Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre...

Liebe Leserinnen und Leser,
den Hinweis auf den „ungläubigen Thomas“ kennen Sie doch sicher auch, oder? Vielleicht benutzen Sie dieses Synonym ja auch schon mal für jemandem, der etwas grundsätzlich oder in einer bestimmten Situation einfach nicht glauben will, der hartnäckig bei seinem Zweifel, vielleicht sogar seiner Kritik, bleibt, der schwer zu überzeugen ist?


In den katholischen Kirchen hören wir immer am Sonntag nach Ostern, die Episode vom „ungläubigen/ zweifelnden Thomas“ aus dem Johannesevangelium. Thomas will zuerst die Wunden des auferstandenen Jesus sehen, ihn berühren. Erst danach ist er bereit, ernsthaft zu glauben und so zu leben.
Ich persönlich empfinde durchaus Sympathie für Thomas, denn – Hand aufs Herz – immer alles zu glauben, was uns Menschen bisweilen an schier „Unglaublichem“ begegnet, ist doch kaum möglich. Insofern verkörpert Thomas für mich im Grunde auch den modernen Menschen: Wir moderne, aufgeklärte Menschen können und wollen auch nicht alles „einfach glauben“. Für Thomas hieß das, den vom Tod auferstandenen Jesus berühren zu können.


Dabei hatte er aber – und das wird leider oft zu wenig bedacht – schon eine bedeutende Vorentscheidung getroffen: Er wollte glauben. Aber sein Glaube sollte von einer möglichst großen Gewissheit getragen sein.

Mit einer Vorentscheidung, einem ,glauben wollen’, tun sich viele Menschen – so ist zumindest mein Eindruck – heute schwerer denn je.


Stattdessen werden Bedingungen gesucht und gefunden, nach deren Erfüllung man bereit ist, zu glauben: Wenn zum Beispiel die Kirche moderner wären, wenn der ganz Prunk in der Kirche nicht wäre, wenn der Sonntagsgottesdienst zu einer passenderen Uhrzeit stattfände und und und, dann…


Wenn… – ja, dann was? Fällt dann das Glauben wirklich leichter? Ich meine, wir müssen – wie Thomas vor zweitausend Jahren – zunächst einmal wirklich glauben wollen. Wir müssen für uns persönlich eine Vorentscheidung treffen, uns berühren lassen von dem, was wir die christliche Botschaft nennen.


Wir Menschen von heute sind bestens über alles Geschehen in der Welt informiert, wir sind aufgeklärte Menschen, und mit Recht legen wir vielfach den ,Finger in die Wunden’, die unsere Welt aufweist: Armut und Gewalt, Kriegselend und Flüchtlingsproblematik, Umweltzerstörung und Gleichgültigkeit usw. Wie gut ist es, wenn es dann nicht nur beim ,Finger in die Wunde legen’ bleibt, sondern wir – wie Thomas – Berührung empfinden mit Gott, seinem auferstandenen Sohn Jesus, dessen Botschaft nichts anderes, als Liebe und Barmherzigkeit ist. Wie gut ist es, wenn auch wir dann wie Thomas ernst machen mit Liebe und Barmherzigkeit im Leben mit unseren Mitmenschen: hier in Fröndenberg, in Europa und in der ganzen Welt.


Zu glauben ist sicher oft nicht einfach, aus Glauben Taten werden zu lassen wohl noch weniger. Aber wenn wir es ernsthaft wollen, dann wird es uns bestimmt leichter fallen. Wie gesagt: Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre.


Georg Toborek, Pastor in Fröndenberg und Seelsorger im Schmallenbach-Haus