WM-Reise mit vielen Hindernissen

Menden..  Die Lust, andere Länder und ihre Kulturen kennenzulernen, hatte Dimitrios Tsiropoulos schon immer: Im Juni und Juli dieses Jahres wagte der gebürtige Mendener allerdings eine ganz besondere Reise. Er flog nach Brasilien, um dort die Fußball-WM mitzuerleben. Mit Rollstuhl.

Kaum barrierefreie Zimmer

Knapp sechs Wochen später kehrte Dimitrios mit vielen Eindrücken zurück – allerdings auch mit einer großen Portion Realismus: „Es gab mehr Probleme als erwartet“, sagt der 40-Jährige heute. „Ich bin mit dieser Reise ins kalte Wasser gesprungen.“ Das schwüle Klima forderte seinen Körper. „Und ich war häufig viel mehr mit der Suche nach Unterkünften beschäftigt, als mir die Gegend anzuschauen und die Leute kennenzulernen.“ Denn viele Unterkünfte seien dort nicht barrierefrei ausgebaut. Er fasst zusammen: „Eigentlich war der Aufwand fast zu groß.“

Dimitrios Tsiropoulos ist in Menden aufgewachsen und hier zur Schule gegangen. Nach dem Schulabschluss entschied er sich dafür, eine Ausbildung zum Hotelfachmann in Iserlohn-Letmathe zu machen. Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit krachte er mit seinem Auto in den Seitenstreifen der Straße und verletzte sich dabei schwer. Die Diagnose: eine Form der Querschnittslähmung. Im Jahr 2001 zog Tsiropoulos nach Heidelberg – auch, um dort ganz neu anzufangen. Hier lebt er bis heute.

Und von hier aus startete er auch Ende Juni mit Betreuern nach Brasilien. Das Viertelfinalspiel Niederlande gegen Mexiko erlebte der Mendener im Stadion ebenso wie Brasilien gegen Chile. Von sozialen Unruhen in Fortaleza, wo Tsiropoulos wohnte, bekam die kleine Reisegruppe nichts mit: „Aber überall gab es viele Polizisten.“

Neue Projekte schon im Blick

Als besonders schön behält er Begegnungen auf dem Weg nach Recife in Erinnerung: „Da machten wir an einem Strand und kamen mit dem Besitzer eines kleinen Restaurants ins Gespräch. Dort war es wirklich paradiesisch.“

Und wie sieht es mit der Reiselust aus? Die ist ungebrochen. Gerade aus einem Griechenland-Urlaub zurückgekehrt, widmet er sich neuen Projekten: In Griechenland will er bei der Gestaltung eines Zentrums für Menschen mit Behinderungen helfen. Und in Heidelberg einen Verein für Freizeit und Kultur gründen, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenkommen.