Zebrastreifen für Pflegekinder

Fröndenberg/Menden..  Wenn Kinder oder Jugendliche in eine Pflegefamilie kommen, ist dieser Übergang für sie mit großen Unsicherheiten und Ängsten verbunden. „Deshalb braucht es Gestaltung, Schutz und Begleitung“, sagt Claudia Schirmer, Einrichtungsleiterin der Stiftung Evangelische Jugendhilfe Menden. Seit zwei Jahren befasst sich die Stiftung intensiv mit dem Thema. Gestern fand in der Kulturschmiede das 1. Fachforum Pflegekinderhilfe Menden statt.

Stiftung betreut 140 Pflegefamilien

Seit mehr als 20 Jahren ist die Evangelische Jugendhilfe Menden im Bereich der Pflegekinderhilfe tätig. Aktuell betreut sie 140 Pflegefamilien, darunter 30 Bereitschaftspflegefamilien. „Wir bieten als Fachzentrum Beratung, Fortbildung und Qualifizierung“, erläutert Claudia Schirmer. Dabei richtet sich die Fortbildung nicht nur an die Pflegeeltern. Erst kürzlich, berichtet Schirmer, habe die Evangelische Jugendhilfe erstmals auch eine Fortbildung für Pflegekinder angeboten, in der sie lernen, Stress und Wut im Bauch zu verarbeiten.

In zwei Vorträgen befassten sich die knapp 100 Teilnehmer des Fachforums „Weichen stellen – für das Leben“ gestern mit der aktiven Gestaltung von Übergängen in der Biografie von Pflegekindern. Zu Gast waren Prof. Dr. Klaus Wolf von der Universität Siegen, Professor für Sozialpädagogik und für den Theorieteil zuständig, und Birgit Lattschar, Heilpädagogin, Diplom-Pädagogin, Systemische Beraterin und Supervisorin. Lattschar bot Handwerkszeug für die Praxis.

Zwei Wohngruppen in Fröndenberg

Eingangs hatte Claudia Schirmer den Übergang von Kindern in eine Pflegefamilie mit einem Zebrastreifen verglichen. „Diesen Weg als Schutzweg zu gestalten – das wäre eine gute Sache.“ Pflegekinder brauchten Übergangslotsen, die Orientierung geben, lautete abschließend das Fazit.

Bei der Wahl des Veranstaltungsortes hatte vor allem das Ambiente der Kulturschmiede überzeugt. Die Stiftung hat außerdem zwei Wohngruppen in der Ruhrstadt.

Und es gibt noch einen weiteren Anknüpfungspunkt – die besondere Bedeutung der Eisenbahn für Fröndenberg. Claudia Schirmer: „Das Thema ,Weichen stellen’ ist mit der Örtlichkeit sehr verwoben.“