine Minute warten müssen.“

Tierhilfe rät zur Anzeige

Auf eine Anzeige will Tönnesmann verzichten. Das lohne sich ja nicht, weil er sich das Kennzeichen in der hektischen Situation nicht gemerkt habe. Die Tierhilfe-Vorsitzende Kordula Passlack rät dagegen in solchen Fällen grundsätzlich zur Anzeige. Das mutwillige Töten der Enten sei ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Sie halte es durchaus für möglich, dass Zeugen die Situation beobachtet haben und einen Hinweis auf die Täterin geben können.

Neu sei dieser Fall leider nicht, sagt Passlack: „Dieses Problem gibt es leider jedes Jahr.“ Oft seien Entenfamilien mit ihrem Nachwuchs von Gewässer zu Gewässer unterwegs. Dabei müssen sie die Straßen queren. Sie habe selbst schon Straßen gesperrt, um Enten hinüber zu geleiten. „Man stößt leider nicht nur auf Menschen, die das toll finden.“

Peter Tönnesmann tröstet sich unterdessen mit Galgenhumor: „Zum Glück können Entenmütter nicht zählen.“