Wenn Mutter anruft, schnellt der Puls in die Höhe

Das Publikum im ausverkauften TAZ hing an den Lippen des Lehrerkindes. Die Comedy-Lesung von Bastian Bielendorfer war ein voller Erfolg.
Das Publikum im ausverkauften TAZ hing an den Lippen des Lehrerkindes. Die Comedy-Lesung von Bastian Bielendorfer war ein voller Erfolg.

Menden..  Bastian Bielendorfer avanciert zum Stammgast in Menden. Das Lehrerkind aus Gelsenkirchen stellte schon zwei Bücher hier vor. Weil sich so viele Menschen an seinen Erzählungen über ein Leben im Haushalt zweier Vollblutpädagogen amüsiert hatten, war klar, dass auch sein drittes Werk nach Menden kommen sollte. Am Freitag gastierte der 30-Jährige mit „Mutter ruft an – Mein Anschiss unter dieser Nummer“ im Theater Am Ziegelbrand.

Dieses Mal ist es keine reine Lesung. Bastian Bielendorfer liest einige Kapitel aus seinem neuen Buch, erzählt dazwischen aber auch ein paar Anekdoten aus seinem Leben. Einiges kennt man aus den anderen Büchern. Trotzdem kringelt sich das Publikum vor Lachen. Viele Besucher werden mit der Gewissheit nach Hause gehen, dass die eigenen Eltern gar nicht so schlimm sind.

Der Titel des Buches verrät es, es geht um Telefonate mit Mutter Bielendorfer. Wenn Bastian Bielendorfer mit ihr telefoniert, schnellt sein Puls in die Höhe. Manchmal „fängt mein Auge an zu zucken“, sogar dann, wenn das Telefon noch klingelt. Telefonate eskalieren regelmäßig „wie Strip-Poker-Spiele bei der Hamas“. Oft regt Mutter sich dabei über Probleme mit der heimischen Technik auf. „Meine Mutter und Technik, das passt nicht. Sie hält schon einen Toaster für eine hochtechnisierte Erfindung“.

Das hält sie aber nicht davon ab, einen Computer zu nutzen. Sogar Internet und „Gesichtsbuch“ nutzt sie. Wenn der „Personal Computer“ wieder streikt, muss der Sohn ran. „Niemand außer meiner Mutter und Jopi Heesters nennt einen PC noch Personal Computer“, erzählt Bielendorfer. Spam-Mails werden korrigiert und an den Absender zurück gesendet. Zum Ausschalten zieht Mutter den Stecker „wie beim Radio, das ist dann aus“. Ordnungsgemäß herunterfahren? „Wohin denn, etwa in den Keller“, fragt Mama. „In der Kunst würden unsere Telefonate als ‘freies Assoziieren’ bezeichnet“, ist sich Basti sicher. Seine Mutter – eine fleischgewordene Katastrophe.

Aber auch Vater Bielendorfer kommt nicht gut weg. Weil der den Verkaufsleiter einer Butterfahrt in Polen ständig korrigierte, ließ man ihn und die Gattin während einer Pause einfach an der Raststätte stehen. Den wohl schlimmsten Streich hat der Vater ihm kurz vor Ende des Zivildienstes gespielt. Bastian erhielt einen Brief, in dem stand, seine Zivizeit würde aufgrund einer Gesetzesänderung um zwei Monate verkürzt. „Und dann kam mein Vater nach Hause, der den Brief geschrieben hatte“. Hätte Bastian mal auf das Datum geguckt, es war der 1. April 2003.

Zwischendurch klingelt plötzlich ein Mobiltelefon. Die Vorlage muss Bielendorfer einfach verwandeln: „Oh, ein Handy. Ruft Mutter an?“

Auch wenn nicht alles genau so passiert ist, kann Bastian Bielendorfer einem schon sehr leid tun. Wer solche Eltern hat, braucht keine Feinde mehr. Zeitweise muss er absetzen, weil das Gelächter der Besucher über die skurrilen Anekdoten so ansteckend ist. Der Auftritt ist ein voller Erfolg. Die Mendener vermissen ihn jetzt schon. Da ist es doch sehr erfreulich, dass Bastian Bielendorfer bereits am Samstag auf seine „Gesichtsbuch“-Seite geschrieben hat: „Sitting Ovations in Menden! 170 Sauerländer laut wie 1000 Spartaner, DANKE für diesen geilen Abend! Ich freue mich aufs Wiedersehen zum Soloprogramm Ende des Jahres!“ Menden auch.