Wildschwein-Plage in Menden durch Mast-Jahr

Eine Bache auf Nahrungssuche. Das große Angebot lässt Wildschweine zu Leckerschmeckern werden – zum Leidwesen von Jägern.
Eine Bache auf Nahrungssuche. Das große Angebot lässt Wildschweine zu Leckerschmeckern werden – zum Leidwesen von Jägern.
Foto: Fredrik von Erichsen
  • Kastanien, Bucheckern, Eicheln: In diesem Herbst gibt es Wildfrüchte ohne Ende. Experten nennen es Mastjahr
  • Am meisten profitieren Wildschweine davon. Die Allesfresser vermehren sich nahezu ungebremst
  • Das große Nahrungsangebot macht die Tiere wählerisch. Lockfutter wie Mais lassen sie meist liegen

Menden..  Wildfrüchte satt und ausbleibende Winter sorgen für eine Wildschweinplage. Landwirte und Jäger beobachten, dass die Lebensbedingungen für die Tiere inzwischen so gut geworden sind, dass sie zwei Mal pro Jahr werfen. Mit der Zahl der Wildschweine steigt das Ausmaß der Wildschäden. Die Experten sind ratlos.

„Kastanien, Bucheckern und Eicheln gibt es dieses Jahr en masse“, weiß Hegering-Leiter Philipp Nikodem. „Wir haben ein Mast-Jahr“, stellt Jagdaufseher Udo Hempelmann fest.

Schwarzwild wird wählerisch

Ein Grund dafür sind die bisher überdurchschnittlich hohen Temperaturen in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Nur der März war im Vergleich zum langjährigen Mittel zu kalt – geringfügig. Alle übrigen Monate waren teilweise deutlich zu warm, rechnet Mendens Meteorologe Peter Friedrich vor. Januar, Februar, März und September waren mehr als zwei Grad wärmer als im Schnitt. Der August war gar 18 Grad warm – 4,2 Grad mehr. Und an Regen fehlt es nicht.

„Jedes Schwein kommt durch“

Gerade Schwarzwild profitiert von hohen Temperaturen und hohem Nahrungsangebot. Obendrein hat die „sus scrofa“, so der wissen­schaftliche Name der wilden Wutz, keine natürlichen Feinde. Mit fatalen Folgen. Der natürliche Lebensrhythmus der Wildschweine ist längst durcheinander. „Die Säue werfen inzwischen zwei Mal pro Jahr“, sagt Rainer Hahn von der für Menden zuständigen Landwirtschaftskammer Ruhr-Lippe in Unna, „jedes Schwein kommt durch.“

Erst in die Felder – und dann ins Grünland

Bei der Nahrungssuche bedienen sich die Tiere gern bei Feldfrüchten. Rainer Hahn: „Im Sommer gehen sie ins Getreide, dann in den Mais, und schließlich durchwühlen sie Grünland auf der Suche nach Engerlingen.“

Betroffen sind neben Landwirten Besitzer von Gärten am Waldesrand. Für die Flurschäden müssen die Waidmänner aufkommen. Udo Hempelmann: „Allein beim Mais sprechen wir von 5000 Quadratmetern.“

Philipp Nikodem vom Hegering hat dieser Tage beobachtet, dass fressfreudige Paarhufer wählerisch geworden sind: „Viele verschmähen Kastanien, sogar Mais, wenn sie Eicheln finden.“

Die Gourmet-Schweine erweisen sich für Jäger als Problem. An den Kirrungen – Plätze mit Lockfutter – darf nur Getreide ausgelegt werden. Meist ist es Mais. Bachen und Keiler kennen bessere Kost. Philipp Nikodem frustriert: „Letztens habe ich mir bei Vollmond auf dem Hochstand einen abgefroren, und kein Schwein kam.“