Wie die James Bonds der DDR gearbeitet haben

Referent Peter Baum.
Referent Peter Baum.
Foto: Rinke

Menden..  Die Stasi spionierte mit ausgefeilter Tücke. Es gab Filme, so winzig, dass sie unter eine Briefmarke passten. Klitzekleine Kameras, die sich problemlos in Schlüsseletuis oder sogar in Büstenhaltern unterbringen ließen, was lediglich eine gewisse Mindestkörbchengröße bei der Trägerin voraussetzte.

Die Stasi, Ministerium für Staatssicherheit der DDR, bediente sich 1975 rund 200 000 „inoffizieller Mitarbeiter“ – abgekürzt IM –, die sie hervorragend ausbildete. Hochinteressante Hintergründe zu den Observations- und Abhörtechniken der Stasi lieferte am Donnerstagabend in der Kundenhalle der Mendener Bank in Bösperde Ingenieur Peter Baum: ein Mann, der über seiner Forschungsarbeit über die Akten des operativen technischen Sektors der Stasi eine leidenschaftliche Sammlertätigkeit entwickelte. Für Spionagekameras sowie weitere „Erinnerungsstücke“ an die perfide Stasi-Tätigkeit.

Geruchsproben im Glas

Eine umfangreiche Sammlung hat Baum seit 1999 zusammenbekommen, einige Stücke brachte er zu seinem Vortrag vor den Mitgliedern der Bank mit. Seine lebendigen, oft schockierenden Schilderungen illustrierte er mit Fotos, Einspielungen zeitgenössischer Filmdokumentationen und Szenen aus dem Spielfilm „Das Leben der Anderen“. „Es gab Geruchsproben.“ Peter Baum hält ein Schraubglas hoch und zieht daraus ein dünnes Stück Stoff. „,Handflächen nach unten auf den Stuhl!’, hieß es beim Verhör. Man schwitzte natürlich.“ Danach wurden die „Geruchsproben“ mit einem dünnen Stofftuch abgenommen und „eingeweckt“.

„Es war... faszinierend“, gesteht ein einstiger IM in einer Dokumentar-Einspielung mit verschämtem Lächeln. „Faszinierend, die Leute zu überwachen und danach über das Gericht ins Staatsgefängnis Bautzen zu schicken“, vollendet Baum das Bekenntnis klar und hart. Wie lückenlos die Stasi ihre Bürger und vor allem auswärtige Staatsgäste überwachte, zeigt er am Beispiel des Hotels Warnow in Rostock. Mitte der 80er Jahre gab es rund um das Gebäude Stützpunkte – mit Namen wie „Wolke“ oder „Theke“ – die alle von 500- bis 10 000-Millimeter-Kameraobjektiven überwacht wurden. Als 1983 SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel die DDR besuchte, stellte die Stasi nicht weniger als 140 Personen und 52 Pkw für seine Überwachung ab.

Fotografieren durchs Knopfloch

Mit welch perversem Geschick Bürger von ganz normalen Nachbarn überwacht wurden: Da wurde die Kamera unterm Hemd auf der Brust getragen und durchs Knopfloch fotografiert, da bargen sich Kameras in Benzinkanistern. „Und wenn die Leute meinten, sie könnten sich konspirativ auf Friedhöfen treffen – Pech gehabt“: Baum blendet das Foto einer Gießkanne mit doppeltem Boden ein: Unten hinein kam die Kamera, obendrüber Wasser. Vollkommen unauffällig. Und da die Kameras der Firma Robot aus Düsseldorf kostspielig waren – 550 D-Mark pro Stück – „gab es auch wesentlich kleinere“, erzählt Peter Baum: „Für zehn bis 15 Fotos, eingebettet in eine Handtasche, fotografiert wird durchs Gitternetz.“ Die wohl ausgeklügeltste Variante: Mini-Kamera im BH versteckt – direkt zwischen den Brüsten. „Eine gewisse Körbchengröße“, bemerkt Peter Baum ironisch, „war erforderlich“.