Wo auf keinen herabgesehen wird

Bei der Essenausgabe: (von links) Inge Tenhagen, Elisabeth Döring, Birgit Hoff und Felix Harnischmacher.
Bei der Essenausgabe: (von links) Inge Tenhagen, Elisabeth Döring, Birgit Hoff und Felix Harnischmacher.
Foto: WP

Menden..  Mehr als 100 Menschen kamen auch in diesem Jahr an Heiligabend zum kostenlosen Mittagessen für Bedürftige ins Pfarrheim von St. Vincenz, darunter viele ältere Leute, aber auch mehrere Familien mit Kindern. Organisiert hatte das festliche Essen – es gab Geschnetzeltes von Kalb und Schwein, Bratkartoffeln, Wirsing, Rosen- und Rotkohl – einmal mehr das Team von Irmgard Feldmann mit den Harnischmachers als Lieferanten.

„Das ist nur ein Ausschnitt“

Wann genau diese segensreiche Aktion ihren Anfang nahm, kann indes nicht einmal Irmgard Feldmann als Frau der ersten Stunde genau sagen. Dass es aber mindestens 15 Jahre sein müssen, war am reibungslosen Ablauf zu erkennen. Auch die Gäste kennen sich aus, viele zählen laut Feldmann auch zu den Kunden der Suppenküche oder des DeCent-Ladens. Vertraut klingt auch der Umgang mit dem Dechanten: „Na, Herr Pfarrer, heute noch viel zu tun?“, klingt es Jürgen Senkbeil entgegen. Der Dechant wird angesichts der Zahl der Gäste nachdenklich: „Was wir hier an Armut sehen, ist ja nur ein Ausschnitt. Über die Hausbesuche unserer caritativen Dienste wissen wir, dass es auch in Menden viel an versteckter Armut gibt. Das sind Menschen, die sich so schämen, dass sie niemals hierher kämen.“ Wobei Irmgard Feldmann ergänzt, dass viele gerade deshalb Stammgäste an Heiligabend wurden, „weil hier niemand auf sie herabschaut“.

Altersarmut wird zunehmend Thema

Die Stimmung ist wirklich entspannt, wozu die leise Klaviermusik von Christian Rose viel beiträgt. Senkbeil bittet die Presse die Rotarier zu erwähnen, die das Ganze vom ersten Jahr an unterstützt hätten: Ohne sie gäbe es das Angebot nicht. Deren Präsident Manfred Döring erklärt sofort, dass diesmal Irmgard Feldmann selbst die Essenskosten übernommen hat. Der gesamte Tag lebe von großzügigen Sponsoren: Schlünder in Unna, Bäcker Niehaves, Sinn-Leffers und Susanne Sydow von Firma Fiebig.

Was die versteckte Armut angeht, sieht Döring indes auch Mendener Hilfeleister vor großen Herausforderungen. „Viele Leute ahnen heute noch gar nicht, dass sie in die Altersarmut hineinstolpern.“