Wie muss Sexualkunde an katholischen Schulen aussehen?
30.08.2008 | 14:00 Uhr 2008-08-30T14:00:00+0200Menden. „Du, Frau Hebben, wie hab ich in Mamas Bauch gepasst?” Sexualkunde in der katholischen Grundschule. Zu diesem Thema meldet sich jetzt das Erzbistum Paderborn zu Wort — und verschickt Briefe mit Ratschlägen an die Eltern. Aber wie sieht Sexualkunde an Mendens katholischen Grundschulen aus?
An einem rosafarbenen Strohhalm hängt ein blauer Luftballon, zusammengeschnürt mit einem gelben Gummiband: Was Marie-Christine Ebert zeigt, ist das Modell einer Gebärmutter. Ein Modell, das die Lehramtsanwärterin gemeinsam mit ihren Schülern an der Josefschule Menden im Sachkunde-Unterricht gebastelt hat. Thema: Sexualkunde.
Der Brief vom Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker (WP berichtete gestern im überregionalen Teil) ist auch an der Josefschule verteilt worden. In dem Schreiben weist das Erzbistum darauf hin, dass die Eltern „über Ziel, Inhalt, Methoden und Medien der Sexualerziehung rechtzeitig zu informieren” sind. Von den katholischen Bekenntnisschulen müsse „erwartet werden, dass bei der Sexualerziehung Ihres Kindes nur Inhalte vermittelt werden, die mit den Grundsätzen der katholischen Kirche übereinstimmen.”
Das konkrete Anliegen des Erzbistums: Eltern sollen das Recht auf Mitbestimmung und Information über den Sexualkundeunterricht wahrnehmen, dabei könnten diese auf Unterstützung durch das Erzbistum zählen.
An der Josefschule Menden gab es bislang keine Reaktionen der Eltern auf das Schreiben. Denn hier scheinen mangelnde Informationen und fehlende Mitbestimmung der Eltern kein Problem zu sein: „Wir waren schon erstaunt über den Brief. Alles, was die Eltern demnach einfordern sollen, machen wir ja schon”, sagt Sachkunde-Lehrerin Vanessa Hebben. „Vor jedem neuen Schulhalbjahr stellen wir auf Elternabenden Themen, Materialien und Methoden in der Sexualkunde innerhalb des Sachunterrichts vor.”
Und die sollen in erster Linie altersgerecht und abwechslungsreich sein: Das kann im ersten Schuljahr eine Geschichte über Freundschaft, später dann der Besuch im Kreißsaal oder das Rucksackspiel sein, bei dem die Kinder nachfühlen, wie schwer ein Baby im fünften Monat ist. „Zur Sexualkunde gehören aber natürlich ebenso die Themen Gefühle, Familie, Freunde. Wichtig ist auch, dass Kinder lernen, nein zu sagen, wenn sie etwas nicht möchten”, erklärt Ebert.
Auch an den anderen katholischen Bekenntnis-Grundschulen hat der Brief keine großen Wellen geschlagen — wohl aber Verwunderung ausgelöst. Oder er ist gar nicht angekommen: Auf dem Schreibtisch von Westschul-Rektorin Helga Sommer ist der Brief noch nicht gelandet.
„Das ist momentan bei uns kein drängendes Thema, Sexualkunde wird in unseren Klassen erst in ein paar Monaten Thema im Sachunterricht sein”, erklärt Awerd Riemenschneider, Rektor der Josefschule Lendringsen. Auch die Eltern der Halinger Grundschüler werden den Brief des Erzbischofs noch erhalten. Rektor Paul Behme muss sich erstmals mit einem Bischofs-Brief beschäftigen, ist er doch erst seit kurzem zusätzlich zur Bösperder Nikolaus-Groß-Schule auch für die Grundschule Halingen zuständig — eine der fünf katholischen Bekenntnisgrundschulen, die es in Menden gibt.
19:26
Die katholische Kirche verliert ihre Schafe und muß sich neu orientieren, ob der Weg zurück ins Mittelalter für die Gemeinschaft richtig ist wage ich zu bezweifeln.
Fest steht das die Katholische Kirche zum Lehrinhalt ihrer Schulen sehr wohl eine Meinung haben sollte.
Wer diese Meinung nicht teilt kann eine andere Schule und/ oder Glaube wählen.
Wir leben ja nicht mehr im Mittelalter!
17:12
Und wann werden wieder die ersten Hexen verbrannt???
14:18
Na hurra, jetzt geht es hier auch schon los. Ich bin mal gespannt wie lange es dauert bis irgendwelche christlich- oder auch islamisch Fundamentalisten Eltern sich durch solche Aktionen aufgerufen fühlen, ihre Kinder aus dem Biologieunterricht zu nehmen. Das Schulwesen ist aus gutem Grund in Staatshand (oder zumindest unter staatlicher Aufsicht). Jedes Kind hat ein recht auf freien Zugang zu Wissen, nur so haben die Kinder eine wirklich Chance, zu (auch im politischen Sinne) aufgeklärten und mündigen Bürgern heranzuwachsen – notfalls gegen den Willen der Eltern. Wehret den Anfängen! Was mit Ausnahmen bei der Sexualkunde anfängt, endet irgendwann in den Kreationsmusdebatten, wie sie derzeit in den USA geführt werden.